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Harte Arbeit, leichte Kost

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09. November 2014
Die Essgewohnheiten in einer Firma sagen viel über die Unternehmenskultur aus. 
Ungesunde Ernährung, kombiniert mit Stress im Job, ist eine gefährliche Kombination. Das erkennen auch immer mehr Firmen.

Von Manuela Specker
Das Essen hat bei der Software-Firma Abacus einen hohen Stellenwert. „Der Mensch lebt ja nicht von Arbeit alleine“, lautet das Credo von CEO Claudio Hintermann. Zwei Restaurants stehen den Mitarbeitenden zur Verfügung, die beide auch öffentlich zugänglich sind – eines davon ist sogar preisgekrönt mit Gault-Millau-Punkten.

Auch in herkömmlichen Personalrestaurants hat das, was serviert wird, mit „Kantinenfood“ nicht mehr viel gemein. Caterer wie SV Group oder Compass Group haben sich längst auf das wachsende Bedürfnis nach gesunder Ernährung eingestellt - ausgewogene, fettarme und fleischlose Menüs gehören mittlerweile zum Standardangebot. Cynthia Ahrens, Autorin des Buches „Leadership Food“ und Führungskräfte-Coach, stellt in ihrer Beratungstätigkeit fest, dass gute Ernährung in den Firmen zu einem wichtigen Thema geworden ist. Manche Firmen engagieren sogar Spitzenköche. „Dafür ist in erster Linie die Erkenntnis verantwortlich, dass Stress am Arbeitsplatz und ungesunde Ernährung eine fatale Mischung sind - mit schädlichen Nebenwirkungen wie gesundheitlichen Problemen oder geringer Leistungsfähigkeit“, sagte sie gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. „Wer sich bewusst und mit Leidenschaft ernährt, fühlt sich mental besser und strahlt dies auch auf sein Umfeld aus.“ Stark übergewichtige Mitarbeitende sind zudem mit Vorurteilen konfrontiert und werden als weniger kompetent und träge angesehen.

Allerdings warnt Cynthia Ahrens die Firmen davor, in Ernährungsfragen moralisierend aufzutreten und gar Verhaltensänderungen zu erzwingen – zum Beispiel, indem Schokoriegel mehr kosten als Müsliriegel. Sie empfiehlt vielmehr Alternativangebote in der Kantine, beispielsweise Menüs mit veganen Zutaten. Das schaffe Nachahmer. Aber auch Firmen, die über keine Kantine verfügen, können sich des Themas Ernährung annehmen – beispielsweise mittels inspirierender Vorträge über aktuelle Ernährungstrends. Hauptsache, es werden keine Dogmen verbreitet. Es geht schliesslich nicht darum, nur noch das zu essen, was als vermeintlich gesund gilt. Cynthia Ahrens Ratschlag: „Iss das, was dir guttut und worauf du auch wirklich Lust hast.“ Es versteht sich von selbst, dass jemand, der körperlich arbeitet, einen anderen Bedarf hat als jemand, der den ganzen Tag vor dem Computer verbringt.

Für beide aber gilt: Als Mittagsmahlzeit eignen sich Wurst, Pommes Frites oder Pizza eher weniger, weil eine fettreiche Nahrung das berühmte Nachmittagstief verstärkt. Das gilt auch für Zuckerhaltiges: Energy-Drinks oder Schokoriegel lassen den Blutzuckerspiegel in die Höhe schnellen. Der zugeführte Zucker macht tatsächlich wacher, wird aber auch schnell wieder abgebaut, so man danach erst recht müde ist. Besser als Zwischenmahlzeit eignen sich deshalb Obst, Yoghurt oder Nüsse.

Viel Obst und Gemüse, ballaststoffreiche Produkte, nur selten Süssigkeiten und gezuckerte Getränke: eigentlich weiss jeder selber, was als gesund gilt. „Die Verantwortung, sich ausgewogen zu ernähren, liegt bei jedem von uns. Es gehört aber auch zur Verantwortung des Unternehmens, die Rahmenbedingungen dafür zur Verfügung zu stellen“, heisst es bei der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung SEG. Und dazu gehört eben auch, genügend grosse Pausen zu ermöglichen, in denen in aller Ruhe gegessen werden kann. In Deutschland förderte eine Forsa-Studie (Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen) zu Tage, dass jeder zweite Erwerbstätige nicht genug Zeit zum entspannten Essen hat. Im Extremfall trinken die Mitarbeitenden nicht einmal genug – weil sie fürchten, keine Zeit für die nötigen Toilettengänge zu haben.

Solche Verhältnisse sagen viel über die Unternehmenskultur aus. Es ist kein Zufall, dass bei Abacus das Essen einen so zentralen Stellenwert geniesst. Die Software-Firma behandelt Mitarbeitende als Menschen und nicht als Teilchen eines Produktionsprozesses, wie es CEO Claudio Hintermann an seiner Festansprache zum 25-Jahr-Jubiläum auf den Punkt brachte.

Die meisten Firmen haben erkannt, dass sich Ess- und Trinkgewohnheiten zweifellos auch auf die Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz auswirken. Man vergesse nie die Worte der luxemburgischen Starköchin Léa Linster, welche die berechtigte Frage stellte: Wie sollen Leute, die schlecht essen, gut denken können?

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