Anleitung zum Misserfolg

Das eigene Sozialverhalten beeinflusst auch die berufliche Laufbahn
 
Es sind nicht immer grobe Schnitzer, welche Karrieren vermiesen, sondern bestimmte Charaktereigenschaften.
 
Von Manuela Specker

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 11.05.2016
Anleitung zum Misserfolg - Stellen und Jobs - myjob.ch 1

Geht es beruflich nicht mehr vorwärts? Gerne werden die Gründe bei fachlichen Defiziten gesucht. Doch es lohnt sich, das eigene Sozialverhalten einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

 

Zu selbstbewusst

Der Übergang von übertriebenem Selbstbewusstein zu Selbstüberschätzung ist fliessend. Gerade erfolgsverwöhnte Menschen sind latent in Gefahr, die Bodenhaftung zu verlieren und kritische Signale nicht mehr zu erkennen. Ein zu grosses Selbstbewusstsein macht sich gerade bei einem Neuanfang in einem Unternehmen schlecht. Wer sich mit den Strukturen der Firma und ihrer Kultur noch nicht auskennt, aber bereits mit Verbesserungsvorschlägen auf sich aufmerksam macht, wird den Ruf des Besserwissers so schnell nicht mehr los.

 

Eigenbrötlerisch

Manchmal muss man Kompromisse eingehen. Wer immer nur an seiner eigenen Sichtweise festhält, gilt irgendwann als renitent und als unverbesserlicher Sturkopf. Es muss ja nicht gleich jeder ein Freund der Teamarbeit sein. Aber wer seinen Blick nicht in andere Richtungen öffnen kann, befördert sich früher oder später ins Abseits.

 

Redselig

Ob an Sitzungen, während der Kaffeepause oder wenn alle anderen konzentriert arbeiten: Plaudertauschen werden nirgendwo gerne gesehen. Es ist völlig in Ordnung, auch im Unternehmen Freundschaften zu pflegen. Wer aber den Arbeitsplatz mit der Afterhour verwechselt, viel zu viel Privates erzählt , drückt damit auch aus, für die eigentliche Arbeit überhaupt nicht motiviert zu sein.

 

Pessimistisch

Jede Firma braucht Mitarbeitende, die alles kritisch hinterfragen. Es kann aber auch zuviel des Guten sein. Wer in allem nur das Negative sieht, verdirbt die Stimmung in jedem Team – und behindert Fortschritt und Innovation.

 

Minimalistisch

Dienst nach Vorschrift ist eigentlich keine schlechte Sache. Mitarbeitende, die ständig Überstunden bolzen, liefern nicht zwangsläufig die bessere Arbeit ab. Wer aber offensichtlich immer nur das Minimum abliefert und nie Eigeninitiative zeigt, wird als Phlegmatiker wahrgenommen – selbst wenn er oder sie die Deadlines immer einhält und zuverlässig ist. Ab und zu sollte deshalb jeder auch einmal über sich hinauswachsen.

 

Unzuverlässig

Einen Termin zu verpassen oder mit einem Projekt spät dran zu sein, das kann jedem passieren. Es gibt aber diese Last-Minute-Spezialisten: Mitarbeitende, die immer alles auf den letzten Drücker hin erledigen – wenn überhaupt. Auf Dauer werden sie zu einem grossen Ärgernis, denn ihre Unzuverlässigkeit wirkt sich auch negativ auf die Arbeit der Kolleginnen und Kollegen aus. Im günstigsten Fall werden sie geschnitten und von der Arbeit ferngehalten – im schlimmsten Fall droht die Entlassung.

 

Zu emotional

Zu viele Emotionalität verträgt sich schlecht mit beruflichem Aufstieg. Cholerische Ausbrüche, Heulattacken und andere Auffälligkeiten werden oft als Zeichen der Überforderung gedeutet – für eine Führungsposition kommen solche Personen nicht in Frage. Darum lohnt es sich, sich in Gelassenheit zu üben anstatt den Emotionen freien Lauf zu lassen. 

 

Zu perfektionistisch

Sie wollen immer alles perfekt erledigen – und denken, niemand sei im Job besser als sie. Sie machen darum alles selber, bis sie in der Arbeit ertrinken und an ihren eigenen hohen Ansprüchen scheitern. Perfektionisten sollten sich das Pareto-Prinzip zu Herzen nehmen: Mit 20 Prozent Aufwand wird bereits 80 Prozent des Ergebnisses erzielt.

 

Zu schüchtern

Menschen, die sich kaum trauen, einen Pieps zu sagen, treten beruflich auf der Stelle – selbst wenn sie es sind, die im Hintergrund die Fäden ziehen und wie fleissige Bienen arbeiten. Schüchternheit ist eine grosses Hindernis in der beruflichen Weiterentwicklung. Das gilt gerade in Zeiten der Selbstvermarktung. Allzu schüchterne Menschen sollten nicht nur ihre falsche Zurückhaltung hinterfragen, sondern auch ihr Bild, das sie sich von anderen machen. Schüchternheit ist nämlich oft auch Ausdruck davon, dass man die Fähigkeiten anderer überschätzt und die eigenen Fähigkeiten unterschätzt.

 

Zu ehrlich

Ehrlich währt am längsten, heisst es so schön. Doch zu viel Ehrlichkeit schadet der beruflichen Karriere.  Wer immer bedingungslos sagt, was er denkt, stösst schnell einmal andere vor den Kopf. Denn berufliche Karrieren hängen bis zu einem gewissen Grad immer auch von Kalkül und Taktik ab – je weiter oben die Position angesiedelt ist, umso politischer wird es.