Machst du Witze?

Humor am Arbeitsplatz ist gut für die Performance. Allerdings kann gerade Frauen das Lachen auch vergehen.  

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 11.05.2019 von Manuela Specker - Bildquelle: Shutterstock

„Der Kunde steht im Mittelpunkt unseres Handelns“, sagte der Chef mit todernster Miene, worauf einer seiner Mitarbeiter erwiderte: „Und damit fast immer im Weg!“ Heiteres Gelächter, aber das Witzchen hätte bei einem humorlosen Chef auch negative Konsequenzen haben können. Erst recht, wenn eine Frau sich erdreistet hätte, den Vorgesetzten auf die Schippe zu nehmen.

Eine Untersuchung der University of Arizona kommt zum Schluss, dass es vor allem vom Geschlecht abhängt, ob Humor am Arbeitsplatz positiv oder negativ aufgefasst wird. In zwei verschiedenen Gruppen schauten die Teilnehmenden das Video eines Bewerbers bzw. einer Bewerberin mit dem geschlechtsneutralen Namen Sam an. Danach mussten sie beurteilen, ob der Humor dem Auftritt geschadet habe oder nicht. Dabei zeigte sich: Jene Gruppe, welche die Frau einer Bewertung unterziehen musste, goutierte den Humor weniger als jene Gruppe, welche sich mit dem männlichen Sam auseinandersetzte.

Der Status des Mannes erhöhte sich durch die Witze, denn die Studienteilnehmen attestierten ihm automatisch eine höhere Glaubwürdigkeit und mehr Führungspotenzial. Die Frau hingegen konnte nur mit ihrer Ernsthaftigkeit punkten. Ihre Witze – obwohl bei beiden Präsentationen identisch – kamen weniger gut an. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler interpretierten die Studienergebnisse dahingehend, dass in der Arbeitswelt noch immer viele Vorurteile spielen. Frauen müssten mehr kämpfen, um ernst genommen zu werden. Ihre Hauptverantwortung würde noch immer mehr in familiären Verpflichtungen gesehen.

Humor als soziales Schmiermittel
Moderne Unternehmen, in denen Gleichstellung mehr ist als ein Lippenbekenntnis, profitieren dafür umso mehr. Denn es ist erwiesen, dass eine humorvolle Umgebung die Produktivität steigert, und dies ohne zusätzliche Anstrengung. Wo Mitarbeitende nicht alles todernst nehmen und immer mal wieder lachen können, sind sie entspannter und stressfreier. Humor ist zudem als soziales Schmiermittel nicht zu unterschätzen: Er hilft, Vertrauen aufzubauen und Widersprüche auszuhalten, er lockert angespannte Situationen auf, er fördert das unkonventionelle statt das starre Denken, und er erleichtert die Zusammenarbeit. Denn ein guter Humor, der sich nicht über andere lustig macht und nicht ausgrenzt, ist immer auch ein Zeichen, dass sich Mitarbeitende nicht als Zentrum der Welt sehen und eine gewisse Lockerheit mit den Unwägbarkeiten in dieser Arbeitswelt mitbringen.  Das Lachen selber ist sogar aus medizinischer Sicht wertvoll: Es fördert die Durchblutung, stärkt das Immunsystem, macht Schmerzen erträglicher und regt die Produktion von Glückshormonen (Endorphinen) an. Darum auch setzen Spitäler auf Clowns, welche kleine Patientinnen und Patienten zum Lachen bringen.

Entscheidend ist natürlich, dass Humor nicht gleichgesetzt wird mit Sprüche am Laufmeter fallen zu lassen oder zotige Witze zu erzählen. Entscheidend ist, auf gewisse Sachverhalte oder Aussagen mit Humor reagieren zu können, indem zum Beispiel eine überraschende Perspektive eingenommen oder etwas stark übertrieben wird. Das bedingt, auf die Schnelle gewohnte Denkmuster abzulegen. Darum auch ist der feinsinnige Humor eine wertvolle Quelle für Kreativität oder um Distanz zu einem Sachverhalt zu schaffen. Wo miteinander – und nicht etwa übereinander – gelacht wird, kommt dies dem Teamgeist und der Bereitschaft zur Kooperation zugute. Das funktioniert natürlich nur in Unternehmen, in denen nicht die Angst regiert. Nicht zu verwechseln mit einem gesunden Humor sind permanente zynische Bemerkungen. Diese sind eher Ausdruck davon, dass die Mitarbeitenden innerlich gekündigt haben.

Unfreiwillige Komik
Manchmal ist der Humor auch unfreiwillig komisch. So erzählt eine Modeverkäuferin, dass sie mal einem Herrn mehrere Hosen in die Kabine reichte. Als er rauskommt, meinte sie: „Nein, die geht gar nicht.“ Worauf dieser antwortete: „Das ist meine eigene. Ich will jetzt zur Kasse“. In diesen Situationen ist es entscheidend, dass auch Kunden sich selber nicht allzu ernst nehmen und über solch unfreiwillige Komik lachen können. Wer hingegen in einem humorlosen Unternehmen arbeitet und es gleichzeitig mit humorlosen Kundinnen und Kunden zu tun hat, muss im schlimmsten Fall – egal ob Mann oder Frau - mit einer Verwarnung rechnen.

 

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