Nimm es sportlich

Wer intensiv Sport treibt, hat einen längeren Atem – das ist auch im Beruf von Nutzen.

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 21.09.2019 von Manuela Specker - Bildquelle: GettyImages

Zielstrebig, willensstark und selbstdiszipliniert: Das sind Eigenschaften, die in der Arbeitswelt gerne gesehen sind. Nicht umsonst ist es unter hochrangigen Managerinnen und Managern sehr verbreitet, mindestens einmal Im Leben einen Marathon absolviert zu haben. Oder es zumindest zu behaupten. Aber ganz abgesehen vom Prestige: Wer sich regelmässig sportlich betätigt und dabei immer wieder auch an seine Grenzen geht, dürfte auch in der beruflichen Karriere davon profitieren. Zwar existieren keine Untersuchungen, die diesen Zusammenhang eindeutig belegen. Es stellt sich ja immer auch die Frage nach dem Huhn und dem Ei: Der Langstreckenläufer muss bereits eine gehörige Portion an Durchhaltewillen mitbringen, um diesen Sport überhaupt auszuüben. Die an Sportlerinnen und Sportlern hochgelobten Eigenschaften sind bereits in der Person angelegt.

Hingegen ist erwiesen, dass intensiver Sport nicht nur Muskelkraft und Ausdauer stärkt, sondern bis zu einem gewissen Grad auch den Charakter formt – erst recht auf höchstem Niveau. Eine Untersuchung der Universität Göteborg hat ehemalige Olympiateilnehmende über mehrere Jahre hinweg befragt. Die Forscherinnen und Forscher stiessen auf erlernte Verhaltensweisen, die in einem Zusammenhang mit dem Sport stehen und die Persönlichkeit prägen. Dazu gehören unter anderem Wettkampf- und Konkurrenzdenken, Disziplin, Aufopferungsbereitschaft und der Anspruch auf Perfektion. Besonders eklatant war der Zusammenhang, gleichzeitig effizient und erfolgreich zu sein. Alles Eigenschaften, die für eine steile berufliche Karriere von hohem Nutzen sind. Das heisst im Umkehrschluss allerdings nicht, dass ehemalige Spitzensportlerinnen und -sportler automatisch auch in der Privatwirtschaft Karriere machen, im Gegenteil: Vielen fällt dieser Übergang schwer, weil die Bedingungen gänzlich andere sind.

Den inneren Schweinehund überwinden
Jenseits dieser Fälle, also dort, wo Sport zwar intensiv, aber noch immer als Hobby betrieben wird, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich das positiv im Berufsleben bemerkbar macht. Auch hier geht es um erlernte Verhaltensweisen: Wer sich immer wieder überwindet, auch bei schlechtem Wetter seine Runden zu drehen, wer weitermacht, obwohl er aufgeben möchte, wer sich nach einer Verletzung wieder auf sein Leistungsniveau zurückkämpft, gibt auch im Berufsleben nicht so schnell auf und kann besser mit Rückschlägen umgehen. Hinzu kommt, dass Erfolgserlebnisse im Sport das Selbstbewusstsein stärken. Regelmässige körperliche Bewegung gilt auch als nachhaltigste Massnahme, um Stress und Spannungen abzubauen.

Schlanke Menschen profitieren sogar von den positiven Assoziationen, die der Sport weckt, selbst wenn sie sich kaum bewegen und nur das Glück haben, entsprechend veranlagt zu sein. Entsprechend haben es übergewichtige Menschen oft schwerer im Arbeitsleben, weil Übergewicht mit Trägheit assoziiert wird. „Früher wurden Einfluss und Status durch Gewicht gezeigt. Dass man leistungsfähig ist und sein Leben im Griff hat, dafür steht heute ein wohlgeformter, schlanker Körper. Diese Verschiebung der Körperideale schreitet weiter voran“, beobachtet der deutsche Sportsoziologe Volker Rittner. Dabei sagt schlank sein alleine überhaupt nichts aus – auch nicht über den gesundheitlichen Zustand oder die Leistungsfähigkeit.

Sport hält jung
Wenig überraschend wirkt sich regelmässige Bewegung positiv auf die Gesundheit aus – der Einfluss des Sports auf die berufliche Leistungsfähigkeit ist nicht alleine eine mentale Sache. Wer Sport treibt, ist motorisch gesehen im Durchschnitt sogar zehn Jahre jünger als Menschen, die sich nur wenig bewegen. Mit anderen Worten: Der 50-jährige Aktive ist so fit wie der 40-jährige Inaktive. Das belegt eine Auswertung der Langzeitstudie „Gesundheit zum Mitmachen“ von Sportwissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT). Für die Untersuchung, die im Jahr 1992 begann, wurden unter anderem Aktive und Nichtaktive im mittleren Erwachsenenalter beobachtet. Als nichtaktiv gilt, wer sich weniger als zweieinhalb Stunden pro Woche sportlich betätigt. Es zeigte sich auch, dass die Aktiven viel weniger anfällig sind für altersbedingte Beschwerden und dass ihr Risiko, an Diabetes zu erkranken, viermal kleiner ist. Das ist denn auch das Hauptargument, um Menschen zu mehr Bewegung zu animieren: Nicht die Aussicht auf bessere berufliche Chancen, sondern die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, länger gesund zu bleiben.

 

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