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Führung und Mitarbeitende - Hilfe, mein Chef ist ein Feigling

Hilfe, mein Chef ist ein Feigling!

Führung
01. April 2012
Buchautor und Manager Patrick D. Cowden über Kuschel-Chefs und Kontroll-Fanatiker.
Beide Cheftypen machen Angestellten das Leben schwer: jene, die zu nett sind, und jene, die mit eiserner Hand führen. Warum Feigheit sie kennzeichnet – und wie Mitarbeitende mit ihnen klarkommen.
- von Manuela Specker -
Auf den ersten Blick ein Chef wie aus dem Bilderbuch: nett, zuvorkommend, immer gut gelaunt, jederzeit für alle ein offenes Ohr. Und er kann gut auf Kundenwünsche eingehen. Zu gut. Um keinen Auftrag zu verlieren und um es sich mit keinem Auftraggeber zu verderben, nimmt er sämtliche Vorschläge und Forderungen ohne Widerrede an. Die Leidtragenden sind seine Mitarbeitenden, die das Ganze ausbaden müssen, in Zeitnot geraten und Nachtschichten einlegen müssen.

Solche Vorgesetzte nehmen das Motto «Der Kunde ist König» allzu wörtlich – aber nicht aus purem Ehrgeiz, den Umsatz zu steigern. Übereifrige Vorgesetzte sind schlicht zu feige, Nein sagen zu können. «Kuschel-Memmen» nennt sie Patrick D. Cowden, der nach langjähriger Führungserfahrung in seinem Buch die mangelnde Courage in Chefetagen anprangert.

Es ist ein Irrtum zu glauben, dass es sich unter Kuschel-Chefs leichter arbeitet als unter einem autoritären Befehlshaber. Wer sich nicht gegenüber Kunden durchsetzen kann, kann dies auch nicht gegenüber Mitarbeitenden.

Ohne minimale Anweisungen geht es eben doch nicht: Wo jeder machen kann, was er will, wo Einzelinteressen sich gegenüber dem Teamgeist durchsetzen, bricht das Chaos aus. Der Chef, der es eigentlich nur allen recht machen will, verliert in Kürze an Ansehen und Respekt. Das andere Extrem ist der so genannte Egoshooter, der von seiner Abteilung das Unmögliche verlangt, um nach oben gut dazustehen, und dessen Führungsstil geprägt ist von Misstrauen und Kontrollsucht. Auch ein Feigling auf seine Art. Er gesteht keine eigenen Fehler ein und hält die Mitarbeitenden klein, damit sie ihm bloss keine Konkurrenz machen. Solche Führungskräfte – Cowden nennt sie «Macho-Memmen» – bangen in erster Linie um den eigenen Status, aber ganz bestimmt nicht um das Wohl der Mitarbeitenden.
Patrick D. Cowden zeigt auf, welches Unheil beide Führungstypen anrichten können, ohne in polemisches Chefba-shing zu verfallen. Der Fisch stinke bekanntlich vom Kopf her, schreibt er, oft verkörpere der Vorgesetzte die Unternehmenskultur. «Ob es gut läuft oder nicht, hängt nicht nur vom Chef und vom Mitarbeiter ab. Beide sind Teil eines grösseren, komplexeren Geflechts an Beziehungen», so Cowden. Gerade jene Vorgesetzten in der so genannten Sandwichposition haben es besonders schwer. Sie sind dem ständigen Druck von oben ausgesetzt, gewisse Vorgaben umzusetzen, gleichzeitig müssen sie den Erwartungen der Mitarbeitenden gerecht werden. Die Chefs im mittleren Management sind sogar am ehesten gefährdet, einen Herzinfarkt zu erleiden, wie Forscher vom Karlsruher Institut für Arbeits- und Sozialhygiene (IAS) herausgefunden haben.

Cowdens Buch ist ein Plädoyer für Mut und Ehrlichkeit, auch zum Wohle der Mitarbeitenden und der Unternehmen. Wo Angst und Schrecken verbreitet werden, ist jeder damit beschäftigt, in erster Linie sich selber zu schützen; neue Ideen und Verbesserungsvorschläge versickern in den Hierarchien. Doch «gute Chefs führen nicht um der Führung willen, sondern im Sinne der Ideen, für die sie stehen», ist Cowden überzeugt. Zentral ist seine Botschaft, dass Mitarbeiter den Macken ihrer Vorgesetzten nicht hilflos ausgesetzt sind.

Ob Macho- oder Jammer-Memme, beide haben etwas gemeinsam: Sie sind unsicher. Cowden empfiehlt, sich jeweils entgegengesetzt zu verhalten. Will heissen: dem Kuschelchef Dampf machen und darauf pochen, dass Entscheidungen gefällt werden. Gegenüber der Macho-Memme, ist es ratsam, gelassen zu bleiben und auf Wutausbrüche souverän zu reagieren.

Überhaupt sollte nicht zu viel Energie investiert werden, sich über Chefs aufzuregen. Laut einer Umfrage des Geva-Institutes aus München lästern Angestellte rund vier Stunden pro Woche über Vorgesetzte. Angesichts dieser hohen Zahl rät auch Karriereberater Martin Wehrle, aus der passiven Rolle des Opfers auszubrechen. Denn das Führungsverhalten des eigenen Vorgesetzten – so sehr er in die Kultur eines Unternehmens eingebunden ist – lässt sich bis zu einem gewissen Grad steuern.

Langfristig bewegt man sich so auf Augenhöhe mit dem Chef, «so wie es der Fall sein sollte, wenn die Beziehung zwischen Führungskraft und Mitarbeiter von Respekt und Wertschätzung geprägt ist», sagt Cowden.

Patrick D. Cowden: Mein Boss, die Memme. Ullstein Buchverlage, 2012.

(Photo: HO)

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