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Wenn es kritisch wird

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07. Februar 2016
Die sieben besten Tipps zum Umgang mit Kritik im Berufsleben
Was ist schlimmer, als kritisiert zu werden? Unprofessionell mit Kritik umzugehen! Denn je nachdem, wie Sie die Rückmeldung aufnehmen, kann sie Ihnen helfen – oder schaden.
 
Von Martin Wehrle*
Wer sich angegriffen fühlt, neigt zu zwei archaischen Verhaltensweisen: entweder Flucht, also Rückzug und Beleidigtsein. Oder Kampf, also ein rhetorischer Gegenschlag. Aber sind diese Reaktionen wirklich klug? Der römische Historiker Publius Cornelius Tacitus schrieb: „Wer sich über Kritik ärgert, gibt zu, dass sie verdient war.“
 
Nachfolgend sieben Tipps, wie Sie professionell mit Kritik umgehen:
 
1. Kritik begrüssen
 
Wie geht es Ihnen, wenn Sie kritisiert werden? Fühlen Sie sich an den Pranger gestellt? Werten Sie die Kritik als Angriff? Oder sind Sie klug genug, darin eine wertvolle Rückmeldung zu sehen? Ein Feedback, das Ihnen die Chance gibt, ein Verhalten, einen Sachverhalt oder auch Ihr Verhältnis zum Kritiker zu überprüfen? Wenn Sie Kritik als Geschenk werten, werden Sie von ihr nicht klein gemacht, sondern können an ihr wachsen. Und wie bei allen Geschenken gilt: Sie müssen das Päckchen nicht annehmen, Sie können es auch zurückweisen. Dann aber bitte wohlüberlegt – und nicht reflexartig, wie bei der Reaktion auf einen (vermeintlichen) Angriff.
 
2. Feedback fordern
 
Warum abwarten, bis Ihnen jemand sagt, was ihm nicht passt – womöglich in einem Ton, der Ihnen verrät: Hier bricht ein Gewitter los, das sich schon lang zusammengebraut hat? Bitten Sie Menschen, die Ihnen wichtig sind, regelmässig um Rückmeldungen. Was spricht zum Beispiel dagegen, dass Sie Ihren Chef von Zeit zu Zeit fragen, was er an Ihrer Arbeit schätzt – aber auch, ob es Punkte gibt, bei denen Sie etwas optimieren können? Dann wissen Sie, woran Sie sind und können bereits bei kleinen Unzufriedenheiten gegensteuern – statt eines Tages, scheinbar aus heiterem Himmel, vom Blitz der Kritik getroffen zu werden.
 
3. Aktiv zuhören
 
Was will Ihr Kritiker Ihnen eigentlich sagen? Nehmen wir an, ein Arbeitskollege nörgelt: „Du gehst ja immer nach acht Stunden nach Hause.“ Will er Sie auffordern, länger zu arbeiten? Oder findet er, dass die Arbeit ungerecht verteilt ist? Oder richtet sich seine Kritik am Ende gar nicht gegen Sie, sondern gegen die Tatsache, dass der Chef ihn überlastet? Das können Sie nur herausfinden, indem Sie aktiv zuhören. Fassen Sie das, was bei Ihnen ankommt, auf zwei Ebenen – Gefühl und Inhalt –  zu einer Frage zusammen: „Es ärgert Dich (Gefühl), dass ich nicht ebenfalls zehn Stunden im Büro bleibe wie du (Inhalt)?“ Aktives Zuhören zeigt Ihrem Gesprächspartner, dass Sie ihn ernst nehmen und offen für seine Kritik sind. Gleichzeitig prüfen Sie, ob Sie ihn richtig verstanden haben. Das ist die Grundlage für das weitere Gespräch – auch für das Zurückweisen von Kritik.
 
4. Konkrete Aussagen fordern
 
Wann immer Ihr Gesprächspartner sich beim Kritisieren schwammig ausdrückt: Zwingen Sie ihn, konkret zu werden. Wenn er zum Beispiel sagt, dass Sie „zu unordentlich“ arbeiten, sollten Sie fragen: „Was genau meinen Sie mit unordentlich?“ Oder: „Können Sie mir mal ein Beispiel geben?“ Oft wird dem Kritiker bei solchen Fragen selbst bewusst, dass seine Aussage zu drastisch war.
 
5. Zukunft im Blick
 
Was bringt es, über verschüttete Milch zu weinen? Die meisten Kritiker schauen nach hinten, auf das, was nicht mehr zu ändern ist. Als Empfänger der Kritik sollen Sie die umgekehrte Blickrichtung wählen: Schauen Sie nach vorne und erkundigen Sie sich, was sich Ihr Gesprächspartner wünscht. Zum Beispiel: „Lass uns mal in die Zukunft schauen. Wenn es noch mal zu einer solchen Situation kommt – welches Verhalten wünscht du dir dann von mir?“ Schon entsteht vor dem Auge des Kritikers ein positives Bild. Und der Denkapparat legt den Schalter von „destruktiv“ auf „konstruktiv“ um.
 
 
6. Gegenschlag
 
Aber was, wenn Ihr Kritiker Sie öffentlich mit einem gemeinen Vorwurf angeht? Zum Beispiel sagt er in einem Meeting: „Ihre Abteilung wehrt doch jede Arbeit ab, das haben wir nun schon hundertmal erlebt!“ Auf solche öffentlichen Schüsse mit dem Giftpfeil sollten Sie ähnlich reagieren – nicht sachlich, sondern pointiert. Sagen Sie zum Beispiel: „Hundertmal? So oft wollten Sie also schon eigene Arbeiten auf uns abschieben ...“ Ihr Angreifer wirkt aggressiv, Sie dagegen souverän – erst recht, wenn Sie dem Gegenschlag ein versöhnliches Angebot folgen lassen: „Lassen Sie uns diese Frage nach dem Meeting noch mal unter vier Augen besprechen. Ich bin sicher, dass wir eine Lösung finden.“
 
7. Verunsichern
 
Und wenn Ihnen keine schlagfertige Antwort einfällt, obwohl Sie mit ungerechter Kritik beschossen werden? Dann sagen Sie zu Ihrem Kritiker zum Beispiel: „Ihre Aussage ist höchst interessant. Sie verraten mehr über sich selbst, als es Ihnen lieb sein kann.“ Das verunsichert ihn. Wenn er nachfragt, wie das gemeint sei, spielen Sie den Ball erneut an ihn zurück: „Denken Sie bitte einmal darüber nach, was Sie gerade zu mir gesagt haben.“ Der Vorteil ist, dass nicht Sie einen blitzschnellen Gedanken in der Stresssituation brauchen – sondern Ihr Gegenüber.
 
* Der Erfolgsautor Martin Wehrle gilt als Deutschlands bekanntester Karrierecoach.
In der Schweiz ist er als unterhaltsamer Vortragsredner bekannt, u. a. zu Führungskultur
und Frauenförderung. Kontakt über: www.wehrle-redner.de

Foto: Thinkstock

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