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Karriere allgemein

Die Kunst der freien Rede

Karriere allgemein
04. April 2016
Wie Sie in einer Präsentation das Publikum für sich gewinnen
Eine Stimme, um zu sprechen, und einen Kopf, um zu denken – mehr braucht es nicht, um ein guter Redner zu sein. Sofern Sie die Spielregeln kennen! Bühne frei für die wichtigsten Tipps.
 
Von Martin Wehrle*

1. Hörer vor Thema
 
Wer entscheidet, ob Ihre Rede ein Erfolg oder ein Flop wird? Allein die Zuhörer! Der beste Redner ist nicht, wer am meisten von seinem Thema versteht – sondern wer sein Publikum für sich gewinnt. Bei jedem Wort, das Sie sagen, fragen sich die Zuhörer: „Was hat das mit mir zu tun? Was nützt es mir?“ Antworten Sie darauf! Zum Beispiel schlafen alle Bürger ein, wenn ein Lokalpolitiker lang und breit vom Planungsverfahren für das neue Jugendhaus berichtet. Aber alle werden wach, wenn er konkret sagt: Was werden die Jugendlichen, die Eltern, ja die ganze Stadt von diesem Haus haben?
 
2. Zettel statt Manuskript
 
Ein Redner ist kein Vorleser! Wer seine Sätze abliest, ohne ein professioneller Sprecher zu sein, klingt unbeholfen wie ein Schulkind. Ebenso steif können Power-Point-Präsentationen wirken. Besser: Schreiben Sie sich die wichtigsten Stichwörter Ihrer Rede in großer Schrift auf eine Pappkarte, die Sie in der Hand halten. Diese Karte bringt mehrere Vorteile: Erstens zeigen Sie Ihrem Publikum, dass Sie sich vorbereitet haben. Zweitens sorgt die Karte dafür, dass Sie Ihre Hände über der Gürtellinie in der so genannten positiven Zone halten (statt nicht zu wissen, was Sie mit ihnen anfangen sollen). Und drittens behalten Sie Ihren Faden.
 
3. Hauptsätze statt Nebensätze
 
Kurt Tucholsky, der selbst auf Demonstrationen vor Zehntausenden von Menschen sprach, gab Rednern den Rat: „Hauptsätze, Hauptsätze, Hauptsätze!“ Vermitteln Sie Ihre Botschaft so direkt, so kurz und so unkompliziert wie möglich. Packen Sie Hauptsachen in Hauptsätze. Lassen Sie Nebensächlichkeiten weg.
 
4. Persönlich statt gewöhnlich
 
Was interessiert Menschen am meisten? Andere Menschen! Nutzen Sie diese Tatsache, würzen Sie Ihre Themen mit persönlichen Geschichten. Was für ein Unterschied, ob Sie als Redner zur gesunden Ernährung starten mit: „In der Schweiz hat jeder dritte Mensch mit Übergewicht zu kämpfen“. Oder ob Sie sagen: „Vor zwei Jahren sprang meine Waage auf 130 Kilo. Ich sah das erst auf den zweiten Blick“ (Pause) – „denn mein Bauch war im Weg!“ 
Didaktisch geschickt ist es, wenn Sie sich nicht über Ihr Publikum stellen – (Botschaft: „Ich weiß alles besser!“), sondern sich selbst mit einem Augenzwinkern darstellen (Botschaft: „Ich bin wie ihr, nämlich auch nicht perfekt!“). Wer kleine Schwächen bekennt, mit dem können sich die Zuhörer besser identifizieren. Wer über sich selbst lachen kann, bringt das Publikum leichter zum Lachen.
 
5. Bilder und Vergleiche
 
Der Mensch ist ein Augentier. Nur das, was er sieht – und sei es vor dem inneren Auge –, prägt sich wirklich ins Gedächtnis ein. Machen Sie Abstraktes durch Vergleiche und Metaphern greifbar. Gehen Sie dabei auf Ihre Zielgruppe ein. Wer zum Beispiel als Anlageberater vor Fußballprofis spricht, täte gut daran, eine riskante Anlage mit einem „blinden Rückpass“ zu vergleichen, von dem keiner weiß, wem er vor die Füße rollt und welcher Schaden daraus entsteht. Aus der Didaktik ist bekannt: Wer Neues vermitteln will und dabei an Vertrautes anknüpft, erleichtert seinem Publikum das Verständnis.
 
6. Emotionen wecken
 
Eine Rede kann Wort für Wort stimmen – und dennoch keine Zustimmung erzeugen. Das Publikum urteilt nicht in erster Linie mit dem Kopf, sondern aus dem Bauch heraus. Wecken Sie Emotionen bei Ihren Zuhörern. Fragen Sie sich vor jeder Rede, welche Hoffnungen und Sehnsüchte, aber auch Ängste und Hemmungen Sie ansprechen können.
 
7. Mach mal Pause!
 
Lampenfieber beschleunigt das Redetempo. Je aufgeregter einer ist, desto mehr überschlagen sich seine Worte – als wollte er, aus Furcht vor einer Pause, jede winzige Lücke des Schweigens stopfen. Das ist ein Fehler, denn gute Redner wissen: Es kommt nicht nur auf die Worte, sondern auch aufs Sprechtempo an. So mancher Gag wirkt erst, wenn Sie an der richtigen Stelle eine Pause einlegen. Auch wichtige Aussagen sollten Sie im Raum stehen und wirken lassen, ehe Sie fortfahren. Nehmen Sie sich beim Üben auf und analysieren Sie Ihr Redetempo. Langsamer ist im Zweifel besser – erst recht dann, wenn Sie Ihr Redetempo variieren und in dramatischen Passagen auch anziehen.
 
8. Blickkontakt
 
Schon mal überlegt, woher der Begriff „Ansehen“ kommt? Davon, dass jemand angeschaut wird. Jeder Ihrer Zuhörer soll das Gefühl haben, dass Sie ihn mit Ihren Worten meinen. Deshalb: Verteilen Sie Ihre Blicke gleichmäßig. Schauen Sie nicht nur geradeaus, nicht nur in eine bestimmte Ecke des Raums. Sondern lassen Sie Ihren Blick langsam durch die Reihen wandern und immer wieder bei bestimmten Hörern verharren – mal vorne, mal hinten, mal rechts, mal links. Dieser Blickkontakt verbindet Sie mit Ihrem Publikum, erhöht die Aufmerksamkeit und gibt Ihnen die Chance, nonverbale Signal zu erkennen und darauf einzugehen – etwa Punkte, die offenbar gut ankommen (Kopfnicken, Schmunzeln), weiter zu vertiefen.
 
* Der Erfolgsautor Martin Wehrle gilt als Deutschlands bekanntester Karrierecoach.
In der Schweiz ist er als unterhaltsamer Vortragsredner bekannt, u. a. zu Führungskultur und Frauenförderung. Kontakt über: www.wehrle-redner.de

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