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17. Oktober 2016
Befehle empfangen war gestern: Klassische Hierarchien haben an Bedeutung verloren
 
Von Manuela Specker
Schon immer wollte er Chef werden, Herr sein über ein Team von Leuten, die nach seiner Pfeife tanzen. Nach ein paar Monaten hat er alle gegen sich, es kommt zum Aufstand und schliesslich zu seinem Rücktritt. Dieser Verlauf ist typisch für Vorgesetzte, die ihre Rolle anders sehen als die Mitarbeitenden, die sie zu führen haben. Auch im 21.Jahrhundert wird Führung missverstanden mit Befehle austeilen und mit unliebsamer Arbeit abschieben.
 
Das kommt bei den wenigsten Mitarbeitenden gut an. Eine aktuelle Untersuchung des Personaldienstleisters Haufe zeigt: Von jenen 20 Prozent der Mitarbeitenden, die mit dem Führungsstil unzufrieden sind, werden die meisten klassisch-hierarchisch geführt; sie fühlen sich gefangen in starren Top-down-Hierarchien und beklagen einen geringen Handlungsspielraum. Ebenfalls auffällig: Ein Hauptgrund für die Unzufriedenheit ist das Gefühl, sich nicht entwickeln zu können – ein Zustand, der vor allen bei Mitarbeitenden in starken Hierarchien besonders ausgeprägt ist.
 
„Die Untersuchung zeigt deutlich: Immer noch werden Soft Skills bei Führungskräften unterschätzt“, so Bernhard Münster, Senior Product Manager bei Haufe und Initiator der Studie. „Im Zeitalter der Wissensarbeit sind Mitarbeiter die wichtigste Ressource für Unternehmenserfolg – und müssen entsprechend wertschätzend und individuell geführt werden.“
 
Wissensarbeit ist das Stichwort: Die Mitarbeitenden von heute verfügen über ganz andere Qualifikationen als zu Zeiten, als es einer Minderheit vorbehalten war, eine tertiäre Ausbildung zu absolvieren. Damals waren auch die Anforderungen am Arbeitsplatz tiefer. Bloss: Dieser Wandel ist noch lange nicht in allen Führungsetagen angekommen. Das liegt auch daran, dass Führung noch immer als etwas angeschaut wird, das intuitiv richtig gemacht wird, ganz nach dem Motto: Wer fachlich brilliert, kann auch Menschen führen.
 
Um einem modernen Führungsstil gerecht zu werden, sollten auch die richtigen Leute befördert werden – und damit nicht unbedingt jene, für die Führung ein reines Ego-Projekt ist, sondern jene, welchen die Entwicklung der unterstellten Mitarbeitenden tatsächlich am Herzen liegt. In einem solchen Umfeld gedeihen auch eher Innovationen. Die Technische Universität München und der Personaldienstleister Hays veröffentlichten diesen Monat ihre Umfrageergebnisse zum Thema Innovationskraft in den Unternehmen. 1200 Mitarbeitenden wurden gefragt, was sie sich wünschen, um kreativer arbeiten zu können. Das Resultat ist eindeutig: Zwei Drittel wünschen sich mehr Gestaltungsspielräume und Autonomie.
 
Als grösstes Innovationshindernis entpuppt sich wenig überraschend der Vorgesetzte. „Zu viele Chefs sehen ihre Aufgabe immer noch darin, die Mitarbeiter fachlich zu kontrollieren und darauf zu achten, dass niemand zu früh nach Hause geht“, so Frank Schabel, der bei Hays die Studie verantwortet. Dieses Selbstverständnis hingegen sei mittlerweile völlig überholt. In der Wissensgesellschaft würden die Mitarbeitenden selbst am besten wissen, wie sie ihre Arbeit erledigen. Gute Führungskräfte würden nur noch Ziele vereinbaren und sich stärker auf Personalentwicklung statt auf Kontrolle konzentrieren.
 
Dass sich der partizipative Führungsstil noch nicht auf breiter Front durchgesetzt hat, liegt auch an der Logik der Machtausübung: Jene, die es nach oben geschafft haben, wollen sich und ihr Rollenverständnis nicht hinterfragen – schliesslich haben sie hart dafür gearbeitet, um es in eine Führungsposition zu schaffen. Deshalb lohnt es sich für Personalverantwortliche, bereits bei der Beförderung zuerst die eigentliche Führungsmotivation zu überprüfen. Unternehmen, in denen Führung nicht als Kontrolle, sondern als Entwicklung der Mitarbeitenden verstanden wird, haben jedenfalls langfristig die besseren Karten in der Hand. Selbstständig denkende und handelnde Mitarbeitende, oft die Leistungsträger in einem Unternehmen, kennen zwei Reaktionen auf einen autoritären Führungsstil: Sie kündigen den Job oder leisten nur noch Dienst nach Vorschrift.

Bildquelle: Thinkstock

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