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Karriere allgemein
22. November 2015
Wie die vermeintlich ungefährliche Arbeit im Büro die Gesundheit beeinträchtigen kann.
Die Ergonomie am Arbeitsplatz wird oft erst bei gesundheitlichen Beschwerden zum Thema. Das ist ein Fehler. Vorbeugen lohnt sich.

Von Manuela Specker
Es gab einmal eine Zeit, da mussten Büro-Mitarbeitende regelmässig zur Faxmaschine laufen. Heute genügt ein Knopfdruck am Bildschirm. Es gab auch einmal eine Zeit, als sie sich bei Fragen persönlich beim Arbeitskollegen drei Stockwerke höher blicken liessen. Heute mailen sich sogar Leute an, deren Büro nebeneinander liegt.

Theoretisch ist es möglich, einen ganzen Tag im Büro zu verbringen, sich dabei kaum zu bewegen – und stattdessen in der berühmt-berüchtigten Gipfeli-Haltung vor dem Computer zu verharren. Die Ergonomie am Arbeitsplatz wird bestenfalls dann zum Thema, wenn Nackenschmerzen, Rückenschmerzen oder ein Mausarm plagen. Das sind gängige Beschwerdebilder bei „Bürolisten“. 

„Die Beschwerden entwickeln sich über einen langen Zeitraum, erste Anzeichen werden in den meisten Fällen ignoriert“, sagt der Ergonomie-Spezialist Patrick Baur, Inhaber Firma „MeFirst“, welche Unternehmen in Fragen der Ergonomie berät. Das Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) errechnete 2009, dass Arbeitsabsenzen wegen Erkrankungen des Bewegungsapparates, hervorgerufen durch ungünstige Arbeitsbedingungen, jährliche betriebliche Kosten von fast einer Milliarde Franken verursachen. Die Rheumaliga schätzt, dass es alleine wegen Rückenbeschwerden jedes Jahr zu 10 Millionen Ausfalltagen kommt.

Baur ist über diese Zahlen nicht erstaunt. „Viele Erwerbstätige sitzen über Jahre hinweg acht Stunden pro Tag in ungesunder Haltung am Computer.“ Doch nicht nur die Beschäftigten selbst, auch die Unternehmen sieht Baur in der Pflicht, gesundheitlichen Beschwerden vorzubeugen – zum Beispiel, indem Einstellungen von Stuhl und Tisch überprüft und die Haltungsgewohnheiten hinterfragt werden. „Das sollte vorbeugend geschehen, und nicht erst, wenn die Beschwerden bereits da sind“, so Patrick Baur. 

Immerhin gibt es eine gute Nachricht: Viel häufiger als früher werden heutzutage Stehpulte eingesetzt. Für Baur ist das eine wirksame Massnahme, die nicht nur den Rücken entlastet, sondern auch die Durchblutung fördert, sodass Sauerstoff und Nährstoffe besser im Gewebe und Hirn zirkulieren. Einen weiteren Vorteil sieht Baur darin, dass Stehpulte immer auch auf Sitzhöhe verstellt werden können. Denn Stehpulte bedeuten nicht, dass man den ganzen Tag stehend arbeiten sollte – das würde die Muskulatur ermüden und automatisch die Haltung verschlechtern. Die Suva empfiehlt Mitarbeitenden mit entsprechenden Pulten, rund zweieinhalb Stunden pro Tag im Stehen zu arbeiten. „Bei Personalwechsel oder Job-Sharing kann zudem jeder Mitarbeiter ganz einfach seine individuelle Einstellung vornehmen“, so Patrick Baur.

Die beste ergonomische Einstellung ist allerdings keine Frage von Steh- oder Sitzpult, sondern eine Frage der Haltung. Monatelange Fehlbelastungen machen sich früher oder später mittels Gelenkschmerzen bemerkbar. Zudem steigt die Gefahr von irreparablen Haltungs- und Abnützungsschäden. Warum also nicht präventiv die richtige Haltung einnehmen?
 
Tipps von Ergonomie-Spezialist Patrick Baur:
  • Stuhl und Pult müssen der Körpergrösse angepasst sein. Sitzhöhe so einstellen, dass der Winkel zwischen Oberkörper und Oberschenkel leicht grösser ist als 90 Grad. Maus und Tastatur so platzieren, dass die Unterarme waagrecht auf dem Tisch liegen.
  • Auch der Monitor muss richtig justiert sein: Die Oberkante sollte sich nicht über Augenhöhe befinden. Denn ein zu hoch eingestellter Bildschirm zwingt den Mitarbeitenden zu einer verkrampften Haltung, da er automatisch den Kopf in den Nacken zieht.
  • Sich ganz nach hinten auf den Stuhl setzen und oft von der Rückenlehne stützen zu lassen. Das beugt einem Rundrücken vor. Der Bürostuhl sollte ermöglichen, regelmässig die Sitzhaltung zu ändern.  
  • Tastatur und Maus sollten etwa 20 cm von der vorderen Tischkante entfernt platziert werden, Papiervorlagen sind auf einem Dokumenthalter zwischen Tastatur und Monitor am richtigen Ort.
  • Beim Arbeiten auf Abwechslung und Bewegung achten – zum Beispiel, indem man dafür sorgt, dass der Drucker etwas weiter vom Arbeitsplatz entfernt aufgestellt ist. Und warum nicht zur Abwechslung Telefongespräche im Stehen führen?
  • Für jene, die im Job viel sitzen, empfiehlt es sich ganz besonders, als Ausgleich Sport zu treiben und am Arbeitsplatz zwischendurch Stretchübungen zu machen, das entspannt die Muskulatur.

Foto: Thinkstock

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