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Traumberuf „Bestatter“? Wie sehr TV-Serien die Berufswahl beeinflussen

Karriere allgemein
06. Februar 2017
Das waren noch Zeiten, als die Berufswahl Jugendlicher nach dem Vorbild der Eltern oder sonstiger Autoritätspersonen erfolgte. Heutzutage sind bekannte und beliebte TV-Serien schon eher diesbezüglich attraktiv und bringen Berufsbilder in den Fokus der Aufmerksamkeit, die plötzlich als erstrebenswert gelten. So derzeit Mike Müller, der Schauspieler der Hauptfigur aus „Der Bestatter“.
Studien zur Berufswahl sehen Zusammenhang

Schon länger beschäftigt sich die Wissenschaft mit dem Phänomen, dass sich Serien und Soaps auf die Berufswahl ganzer Generationen entscheidend auswirken können. In Belgien führten Kommunikationswissenschaftler an der Uni Löwen eine Befragung unter 350 Schülern durch, welche Berufswünsche sie hätten und was sie hauptsächlich im Fernsehen konsumieren. Das Ergebnis war eindeutig und stellte einen direkten Zusammenhang her: Je öfter Jugendliche eine bestimmte Sendung sehen, desto eher entwickeln sie ein positives Bild des dargestellten Berufes. Dieser wird natürlich entsprechend positiv präsentiert, was das gesellschaftliche Ansehen und das Image im sozialen Umfeld betrifft. Ein wesentlicher Faktor, ob Jugendliche einen porträtierten Beruf als positiv erachten oder nicht, hängt aber auch von der Attraktivität des Darstellers und seiner Bekanntheit über die Medien hinaus ab.

Mike Müller verbindet zwei angesehene Berufsbilder

Die bekannte und beliebte TV-Serie über „den Bestatter“ verbindet in seiner Hauptfigur Luc Conrad gleich zwei angesehene Berufsbilder. Denn dieser ist erst Polizist und verlässt diesen Berufsstand, als sein Partner ermordet und er dafür unschuldig verurteilt wird. Zutiefst verletzt und ernüchtert geht er ins Ausland, bis er vom Tod seines Vaters erfährt und nach der Rückkehr dessen Bestattungsunternehmen übernimmt. In der Folge wird er Bestatter aus Überzeugung und hat nach wie vor mit dem einen oder anderen mysteriösen Todesfall zu tun. Die Serie ist sehr klug ausgerichtet und verbindet das positive Image des Polizisten und mit dem eher unbekannten und negativ behafteten des Bestatters. Und das kommt bei den Jugendlichen an, die plötzlich ein Berufsbild entdecken, das viele Chancen und Optionen offenbart und weit weg angesiedelt ist vom simplen Betten Verstorbener in ihre Särge.

Fernsehen bildet – oder doch nicht?

Während Kommunikationswissenschaftler also einen Zusammenhang zwischen Berufswahl und TV-Konsum sehen, ist der Programmverantwortliche im SRF, Martin Bloch, diesbezüglich eher skeptisch. Er stuft die Korrelation als eher gering ein, da festzustellen sei, dass der Fernsehkonsum bei Jugendlichen tendenziell zurückgeht. Dieses Argument muss anerkannt werden, zumal es keine statistische Auswertung zwischen der Berufswahl Jugendlicher und ihrem Fernsehkonsum gebe. Entsprechende Nachfragen bei Berufsberatungsstellen und Bildungsforschern untermauern dieses wenig eindeutige Bild. Immerhin hängen Programmgestaltung und TV-Nutzung meist untrennbar mit entsprechender gesellschaftlicher Veränderung zusammen.

Mechanismus ist unbestritten
So sehr hier ein faktenbasierter Zusammenhang zwischen der Figur Mike Müller und einer vermehrten Entscheidung Jugendlicher für das Berufsbild des Bestatters (noch) fehlt, so unbestritten ist in Fachkreisen dennoch die Wirkungsweise von populären TV-Serien auf ganze Generationen. Denn medial vermittelte – auch fiktive – Rollenbilder können die realen genau dort ersetzen, wo entsprechende Erfahrungen aus dem familiären oder freundschaftlichen Umfeld des Jugendlichen fehlen. Das bedeutet nichts anderes, als dass extravagante Berufe, die vielleicht gesellschaftlich nicht das beste Image geniessen, dadurch in den Fokus der Jugendlichen geraten und bekannt werden können. Suggeriert der Hauptdarsteller dann sogar noch, dass sein Beruf mit hohem Ansehen, einem guten Gehalt, Spannung, Spass und gesellschaftlichem Nutzen verbunden ist, kann die Nachfrage in den entsprechenden Ausbildungsberufen durchaus steigen. Und so wird eben kurzerhand der „Bestatter“ zum Traumberuf einer ganzen Generation.
 
Bildquelle: Thinkstock
 

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