Als Quereinsteiger im Beruf

Mit der Neudefinition vieler Jobs im Zuge der Digitalisierung verändern sich auch die Zugangshürden. Der berufliche Quereinstieg auf Basis branchenfremder Erfahrung und bestimmter, als passend betrachteter Skills, könnte damit zu einem breiteren Phänomen werden.

Bewerbung / Neuorientierung
Veröffentlicht am 10.12.2018 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

Ob Lehrberuf, Fachschule oder Universitätsstudium: Dem Großteil der Jobs – und jedenfalls den höherwertigen Tätigkeiten – geht eine Ausbildung voran, in der zumindest die Grundlagen eines Berufs erlernt werden. Diese heißt es anschließend – oft auch schon in begleitenden Praktika – zu üben und die eigenen Fertigkeiten zu perfektionieren. Wenngleich die Zeiten, in denen man vom Ende der Berufsausbildung bis zum Eintritt in den Ruhestand für einen einzigen Dienstgeber tätig war, vielfach vorbei sind, ist der Wechsel in einen anderen Beruf während dieser langen Zeitspanne noch keineswegs eine Selbstverständlichkeit.

Neue Talente
Dabei sind die Beweggründe für einen solchen Wechsel vielfältig. Zum einen ist es ganz natürlich, dass sich die persönlichen Interessen der Menschen über die Jahre ändern. Zum anderen treten vielleicht Talente zutage, von denen man in der Jugend noch keine bis wenig Ahnung hatte. Eine unerwartete Arbeitslosigkeit kann außerdem zur Initialzündung für einen insgeheim schon angestrebten Wechsel werden. Nicht in jedem Fall wird es möglich gewesen sein, die Interessen und Talente bei der bisherigen Berufsausübung soweit zu bringen, dass man als Profi im neuen Bereich anerkannt wird. Immer wieder stehen dem auch formale Anforderungen im Weg. Gerade in Bereichen wie Gesundheit und Pflege, wo es um Menschenleben geht, aber auch bei anderen sehr spezialisierten Tätigkeiten wird der Quereinstieg ohne eine Aus- oder Weiterbildung gar nicht möglich sein. Oder man wird nicht über eine Handlangerfunktion hinauskommen.

Umso mehr bieten sich Berufe an, in denen schon bislang „Generalisten“ Erfolg haben, und wo man „on the job“ lernt. Wichtig wird in jedem Fall der bisherige berufliche Hintergrund sein, und ob dort z.B. ein besonderer Level an Stressresistenz oder ein vertriebliches Know-how erworben wurden. Eine gewisse Kreativität und sprachliches Talent vorausgesetzt, kann das zum Beispiel der Journalismus, eine PR-Tätigkeit oder auch das Produktmanagement für einen Dienstleister sein.

Digitalisierung als Beschleuniger
Auch das Projekt- und Prozessmanagement, für das es eine Reihe gefragter Fortbildungen gibt, ist ein Bereich, für den Fähigkeiten aus diversen Berufen wertvoll sein dürften. Vielleicht fehlt dem Quereinsteiger ein Teil der Begrifflichkeit – aber die Planung, Herstellung und zeitgerechte Lieferung z.B. einer Küche, die Konzeption und Durchführung von Workshops und Seminaren oder die Installation einer Server-Landschaft dürften der grundlegenden Definition eines Projekts genügen.

Nachdem gerade auch mit der laufenden Digitalisierung der Gesellschaft Berufe immer wieder neu definiert – und manchmal obsolet, künftig vielleicht noch öfter neu geschaffen – werden, könnte der berufliche Quereinstieg in den kommenden Jahrzehnten für viele Menschen zum Alltag gehören.