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Drum prüfe, wer sich bildet

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22. März 2015
Weiterbildungen kosten viel – sie sind ihr Geld aber nicht immer wert
Die Rede vom „lebenslangen Lernen“ hat dazu geführt, dass Weiterbildungen kaum mehr kritisch hinterfragt werden. Worauf es ankommt, damit die Investition nicht zum Leerlauf wird.

Von Manuela Specker
Mehr als fünf Milliarden Franken fliessen in der Schweiz jedes Jahr an Weiterbildungsinstitutionen. Ein lukratives Geschäft , an dem alle möglichen Anbieter teilhaben wollen. Das sollte sich immer vor Augen halten, wer eine Weiterbildung ins Auge fasst.
 
An der Weiterbildungs-Manie sind Arbeitgeber nicht unschuldig. Vor allem dann, wenn sie Mitarbeitenden das Gefühl geben, weg vom Fenster zu sein, wenn sie sich mal während dreier Jahre nicht weitergebildet haben. Der zweifelhafte Boom wird nicht zuletzt von der Vorstellung des „lebenslangen Lernens“ angefacht. Doch diese quantitative Sicht auf Weiterbildungen basiert auf einem grossen Missverständnis. Natürlich, Wissen veraltet immer schneller, und je nach Arbeitsgebiet müssen die eigenen Kompetenzen mit den technologischen Neuerungen Schritt halten können. Aber Weiterbildungen sind nicht per se immer von Nutzen.  
 
Allan Guggenbühl, Psychotherapeut und Leiter des Institutes für Konfliktmanagement, kritisiert beispielsweise, dass Weiterbildung heute automatisch mit Weiterentwicklung gleich gesetzt wird.  Dabei können Weiterbildungen auch eine Stagnation  verbergen – zum Beispiel wenn sich jemand ständig weiterbildet, weil er eigentlich gar nicht weiss, in welche Richtung er in seinem Leben gehen will und aus einer Verunsicherung heraus Zuflucht in Weiterbildungen sucht. Allan Guggenbühl jedenfalls lässt sich alleine von der Menge an Diplomen und Zertifikaten eines Bewerbers nicht beeindrucken.
 
Wer exzessiv Weiterbildungen besucht und Abschluss an Abschluss reiht, kann bei Firmen sogar Misstrauen wecken. Ein  Zuviel an Weiterbildung verwässert nicht nur die Kernkompetenzen, sondern lässt die berechtigte Frage aufkommen, wann den noch gearbeitet wird oder inwiefern das pausenlose Lernen für die Praxis überhaupt relevant ist – manchmal fehlt Weiterbildungen schlicht der Bezug zur Praxis. Es kann sogar vorkommen, dass Dozenten über Leadership referieren, ohne jemals Leute geführt zu haben.
 
Es lohnt sich also, Weiterbildungsangebote genau unter die Lupe zu nehmen und zu prüfen, ob sie halten, was sie versprechen (siehe Kasten). André Schläfli, Direktor des Schweizerischen Verbandes für Weiterbildung (SVEB), musste jedenfalls bei zwei Auftritten im Kassensturz feststellen, dass es einigen Anbietern offenbar immer wieder gelingt, Kunden mit zweifelhaften Angeboten anzulocken und abzuzocken. Er bemängelt zu Recht, dass viele Weiterbildungswillige die Qualität der Angebote zu wenig überprüfen. Sie unterliegen dem Irrtum, dass eine Weiterbildung in jedem Fall gut ist und die Arbeitsmarktfähigkeit erhöht. 
 
Was sind also die besten Voraussetzungen für eine Weiterbildung, die einen im Beruf oder in der persönlichen Entwicklung tatsächlich weiterbringt?  Wie es die Bezeichnung Weiterbildung eigentlich schon sagt, sollten die Teilnehmenden über einschlägige Praxiserfahrung verfügen oder zumindest theoretische Vorkenntnisse mitbringen. Eine gute Weiterbildung stellt die eigene Praxiserfahrung und deren Reflexion ins Zentrum.
 
Sinnvoll ist eine Weiterbildung aber auch dann, wenn man explizit in einem neuen Bereich Fuss fassen oder aus der Routine ausbrechen möchte. Warum nicht sich nicht einmal in philosophischen Fragen vertiefen? So können Weiterbildungen tatsächlich neue Horizonte oder im angestammten Beruf neue Perspektiven eröffnen.
 
Aber Vorsicht: Der Abschluss alleine öffnet noch keine Türen. Meistens geht es nicht ohne Praxiserfahrungen und entsprechende Kontakte - fehlende Praxis kann nicht einfach mit Weiterbildungen kompensiert werden.
 
Weiterbildungen: Darauf sollten Sie achten
 
  • Der Titel alleine ist noch nicht viel wert – entscheidend ist die Institution, die ihn verleiht. Ein Anhaltspunkt für Qualität ist das Eduqua-Label, das Schweizerische Qualitätszertifikat für Weiterbildungsinstitutionen (www.eduqua.ch).  Das garantiert unter anderem, dass die Lehrenden didaktisch, fachlich und methodisch auf dem neusten Stand sind. Bei Hochschulen sind internationale Rankings eine Orientierungshilfe, beispielsweise bei den Master of Business Administration (MBA)
 
  • Darauf achten, welche Qualifikationen die bisherigen Absolventen mitgebracht haben. Ein gutes Zeichen ist zudem, wenn Institution Referenzen von Absolventen zur Verfügung stellen. Auch sollte in den Unterlagen ersichtlich sein, wer die Dozenten sind und welche Voraussetzungen sie mitbringen.
 
  • Der angestrebte Abschluss sollte schweizweit bzw. eidgenössisch anerkannt sein

Foto: Fotolia
 

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