Vom Chef zum einfachen Mitarbeiter

Es mag auf den ersten Blick wie ein Scheitern erscheinen. Aber der „Abstieg“ vom Chef zum „einfachen“ Mitarbeiter muss nicht zwingend ein solcher sein. Ganz zu schweigen davon, dass es die unterschiedlichsten Gründe dafür geben kann. Für die neue Unternehmensführung gilt es, vorhandene Kompetenzen sinnvoll zu nutzen.

Personalpolitik / MA-Rekrutierung
Veröffentlicht am 11.02.2019 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

Die Umstellung im Alltag und die Einfindung in der neuen Rolle wird wohl für niemanden einfach sein: einst war man (vielleicht sogar alleiniger) Entscheidungsträger – nunmehr „Befehlsempfänger“; ehemals der einzig logische Interviewpartner bei allen Medienanfragen – nun Zuschauer aus der zweiten Reihe; früher galt man im ganzen Ort als „der Herr Geschäftsführer“ – jetzt nicht mal mehr als der Erste unter Gleichen. Wenn man aus einer Spitzenposition auf eine niedrigere Ebene ausweichen muss, kann das natürlich am Selbstwertgefühl kratzen. 

Generationenwechsel
Dabei muss einer solchen Entwicklung gar kein persönlicher Fehler vorangegangen sein, im Gegenteil. Vielleicht steht im Hintergrund die Zusammenlegung mehrerer Unternehmen, deren neue Struktur auch eine andere Zusammensetzung der Vorstands- und Geschäftsführungsebenen nötig macht. Genauso kann ein Generationenwechsel und die Übergabe der Verantwortung vom Unternehmensgründer an dessen Tochter oder Sohn dahinterstehen – ein wohl mehrheitlich als freudig empfundener Anlass.

Ist der „Senior“ noch nicht im pensionsfähigen Alter – oder schlicht der Ansicht, noch weiter arbeiten zu wollen –, bietet sich in so einem Fall eine Anstellung auf Basis der ursprünglichen Profession an. Damit kann auch dem Rest der Belegschaft signalisiert werden, dass „der Alte“ der nächsten Generation vollends vertraut, ihr das Ruder ohne Wenn und Aber überlässt – und alle Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens akzeptiert.

Wertvolles Erfahrungswissen nützen
Anzunehmen ist aber auch in jedem anderen Fall: Solange der ehemalige Chef oder die ehemalige Chefin noch einen (anderen) Platz im Unternehmen findet, können eventuell tatsächliche Verfehlungen der Vergangenheit nicht ganz so schlimm gewesen sein. Ein Fehler der neuen Unternehmensleitung wäre in diesem Sinn, auf die Erfahrung der Vorgänger zu verzichten. Ohne sich der „Gefahr“ einer „Schatten-Geschäftsführung“ auszusetzen, kann in diesem Sinn eine interne Beratungsleistung dauerhaft in Anspruch genommen werden. Gegenüber der Belegschaft wäre dies ein deutliches Zeichen des noch vorhandenen Vertrauens, das zugleich dem Ex-Chef die Akzeptanz der neuen Situation erleichtert.