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Taten statt Worte

Karriere allgemein
29. Mai 2016
Wie Understatement im Beruf zum eigenen Vorteil wird
 
Ohne Selbstmarketing kein beruflicher Aufstieg? Von wegen: Auch Mitarbeitende, denen
die Selbstdarstellung ein Graus ist, kommen ans Ziel. Über die Kunst der Untertreibung.
 
Von Manuela Specker
 
Es wimmelt nur so an Ratschlägen, wie  man sich beruflich ins Szene setzen soll. So entsteht bisweilen der Eindruck, dass all jene Mitarbeitenden auf der Strecke bleiben, die sich nicht richtig zu verkaufen wissen. Dabei geht es auch anders. Mit dem Buchautoren Matthias Nöllke meldet sich nun eine Gegenstimme zu Wort, die ein Loblied auf das Understatement singt.
 
Mehr Sein als Schein, lautet die Devise. Oder in den Worten von Matthias Nöllke: Grossartig ist, wer kein Wort darüber verliert. In seinem Buch entlarvt er die Selbstdarstellung als eigentliche Schwäche: „Wer auf dicke Hose macht, hat es offenbar nötig, sich aufzuspielen, Statussymbole vorzuführen und Erfolgsgeschichten zu erzählen. Sonst würden wir es womöglich gar nicht bemerken.“ Understatement ist so gesehen Ausdruck davon, dass man sich der eigenen Qualitäten bewusst ist und diese nicht ständig präsentieren muss. Oder umgangssprachlich bezeichnet: Liefern statt lafern ist der wahre Ausdruck von Können.
 
Understatement darf also nicht mit falscher Bescheidenheit verwechselt werden, sondern bedingt ein gesundes Selbstvertrauen:  Wer unsicher und voller Selbstzweifel ist, kann die Kunst des Unterstatements niemals beherrschen. Es setzt voraus, eine hohe Meinung von sich zu haben. Nur dann lassen sich auch die Selbstvermarktungsstrategien der Blender durchschauen.
 
Understatement funktioniert also nur, wenn Vorgesetzte das als solches erkennen. Matthias Nöllke hält darum unmissverständlich fest: „Kommen im Beruf vor allem Lautsprecher und Selbstdarsteller zum Zug, kann sich Understatement nicht entwickeln.“  Denn es nährt sich davon, dass das Gegenüber die Untertreibung durchschaut. Understatement ist nämlich im Gegenzug zur exzessiven Selbstvermarktung keine Irreführung, sondern ein Zeichen von Unabhängigkeit.  „Diese Menschen kennen ihren Wert und sind nicht darauf angewiesen, sich ihn immer wieder bestätigen zu lassen“, sagt Matthias Nöllke. So gesehen sei Understatement die wirkungsvollste und  rücksichtsvollste Art, Selbstbewusstsein zu zeigen.
 
Understatement ist auch in der Führung ein Qualitätsmerkmal. Solche Chefs lassen Mitarbeitende zu Wort kommen und stellen das gemeinsame Ziel in den Mittelpunkt - anstatt sich profilieren zu wollen. Auch wertet es jene Vorgesetzten auf, die das Understatement durchschauen und schätzen, dass jemand lieber Taten als Worte liefert. „Understatement verbindet mit denen, die kompetent urteilen“, so Nöllke. Wenn sie die wahren Qualitäten erkennen, sagt dies immer auch etwas über ihre eigenen Kompetenzen aus. Allerdings kann Understatement dazu führen, unterschätzt zu werden. Sogar das ist nicht zwingend ein Nachteil: „Man steht man weniger unter Beobachtung und kann sich ungestört auf sein eigenes Vorhaben konzentrieren.“
 
Nöllkes Plädoyer fürs Understatement  darf nicht als Erfolgsstrategie verwechselt werden.  „Es ist eine entspannte und menschenfreundliche Haltung. Wer mit Understatement durchs Leben geht, macht sich gerade nicht abhängig von vermeintlichen Erfolgen.“ Die Wurzel des Übels sieht Matthias Nöllke nämlich unter anderem im Terror des positiven Denkens: Dieses führe dazu, dass die Leute ständig nach aussen kehren müssten, wie  grossartig alles gerade laufe und was ihnen wieder so fantastisch gelungen sei. „Ihr Auftreten ist das Gegenteil von Understatement. Sie brauchen die Aufmerksamkeit der anderen, um strahlend dazustehen.“  Understatement hingegen schliesst ein, was schlicht und ergreifend zum Leben gehört: dass man auch mal Fehler macht, dass nicht immer alles nach Plan verläuft, dass sich in bestimmten Situationen Zweifel breit machen.
 
„Understatement ist die einzige angemessene Art, entspannt mit Stil und Würde durchs Leben zu gehen“, findet Nöllke. Es sei letztlich eine Einladung an die anderen, respektvoll miteinander umzugehen und damit Ausdruck einer ganz bestimmten Wertehaltung. „Es kommt nicht darauf an, wie erfolgreich, glücklich, gesund, gutaussehend oder wohlhabend jemand ist.  Das Leben ist kein Wettbewerb, es gibt keine Gewinner und Verlierer.“
 
((Buchhinweis)): Matthias Nöllke:  Understatement. Vom Vergnügen unterschätzt zu werden. Verlag Herder, 2016.
 

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