Braucht es ein Recht auf Homeoffice?

Die benötigte Vertrauensbasis vorausgesetzt, scheinen die Vorteile von Homeoffice-Lösungen gegenüber den Risiken zu überwiegen. Ein Recht darauf muss nicht gesetzlich begründet werden, wenn allein schon die Erfahrung dafür spricht.

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 29.04.2019 von myjob - Bildquelle: iStock

Mit den Errungenschaften der Digitalisierung ist es in vielen Bereichen möglich geworden, ortsunabhängig zu arbeiten. Dass ein Paketzusteller oder jemand, der an schweren Maschinen arbeitet, seinen Job nicht in den eigenen vier Wänden erledigen kann, versteht sich von selbst.

Für Jobs, die als grundlegende Arbeitsmittel nicht viel mehr als einen Computer und ein Telefon benötigen, scheint das „Teleworking“ aber fast uneingeschränkt möglich zu sein. Die meist einzige Einschränkung ist wohl der Zugang zu einer stabilen Internetverbindung. Die muss vielleicht nicht durchgehend, zumindest aber in regelmäßigen Abständen verfügbar sein.

Freie Arbeitseinteilung vs. soziale Isolation
Als Pro-Argument für das Homeoffice wird immer wieder der „Produktivitätsvorteil“ genannt. Das stellen auch Kira Rupietta und Michael Beckmann von der Universität Basel fest: Er lasse sich mit der steigenden „Autonomie am Arbeitsplatz“ erklären, aus der Mitarbeitende eine besondere Motivation schöpfen. In einem Artikel in „Personal Quarterly“ legten die beiden Wissenschaftler dar, dass die Zahl an Unterbrechungen des Arbeitsablaufs im Homeoffice sinkt und die reine Arbeitszeit im Umkehrschluss steigt. Auch die „nach individuellen Bedürfnissen gestaltete Arbeitszeiteinteilung“ trage zu einem höheren Output bei. Zudem geben Mitarbeitende auch eine durch das Teleworking verbesserte Work-Life-Balance an.

Auf der anderen Seite besteht natürlich ein gewisses Risiko, dass Arbeitnehmer „ihren gewonnenen Handlungsspielraum außerhalb der direkten Kontrolle des Arbeitgebers missbrauchen“. Dass also in Wahrheit weniger geleistet wird, als es den Anschein hat. Auch gebe es Rückmeldung von Betroffenen, wonach ein dauerhaftes Homeoffice zur sozialen Isolation führen kann. 

Eine Frage des Vertrauens
Die deutschen Sozialdemokraten (SPD) haben unlängst die Forderung erhoben, wonach es künftig „ein Recht auf mobiles Arbeiten und Homeoffice“ geben solle. Was auf den ersten Blick nach einer Beschneidung von Dienstgeber-Rechten klingt, wird allerdings mit der funktionierenden Praxis argumentiert: Es gingen schon viele Unternehmen mit gutem Beispiel und großem Erfolg voran. Im SPD-Konzept „Zukunft in Arbeit“ heißt es, für diese Firmen sei „New Work“ bereits „gelebte Realität“. Die Möglichkeiten des mobilen Arbeitens würden zum Vorteil sowohl von Arbeitnehmern als auch Arbeitgebern genutzt.

Ob das „Recht auf Homeoffice“ (auch in der Schweiz) irgendwann tatsächlich in Paragraphen gegossen wird, ist offen. Eine moderne, vertrauensbasierte Unternehmenskultur wird das Konzept Teleworking aber wohl auch unabhängig davon einem ernsthaften Test unterziehen. Und aus den Erfahrungen der Mitarbeitenden lernen.

 

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