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Internet / Social Media

Vorsicht vor Kauderwelsch aus dem Internet

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04. August 2014
Automatische Übersetzungen wirken im Geschäftsumfeld unseriös und taugen höchstens für den Eigengebrauch.
Zuverlässiger als früher, aber immer noch fehlerhaft: Online-Übersetzungsdienste stossen schnell an ihre Grenzen. Immerhin lässt sich das Ergebnis verbessern – indem man die Maschine mit klarem Inhalt füttert.
 
Von Vera Sohmer


In der Beschreibung des Smartphones ist zu lesen: „When you receive a notification, it appears briefly at the top of the screen.“ Auf Deutsch heisst dies: „Wenn Sie eine Benachrichtigung erhalten, wird diese kurz oben auf dem Bildschirm angezeigt.“ Bei Google Translate liest es sich so: „Wenn Sie eine Benachrichtigung erhalten, wird sie kurz am oberen Rand des Bildschirms.“ Und Online Translator meint: „Wenn Sie eine Ankündigung erhalten, erscheint es kurz an der Oberseite des Schirms.“ Die Beispiele zeigen: Vollständige Sätze fehlen ebenso wie treffende Begriffe.

Dabei haben sich die Online-Dienste durchaus weiterentwickelt, sagt Uwe Reinke, Professor für Sprach- und Übersetzungstechnologie an der Fachhochschule Köln. Seinen Angaben nach werden jene Dienste immer besser, die sich nicht mehr, wie früher, auf elektronische Wörterbücher und Grammatikregeln stützen, sondern sich aus den riesigen Datenmengen im Internet bedienen. Aus diesen Texten und deren Übersetzungen berechnet eine Software jene Variante, die statistisch betrachtet am wahrscheinlichsten ist. Mit jeder Abfrage kann das System so seine Fähigkeit steigern. Dies funktioniert inzwischen ganz zuverlässig, aber nur bei eingeschränkten Themengebieten und bestimmten Textsorten, beispielsweise bei Hotelbeschreibungen- und bewertungen.

Einen Text bei Online-Diensten eintippen oder in die leeren Fenster hineinkopieren, leistet einen Beitrag, um das System weiter zu „trainieren“. Das ist hilfreich für die Allgemeinheit, aber problematisch: „Der Schutz der eigenen Daten ist nicht gewährleistet“, warnt Uwe Reinke. Nutzer sollten sich gut überlegen, was sie der Internet-Öffentlichkeit zur Verfügung stellen und was nicht.

„Computer können einfache Sätze einigermassen verständlich machen, sind aber mit dem Kontext schnell überfordert“, sagt Lis Hunkeler, Geschäftsführerin von Syntax Übersetzungen in Thalwil ZH. Was die Maschine ausspuckt, sei im professionellen Umfeld untauglich. Einwandfreie Texte lieferten hier nur Fachübersetzer und Lektoren – geschulte Menschen. Sie haben ein Gespür für den Inhalt, den Stil, die Tonalität. Lis Hunkeler: Was nicht verstanden wird, lässt sich nicht korrekt übertragen. Allerdings kann ihren Angaben nach der Einsatz von CAT-Tools (Computer Aided Translation Tools) sinnvoll sein. Hier übersetzen Fachpersonen Texte mit Hilfe von Computerprogrammen. Üblich ist dies beispielsweise bei Bedienungsanleitungen oder technischen Dokumentationen. Hier seien solche Programme ratsam, weil so eine einheitliche Terminologie eingehalten wird. Und Texte, die sich wiederholen, nur einmal übersetzt und wieder identisch verwendet werden.
 

Überhaupt ist es besser, bei den automatisch gelieferten Übersetzungen vorsichtig zu sein. Was verpönt ist: Sich einen Text in eine Sprache übertragen lassen, derer man nicht mächtig ist, und das Ganze auch noch versenden. Das wirkt peinlich und unseriös. Empfehlenswert sind die Online-Dienste am ehesten für „Informativübersetzungen“, und zwar für sich selbst und aus einer Fremdsprache, die man nicht oder nur dürftig beherrscht. So lässt sich zumindest der Inhalt in etwa erschliessen.

Wer dennoch auf Online-Dienste zurückgreift, sollte es ihnen leicht machen, empfiehlt Uwe Reinke. Maschinen sind ein bisschen beschränkt; sie können keine Anspielungen erkennen oder fehlende Phrasen ersetzen. Sie brauchen deshalb klaren Input. Grundsatz: Je eindeutiger und verständlicher der Quellentext, desto höher die Wahrscheinlichkeit eines Resultats, für das sich keiner schämen muss. Folgende Regeln helfen dabei:

- Rechtschreibung überprüfen, sprachliche Fehler vermeiden.
- Zeichensetzung befolgen, Punkte setzen.
- Absätze machen.
- Vollständige, aber kurze Sätze formulieren.
- Keine komplizierten, langatmigen, verschachtelten Sätze bauen.
- Passiv-Konstruktionen und Nominalstil vermeiden.
- Klar und sachlich bleiben.
- Keine ungewöhnlichen Wörter oder eigene Wortschöpfungen benutzen.
- Keine willkürlichen Abkürzungen verwenden.
- Auf korrekte Schreibweise von zusammengesetzten Wörtern achten (nicht Funktionstastenstandardbelegung, sondern Funktionstasten-Standardbelegung)
- Deutsch-englisches Mischmasch (etwa handlebare Files) vermeiden.
 

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