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Personalpolitik / MA-Rekrutierung

Buhlen um Bewerber

Personalpolitik / MA-Rekrutierung
02. Dezember 2017
Flache Hierarchien, nette Kollegen, flexible Arbeitszeiten: Das sind Argumente, mit denen Unternehmen in Stellenanzeigen für sich werben. Oft aber nicht präzise genug.
Von Marcel Kloska*
 
Bestanden Stellenangebote noch vor wenigen Jahren aus einer Auflistung von Tätigkeiten, gehört die Einbindung von Benefits (üblicherweise in einer Rubrik wie „Ihre Vorteile“ oder „Unser Angebot“) heute zum Standard, wie eine aktuelle Studie von Dr. Schmidt & Partner, Agentur für Personalmarketing und Executive Search sowie Veranstalter der MINT-Karrieremesse advanceING in Zürich, nachweist.
 
Nur rund jede zehnte Anzeige (11,3 Prozent) verzichtet darauf. Der Grossteil der Unternehmen geizt dagegen nicht mit Angeboten. Insgesamt wurden 175 unterschiedliche „Verkaufsargumente“ eruiert – vom vergünstigten Mittagessen bis zur innovationsorientierten Unternehmenskultur. Pro Anzeige waren es im Schnitt mehr als fünf Benefits.
 
Teilt man die Benefits in Kategorien auf, ergibt sich ein klares Ranking: Am häufigsten werden mit 22,6 Prozent Aspekte mit direktem Bezug zur Position oder Tätigkeit aufgelistet. Mit Abstand folgen Argumente, die sich zum Beispiel auf Unternehmenskultur oder Vergütung beziehen. Ebenfalls vergleichsweise häufig ins Feld geführt werden Aspekte der Zusammenarbeit oder die guten Karriereperspektiven. Beide Kategorien tauchen in rund jeder zehnten Anzeige auf.
 
Auf den hinteren Rängen landen Argumente wie Work-Life-Balance oder Corporate Social Responsibility. Das verwundert –  sind es doch gerade diese Themenfelder, die in den Fachdiskussionen um neue Arbeitswelten die Agenda beherrschen und als Attraktivitätstreiber gelten.
 
Eine weitere Schwäche der Ausschreibungspraxis: Anstatt möglichst individuell auf die Attraktivitätsmerkmale einzugehen, werden als Benefits vor allem pauschale und damit wenig aussagekräftige Aspekte benannt: die spannende Tätigkeit, das attraktive Gehalt, das angenehme Klima. Das aber bietet den wenigsten Bewerbern einen Mehrwert. Denn woran genau sich das förderliche Betriebsklima konkret festmachen lässt oder was die Vergütung attraktiv macht – diese Informationen bleiben die meisten Anzeigen schuldig. Untersucht wurden 450 Stellenanzeigen aus dem deutschsprachigen Raum. Die Auswahl erfolgte im dritten Quartal 2017 zufallsbasiert auf den Jobbörsen StepStone.de und jobs.ch – Anzeigen von Personaldienstleistern wurden aussortiert.
 
Ebenso interessant wie der Blick auf die häufig verwendeten Benefits ist der Blick auf das, was nicht oder selten gesagt wird. Starten wir mit den Aussagen, die sich auf die Tätigkeit beziehen: Während in fast jeder dritten Anzeige auf die abwechslungsreichen Aufgaben verwiesen wird, fehlen konkretere Aussagen fast vollständig. Lediglich in einer einzigen Anzeige wird etwa auf die strategische Bedeutung der Position hingewiesen.
 
Kaum anders sieht es in Hinblick auf die Vergütung aus. In 28 Prozent aller Anzeigen ist pauschal von einem „attraktiven“ oder „leistungsgerechten“ Gehalt die Rede. Konkretere Hinweise auf die Höhe des Salärs werden dagegen allenfalls im öffentlichen Bereich gegeben. Auch Zusatzleistungen wie Fahrtkostenzuschuss oder Firmenwagen werden jeweils nur in ein bis fünf Prozent der Fälle genannt.
 
Ein letztes Beispiel betrifft die eng miteinander verwandten Bereiche Weiterbildungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven. Während fast 25 Prozent aller Anzeigen von allgemeinen Entwicklungsperspektiven sprechen, wird nur ein Bruchteil verbindlicher. Die konkrete Übernahme von Führungsverantwortung stellen nur 0,9 Prozent aller Ausschreibungen in Aussicht. Ein Nachwuchskräfteprogramm wird in zwei Anzeigen erwähnt, die Existenz individueller Laufbahnmodelle für Nicht-Führungskräfte in keiner einzigen.
 
Fazit: Ohne Bewerber-Benefits mag sich heutzutage kaum noch ein Arbeitgeber präsentieren. In der Umsetzung gibt es aber noch Luft nach oben – und ungenutzte Chancen zur Profilierung. Wer es schafft, weitestgehend auf Floskeln zu verzichten, kann punkten. Um die Vorzüge des eigenen Unternehmens zu präsentieren, ist und bleibt der persönliche Kontakt jedoch der Königsweg. Karrieremessen wie die advanceING in Zürich bieten Arbeitgebern die Chance, im direkten Kontakt mit Bewerbern Ihr Recruiting und Employer Branding voranzutreiben.
 
*Marcel Kloska ist Leiter Personalmarketing bei der Dr. Schmidt & Partner Group
 

Bildquelle: Thinkstock

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