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Personalpolitik / MA-Rekrutierung

Talente brauchen Hilfe

Personalpolitik / MA-Rekrutierung
23. September 2012
Was ein Unternehmen beachten muss, um begabte Mitarbeitende zu gewinnen und zu halten. Viel Freiraum, Entwicklungsperspektiven und spezifische Fördermassnahmen: Dies sind die Voraussetzungen, damit talentierte Mitarbeitende aufblühen. Grosszügige Versprechungen und satte Geldbeträge sind der falsche Köder.
- von Stephan Beyeler -
Wie ein Unternehmen mit seinen Talenten umgeht, ist entscheidend für seine Zukunftsfähigkeit und auch für die Frage, ob ein Unternehmen neue Talente für sich gewinnen kann. Häufig wird dieser Prozess unter der martialischen Überschrift «War for Talents» thematisiert. Natürlich herrscht um talentierte Mitarbeitende ein sich weiter verschärfender Wettbewerb. Die Begrifflichkeit von «Krieg» verleitet Unternehmen allerdings manchmal dazu, wild um sich zu feuern, anstatt systematisch vorzugehen.

Wie viel ein Talent für ein Unternehmen wert ist, hängt von der strategischen Planung des Unternehmens ab. Und von der Frage, welches Potenzial ein Talent in sich trägt. Diese Frage lässt sich mit den Instrumenten der modernen Eignungsdiagnostik im Rahmen von Assessments sehr verlässlich beantworten. Das daraus resultierende Persönlichkeitsprofil ermöglicht darüber hinaus weitere Aussagen, die für das Unternehmen wichtig sind.

Zum Beispiel auch die Frage, was ein Talent von einem Unternehmen erwartet. Sowohl in der externen Rekrutierung als auch in der Bindung von talentierten Mitarbeitenden ist diese Frage von entscheidender Bedeutung. Jenseits der individuellen Erwartungen lassen sich drei übergreifende Aspekte identifizieren:

Talentierte Mitarbeitende wollen sich in ihrer Arbeit beweisen und Erfolge erzielen. Notwendige Grundlage dafür ist eine ausgeprägte Handlungsfreiheit, die diesen Mitarbeitenden selbst Entscheidungsspielräume eröffnet und sie somit ihre eigenen Vorstellungen verwirklichen lässt.

Zweitens sind sich talentierte Menschen ihrer Fähigkeiten und Kompetenzen in aller Regel bewusst, zumindest im groben Rahmen. Deshalb ist es notwendig, diesen Menschen auch eine Entwicklungsperspektive anzubieten und mit ihnen gemeinsam die Meilensteine auf dem Weg in die gemeinsame Zukunft zu definieren.

Und schliesslich verlangen talentierte Menschen auch nach Unterstützung. Nicht deshalb, weil sie ihre Aufgaben sonst nicht erledigen könnten, sondern vielmehr, weil sie selbst den Drang zur stetigen Verbesserung verspüren. Diese Entwicklung ist allerdings ein Prozess, den zu leisten der einzelne Mensch allein nicht vermag. Wer jedoch bei seiner Entwicklung regelmässige Unterstützung und Förderung erfährt, zieht aus den erlangten Fortschritten neue Motivation.

Auf der Basis
dieser Erkenntnisse sollten Unternehmen ihr eigenes Talent-Management aufbauen. Talente gewinnt ein Unternehmen kurzfristig möglicherweise mit grosszügigen Versprechungen, satten Geldbeträgen oder sonstigen Leistungsanreizen. Das Wesen eines Talents macht jedoch sein Potenzial aus. Findet der talentierte Mitarbeiter in seinem Unternehmen also nicht die Rahmenbedingungen vor, sein Potenzial zu entwickeln und auszuschöpfen, ist der Rekrutierungsaufwand umsonst.

Talent-Management ist eine planmässige und langfristige Angelegenheit. Es baut auf klare strategische Anforderungen, fundierte Potenzialanalyse, kontinuierliche Entwicklung und regelmässige Evaluation. Unternehmen, die solche Prozesse für sich definieren, werden für die Zukunft keinen Mangel an Führungskräften haben.

Talente sind, wie bereits angedeutet, für viele Unternehmen Vorzeichen des zukünftigen Erfolges. Doch es stellt sich die Frage, was eigentlich für Unternehmen ein Talent ausmacht. Entscheidend für diese Einordnung sollte die Unternehmensstrategie sein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, welche Kompetenzen ein Unternehmen in der Zukunft benötigt, um seine Ziele zu erreichen. Als Talente müssen diejenigen Mitarbeitenden gewertet werden, die aufgrund ihrer persönlichen Potenziale in der Lage sein werden, die zukünftigen Anforderungen zu erfüllen. Schon hier wird deutlich, dass Firmen Talente nicht sich selbst überlassen dürfen, sondern dass sie sich im Interesse der Unternehmensstrategie entsprechend ihrer Potenziale zielgerichtet auf zukünftige Aufgaben hin entwickeln.

Unternehmen werden nie alle Talente in ihren eigenen Reihen finden, es gibt auch immer Bedarf nach externer Rekrutierung. Hierbei lernt ein Unternehmen schnell auch den Wert von Talenten zu schätzen. Da ein talentierter Mitarbeiter in aller Regel noch nicht an der Spitze seiner Fähigkeiten angekommen ist, liegen die Rekrutierungskosten deutlich unter denen eines Mitarbeiters, der sich in aktueller Position bestens bewährt hat. Talente sind also eine wertsteigernde Investition in die Zukunft.

* Stephan Beyeler ist Niederlassungsleiter Basel und COO von Mercuri Urval AG Schweiz.
stephan.beyeler@mercuriurval.com

(Photo: Shutterstock)

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