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Führung

Führen will gelernt sein

Führung
15. Juni 2014
Führen will gelernt sein
Sind Mitarbeitende unzufrieden, hat das meistens einen bestimmten Grund: die Führung.
Wenige Chefs sind zum Führen geboren. Trotzdem gehören entsprechende Schulungen längst nicht in allen Firmen zum Standard. Das kann sich rächen.
 
Von Manuela Specker
 
Sophie Maurer wollte es unbedingt besser machen. Nicht wie jene Vorgesetzte, die sich um alles mögliche kümmerte, nur nicht um ihre Mitarbeitenden. „Es wurde kaum kommuniziert“, erinnert sie sich an die Zeit, als sie noch als medizinische Praxisassistentin in einem Spital gearbeitet hatte. Sie erlebte dort auch eine motivierende Führungskraft, die sie sich heute, wo sie selber eine Führungsposition inne hat, als Vorbild nimmt: Seit 2011 leitet sie bei der Rehabilitationsklinik aarreha in Schinznach-Bad das Arztsekretariat. Von Beginn weg wollte sie sich mit Fragen der Führung auseinandersetzen und absolvierte deshalb berufsbegleitend eine Weiterbildung, mit der sie den geschützten Titel „Führungsfachfrau mit eidgenössischem Fachausweis“ erlangte. „Das gab mir zusätzliche Sicherheit, auch weil ich mittels Gesprächtrainings lernte, mit schwierigen Situation umzugehen“, so Sophie Maurer. Konflikte werden von Vorgesetzten oft gescheut, „dabei zeigen sich gerade in solchen Situationen die Führungsqualitäten.“

Nicht selten sind Vorgesetzte selber die Ursache eines Konflikts – weil sie sich nie mit Personalführung auseinandergesetzt haben, sondern aufgrund fachlicher Qualifikationen oder einfach aufgrund einer langjährigen Betriebszugehörigkeit in die Position rutschten. Diese Beobachtung macht Marco Nink, der beim Beratungsunternehmen Gallup den jährlichen erhobenen Engagement-Index verantwortet. Der Index zeigt anhand einer repräsentativen Umfrage unter Mitarbeitenden in Deutschland auf, wie stark sie sich dem Arbeitgeber gegenüber verpflichtet fühlen. Laut den aktuellsten Angaben haben 17 Prozent der Arbeitnehmenden innerlich gekündigt, 67 Prozent leisten Dienst nach Vorschrift.

„Die Ursachen für die geringe emotionale Mitarbeiterbindung lassen sich in der Regel auf Defizite in der Personalführung zurückführen", so Nink. Er empfiehlt Unternehmen deshalb, ihre Führungskräfte dazu zu befähigen, ihr eigenes Führungsverhalten zu reflektieren und zu verändern. Häufig aber würden Vorgesetzte kein direktes Feedback erhalten, so dass sie sich ihrer Defizite nicht einmal bewusst sind und glauben, alles richtig zu machen. Das kann sich rächen: unmotivierte Mitarbeitende sind alles andere als produktiv. „Jene, die sich nicht emotional an ihr Unternehmen gebunden fühlen, zeigen weniger Eigeninitiative, eine geringere Leistungsbereitschaft, aber auch weniger Verantwortungsbewusstsein. Und sie fehlen häufiger“, stellt Marco Nink fest.

Stimmt die Führung, sind die Mitarbeitenden in der Regel mit Freude bei der Sache. Entscheidend ist deshalb die richtige Auswahl der Führungskräfte: Längst nicht jeder, der fachlich gute Arbeit leistet, ist gleichzeitig ein guter Vorgesetzter. Zudem wird einem das Chef sein nicht einfach in die Wiege gelegt. „Gutes Führen ist vielfach Handwerk, und deshalb ist es grösstenteils lernbar“, sagt Christian Santschi. Er ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Führungsausbildung SVF.
 
Diese Überzeugung scheint sich vermehrt durchzusetzen. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der von der SVF durchgeführten Modulprüfungen um 22,8 Prozent auf 4584 Prüfungen gestiegen. Auch in der Gallup-Umfrage zeichnet sich eine Trendwende ab: der Anteil der Mitarbeitenden, die innerlich gekündigt haben, ist erstmals seit Jahren gesunken, von 24 auf 17 Prozent. „In vielen Unternehmen scheint sich die Erkenntnis durchgesetzt zu haben, dass die Qualität der Führung und die Unternehmenskultur entscheidend sind, um die Mitarbeitenden zu binden“, so Marco Nink.
 
Sophie Maurer hat einen idealen Mittelweg für eine nachhaltige Personalführung gefunden. „Ich habe eine klare Linie, innerhalb derer die Mitarbeitenden viel Freiraum haben“. Es sei grundsätzlich wichtig, dass ihre Mitarbeitenden wissen, woran sie seien. Sie weiss aus eigener Erfahrung, wie frustrierend es sein kann, wenn die Vorgesetzten zwar fachlich top sein mögen, aber von Personalführung keine Ahnung haben.
 
Schweizerische Vereinigung für Führungsausbildung
Die Schweizerische Vereinigung für Führungsausbildung  SVF geht von einem umfassenden
Führungsverständnis aus. In ihren Lehrgängen, die auf einem modularen Ausbildungskonzept basieren, sind Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen (Leadership) ebenso zentral wie betriebswirtschaftliche Fragen (Management). Die Lehrgänge zu den SVF-Abschlüssen werden schweizweit von verschiedenen Bildungsinstitutionen angeboten. Weitere Informationen unter www.svf-asfc.ch
 

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