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Personalpolitik / MA-Rekrutierung

Junge Frauen sind forscher geworden

Personalpolitik / MA-Rekrutierung
10. März 2014
Junge Frauen sind forscher geworden
Susanne Hager von Accenture über Frauenförderung in der Arbeitswelt
 
Von Manuela Specker
 
Die Ergebnisse der Umfrage von Accenture sind ernüchternd: Die meisten Frauen haben den Eindruck, dass Frauen derzeit nicht spezifisch für Führungspositionen gefördert werden. Fangen wir wieder bei Null an?

Susanne Hager*: Nein, das sicher nicht. In der Förderung von Frauen in Führungspositionen hat sich viel getan, es ist nur nicht jederzeit offensichtlich und transparent.

Können Sie das erläutern?

Bei Accenture beispielsweise setzen wir ab einem gewissen Level gezielt Trainingsprogramme ein.  Dazu gehören auch das vielfach unterschätzte Networking und die Selbstvermarktung – beides entscheidende Faktoren, um im Beruf vorwärts zu kommen.

Laut Ihrer Studie bestehen in diesen Bereichen bei Frauen Defizite.

Das Bewusstsein ist sicher gestiegen, dass auch von Frauen gewisse Schritte erwartet werden.  Ohne ein aktives Auftreten keine Karriere. Mit anderen Worten: Gutes tun und darüber sprechen. Es geht darum, nicht nur einen hervorragenden Job zu machen, sondern dies auch zu kommunizieren.

Ist es tatsächlich so, dass Frauen ihr Licht unter den Scheffel stellen?

Tendenziell ist das Auftreten nicht nur eine Frage des Geschlechts, sondern auch der Kultur. Zudem fällt mir auf, dass junge Frauen forscher geworden sind und selbstbewusster wirken.  Sie wissen, was sie wollen, und stellen nun auch für ältere Generationen ein Vorbild dar.

Stichwort Vorbild: der Mangel an Frauen in leitenden Positionen wird oft mit fehlenden Vorbildern erklärt.

Das ist sicher ein Faktor. Das Kernproblem aber sind Vorurteile, die noch immer tief in der Gesellschaft verankert sind.  Zum Beispiel, dass eine Frau mit Kindern die Doppelbelastung nicht schafft.

Bei einem Mann werden solche Überlegungen in der Tat nie gemacht.

Ja, denn viele erfolgreiche Männer haben eine starke Frau im Hintergrund, die ihnen den Rücken frei hält. Umgekehrt ist dies kaum der Fall.

Erreichen wir Gleichstellung vielleicht gar nicht so sehr über Massnahmen, die sich an Frauen richten, sondern an Männer? Die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen: verheiratete Mütter sind vermehrt erwerbstätig – nur bei den Vätern hat sich nicht viel verändert. Nahezu 90 Prozent sind voll erwerbstätig.

Bei Accenture erkennen wir deutlich, dass immer mehr Männer eine ähnliche Einstellung zu Familie und Beruf entwickeln. Sie legen zunehmend Wert auf eine ausgeglichene Balance.

Müssten sich also die Spielregeln ändern, nach denen jemand befördert wird?

Wie schon gesagt braucht es für eine klassische Karriere ein gewisses Talent, sich selber zu vermarkten, aber das sollte natürlich nie ohne eine seriöse Einstellung zum Job einhergehen. Erfreulich ist, dass bei vielen Unternehmen die Erkenntnis wächst, dass gemischte Teams zu mehr Wettbewerbsfähigkeit und Innovation führen.

Wie steht es um den Anteil an Frauen in Führungspositionen bei Accenture?

In den vergangenen fünf Jahren ist die Anzahl weiblicher Managing Directors – also der obersten Führungsebene bei Accenture – im deutschsprachigen Raum um mehr als 50 Prozent gestiegen, allerdings ausgehend von einem niedrigen Niveau. Wir wollen die Zahl der Frauen in Führungspositionen bei Accenture deutlich steigern und ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis herstellen. Bei Neueinstellungen insgesamt ist unser Ziel ein Frauenanteil von 30 Prozent. Diversität ist kein Selbstzweck, sondern gerade für unsere Branche eine ökonomische Notwendigkeit.

Versprechen Sie sich dadurch einen Wettbewerbsvorteil?

Ja. Die betriebswirtschaftliche Relevanz ist gegeben angesichts der demografischen Entwicklung sowie des Fach- und Führungskräftemangels. Daher sehen wir Diversität und ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis als einen wesentlichen Hebel zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit Schweizerischer Unternehmen.
 
*Susanne Hager ist Leiterin von „Women`s Network“ bei Accenture Schweiz


Studie zum Internationalen Frauentag
 
Die Beratungsfirma Accenture führt jedes Jahr zum Internationalen Frauentag eine Umfrage durch, welche die Einstellung von Frauen und Männern zum Thema Karriere unter die Lupe nimmt. 2013 wurden 4100 berufstätige Personen befragt, darunter 200 aus der Schweiz. Bei den Schweizerinnen scheint sich in Bezug auf die Karriereperspektive Skepsis breit zu machen: weniger als ein Drittel ist gegenwärtig der Ansicht, dass in ihrem Unternehmen mehr Frauen auf Führungspositionen vorbereitet werden als im letzten Jahr. Einmal mehr zeigt sich: Männer sind die aktiveren Netzwerker. Frauen suchen zudem gemäss der Studie im Arbeitsleben weniger nach Beteiligung an Chefentscheidungen, sondern möchten selbstgesteckte Ziele erreichen und legen Wert auf Gründlichkeit.

 

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