Was sogenannte Duckmäuser antreibt

Sie gehorchen gerne und hinterfragen selten: Was sogenannte Duckmäuser antreibt.

 

Bewerbung / Neuorientierung
Veröffentlicht am 30.06.2018 von Manuela Specker - Bildquelle: Thinkstock

Sie tun immer genau das, was von ihnen erwartet wird, sie stellen keine kritischen Fragen und kommen gerade deshalb gut an. Der Volksmund nennt sie „Duckmäuser“: Mitarbeitende, die sich wie Chamäleons den jeweiligen Vorgesetzten und Situationen anpassen. Es sind oft angenehme Zeitgenossen, denn wo immer sie sind, herrscht tendenziell Harmonie. Im 15.Jahrhundert hiessen sie noch „duckelmüser“, und gemeint waren damit Heuchler. Wer nicht sagt, was er denkt, um bei der Chefin gut dazustehen, ist in der Tat ein Heuchler. Fallen Vorgesetzte darauf rein, oder kommt es ihnen gerade recht, weil sie damit ihre fachliche oder führungstechnische Inkompetenz kaschieren können, sind die Duckmäuser bald in der Mehrheit. Vor allem, wenn sie sehen, dass jene, die eine Entwicklung auch einmal kritisch hinterfragen, kaltgestellt werden. So gesehen ist das Duckmäusertum ein reiner Überlebensmechanismus und keinesfalls nur negativ zu bewerten.

Es ist auch niemand davor gefeit, ein Duckmäuser zu sein. Wie oft schon hat man sich vorgenommen, dem Firmenboss einmal richtig die Meinung zu sagen, aber wenn er dann vor einem steht, kommt eher eine Art Stockholm-Syndrom und nicht das Revoluzzertum zum Zug. Warum plötzlich so feige?

Zum einen hat das Verhalten am Arbeitsplatz und gegenüber Autoritäten sehr viel mit familiären Konstellationen zu tun. Wer zum Beispiel in der Kindheit immer nur dann gelobt wurde, wenn er Befehle ausführte, behält dieses Muster manchmal auch im Erwachsenenalter bei. Zum anderen hängt das Duckmäusertum auch mit der Firmenkultur und dem dahintersteckenden Menschenbild zusammen: Wenn Mitarbeitende nur als Ausführende gesehen werden und wenn streng hierarchisch geführt wird, ist Gehorsam angesagt. Querdenker oder sehr selbstständig agierende Mitarbeitende haben es in einem solchen Umfeld schwer und werden früher oder später den Arbeitgeber verlassen. Wer sich wider Willen anpasst, zahlt einen hohen Preis: Nach vielen Jahren werden aus einst motivierten Mitarbeitenden nicht selten Zyniker, die nur noch schlechte Worte über das Unternehmen verlieren und frustriert sind, sich nie ein Arbeitsumfeld gesucht zu haben, das mehr ihrem Naturell entspricht. 

Aber genauso unklug wäre es, immer und überall den Revoluzzer zu markieren. Ein gewisses Mass an Anpassung ist in jedem Unternehmen nötig. Wer aber offensichtliche Fehler entdeckt, wer eine Schieflage frühzeitig erkennt oder eine bahnbrechende Idee hat, sollte sich auch entsprechend artikulieren können. Das wäre ganz im Sinne des Unternehmens, das auf diese Weise die besseren Chancen hat, innovativ zu bleiben und notwendige Veränderungen rechtzeitig zu erkennen. Im digitalen Zeitalter, wo viele Firmen auf Agilität setzen, kann das entscheidend sein für die Wettbewerbsfähigkeit.  

Das Duckmäusertum sollte aber auch in einen grösseren Kontext gesetzt werden: Die meisten Arbeitsumgebungen sind mittlerweile stark auf Konkurrenz ausgerichtet. Jeder gegen jeden, die besseren werden belohnt. Das hat zwangsläufig Auswirkungen auf das solidarische Verhalten; jeder ist sich selbst am nächsten, insbesondere in einem Umfeld, wo tatsächlich Karriereleitern erklommen werden können. Leistungsnachweise sorgen heute dafür, dass sich Mitarbeitende immer wieder unter Beweis stellen müssen Das hat aber nicht zwangsläufig Leistungssteigerungen zur Folge, sondern vielmehr Konformität, weil sich der Mitarbeiter nur noch an dem orientiert, was auch gemessen werden kann. In so einem Umfeld sind die meisten darauf bedacht, den Anforderungen gerecht zu werden und um keinen Preis negativ aufzufallen.

Am Ende ist alles immer auch eine Frage der Prioritäten: Wer möglichst keine Energie im Job verpuffen will und den Fokus lieber auf Familie, Privates, Freizeit etc. legt, reibt sich in der Arbeitsumgebung möglichst wenig auf und schweigt lieber einmal zu viel als zu wenig. Ob dies allerdings auch für die Unternehmen langfristig die besseren Mitarbeitenden sind als die unbequemen, sei dahingestellt.   

 

Weitere Artikel