Das bedingungslose Grundeinkommen

Es gilt vielen als Modell für Staat und Wirtschaft, mit dem die Menschen von ihren finanziellen Sorgen befreit werden könnten. In der Schweiz wurde die Einführung eines Grundeinkommens erst 2016 abgelehnt. 

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Veröffentlicht am 03.06.2019 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

Als Modell für die wirtschaftliche Organisation der Gesellschaft wird es immer wieder diskutiert – in vielen Ländern der Welt, mit verschiedensten philosophischen Hintergründen und teils sehr emotionsgeladen: Beim bedingungslosen Grundeinkommen handelt es sich im Kern um die Idee, dass der Staat seinen Bürgerinnen und Bürgern eine Art Gehalt zahlt, mit dem sie grundsätzlich überleben können. Dabei ist es egal, ob jemand einen gut bezahlten Job oder auch ein paar Millionen Franken geerbt hat, oder ob es sich um eine ansonsten mittellose Person handelt.

Befreiung vom Zwang
Was unfair klingt, relativiert sich im nächsten Schritt. Denn natürlich zahlt derjenige, der es sich leisten kann, auf Basis seines Einkommens bzw. des jeweiligen Besitzes Steuern, die ins staatliche Budget fließen. Man könnte sagen, dass sich Gutverdiener und Erben ihr Grundeinkommen selbst bezahlen. Interessant wird es jedoch für alle anderen. Denn das Grundeinkommen soll ihrer Befreiung dienen, indem sie nicht mehr dem Zwang unterliegen, jede angebotene Arbeit annehmen zu müssen: Wer genug Geld hat, um im Alltag zu überleben, der kann plötzlich „nein“ sagen – und auf das nächste Angebot warten. Oder natürlich sich ohne besonderen Druck auf die Suche nach dem passenden Job machen. Und wenn dieser gefunden wurde, fließt auch wieder Steuergeld zurück in die Staatskasse.

Auch die Möglichkeit, durch das Grundeinkommen einer Aus- oder Weiterbildung nachkommen zu können, führen Vertreter dieser Idee als Argument an. Und dabei wird durchaus auch mit den technologischen Entwicklungen unserer Zeit argumentiert: Wenn sich etwa Künstliche Intelligenzen in unserem Alltag immer weiter verbreiten ist durchaus damit zu rechnen, dass Menschen deshalb ihren Job verlieren. Dies wird insbesondere für jene in einfachen Tätigkeiten erwartet. Also dort, wo eine Höherqualifizierung neue Chancen bieten könnte.

Kritiker des bedingungslosen Grundeinkommens befürchten wiederum, dass das Gegenteil geschieht. Dass sich Menschen auf ihrem „staatlichen Gehalt“ ausruhen, sich selbst „aufgeben“. Wer ausreichend Geld zum Leben habe, dem fehle der Anreiz, das Beste aus sich selbst heraus zu holen.

Chance auf Höherqualifizierung
Dabei wird allerdings unterschlagen, dass sich Menschen auch unter den aktuellen Bedingungen meist nicht mit dem „Mindesten“ zufriedengeben: Sie studieren, sie bilden sich nebenberuflich weiter, sie erwerben berufliche Qualifikationen, um den nächsten Schritt anzugehen – um beruflich aufzusteigen. In der Regel haben sie es damit einfach nur deutlich schwerer, als es die Vision vom bedingungslosen Grundeinkommen verspricht. Und für nicht wenige Menschen bleibt der Aufstieg ein schöner Traum, weil sich Aus- und Weiterbildung z.B. aufgrund familiärer Verpflichtungen am Abend oder am Wochenende einfach nicht ausgehen.

In der Schweiz gab es 2016 eine Volksabstimmung über die Einführung eines Grundeinkommens. Sie ist bekanntlich gescheitert. Aber vielleicht war die Zeit für diese Neuordnung der Gesellschaft einfach noch nicht gekommen.

 

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