Digitalisierung beginnt in der Chef-Etage

Die Digitalisierung der Schweizer KMU variiert stark. Grund dafür ist u.a. eine falsche Prioritäten-Setzung durch Führungskräfte. Laut einer Studie von PwC bewirken schon kleine Schritte einen Effizienzgewinn.

Internet / Social Media
Veröffentlicht am 05.04.2018 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

In den Debatten um die Digitalisierung der Arbeitswelt zeigen sich oft Ängste, wonach die Ablösung des Menschen als Arbeitskraft bevor stünde: Kreative Arbeit wird von Algorithmen erledigt, mechanische Tätigkeiten werden Robotern überlassen. „Und was dann?“, fragen sich die Bürger angesichts der Ratlosigkeit, die auch politische Akteure und Wirtschaftstreibende an den Tag legen. Auf neue Herausforderungen reagieren zu können setzt nicht zuletzt ein fähiges Team voraus - umso mehr, wenn sich die Umbrüche am Arbeitsmarkt sehr rasch vollziehen.

Neue Möglichkeiten für Geschäftsabschlüsse
Einen solchen Umbruch stellte etwa der Aufstieg der Social Media dar. Für viele Unternehmer ist immer noch schwer zu entscheiden, inwiefern deren Nutzung durch Mitarbeitende zulässig sei. Gleichzeitig profitieren gerade Dienstleister davon, dass Menschen quasi rund um die Uhr ihr Anliegen via Facebook oder WhatsApp kommunizieren. Daraus entstehen neue Möglichkeiten für einen Geschäftsabschluss.

„Kundendialoge über Social Media sind für Dritte sichtbar“, so Joachim Tillessen von der Fachhochschule Nordwestschweiz. „Dadurch können auch KMU ohne viel Aufwand Online-Plattformen nutzen, um Reputationsgewinne bei einem grösseren Publikum zu erzielen.“ Eine wichtige Voraussetzung für den Unternehmenserfolg, wie Tillessen im Rahmen der „Digital Academy“ von AZ Medien sagte.

Kundenbeziehung im Mittelpunkt
Immer noch zu wenig bewusst sei den KMU, dass es auf den sozialen Kanälen nicht darum gehe, Aufmerksamkeit zu erlangen, sondern „relevante Inhalte für Kunden zu produzieren“, so Michael Frischkopf von der Agentur RedAct. Mutig sein und auch einfach mal etwas ausprobieren lautet die Devise: Dafür sollte bewusst ein Teil des Digitalisierungsbudgets definiert - und den zuständigen Mitarbeitenden die entsprechende Freiheit gegeben - werden.

De facto variiere der Digitalisierungsgrad der Schweizer KMU stark. In einer Studie stellt PwC fest, dass er mit der Grösse eines Unternehmens steige, mit dem Alter der Geschäftsführung allerdings sinke. Betroffen sind neben allen internen Prozessen v.a. die Vertriebsstrukturen und die Kundenbeziehung. Letztere stehe aber zu wenig im Mittelpunkt, weil eine Neugestaltung des Geschäftsmodells von Entscheidungsträgern als Last anstatt als Chance begriffen werde.

Dabei könnten „kleine, einfache digitale Schritte schon deutliche Effizienzgewinne bewirken“. Unternehmen, ihr Geschäftsmodell transformiert haben, sehen sich heute konkurrenzfähiger: „Die in die Digitalisierung investierte Summe und die Steigerung der Konkurrenzfähigkeit korrelieren. Dabei sind die meisten KMU mit höherem Digitalisierungsgrad der Meinung, dass sich das finanzielle Engagement gelohnt hat.“ Die Digitalisierung gehört demnach „ganz oben auf die Agenda der Führungsetagen und ist kein isoliertes IT-Thema“.