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Karriere allgemein

Wer zuletzt lacht, macht Karriere

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21. Dezember 2014
Humorvolle Führungskräfte sind gut fürs Team und für die Bilanz
Chefs mit einem intelligenten Humor kommen besser bei ihren Mitarbeitenden an. Woran das liegt – und warum Spass am Arbeitsplatz auch falsch verstanden kann.
 
Von Manuela Specker

 
Die amerikanische Billigfluggesellschaft Southwest Airlines gehört zu den erfolgreichsten Fluggesellschaften der Welt und hat seit 1973 noch nie Verluste geschrieben.  Es ist mittlerweile unbestritten, dass dies auch mit dem Humor zu tun hat, der so prägend ist für ihre Unternehmenskultur.  Eingestellt werden nur Leute mit einem gewissen Sinn für Humor. „Alles andere kann man ihnen beibringen“, pflegt Gründer Herbert Kelleher zu sagen. Witze erzählende Flugbegleiter,  unkonventionelle Sicherheitsinstruktionen – diese Art kommt bei den Passagieren offensichtlich an.
 
Das Beispiel Southwest Airlines bestätigt den amerikanischen Verhaltenspsychologen Paul McGhee, der überzeugt verkündete: „Spass bessert die Bilanz auf“. Humor, ein ernstzunehmender Wirtschaftsfaktor?  Der Philosoph Gerhard Schwarz, der mit einer Arbeit über Humor promovierte,  empfiehlt jedenfalls allen Vorgesetzten eine Prise Humor.  Es gehe nicht unbedingt darum, die Leute selber zum Lachen zu bringen, sondern eine Atmosphäre zu schaffen, in der Beiträge zur allgemeinen Erheiterung gefördert werden. Wo Humor zugelassen ist, fühlen sich die Menschen in einer Gruppe sicherer, sind die Gedanken weniger festgefahren und können sie ihre volle Arbeitsleistung abrufen – anders, als wenn Angst, Frustration und Feindschaften vorherrschen.  „Lachen entschärft eine Krise und macht dadurch oft erst den Weg für eine Lösung frei“, meint Schwarz.
 
Auf gewisse Sachverhalte oder Aussagen mit Humor begegnen zu können, ist letztlich ein sehr kreativer Prozess, weil auf die Schnelle gewohnte Denkmuster abgelegt werden müssen. Darum auch ist der feinsinnige Humor eine wertvolle Quelle für Kreativität. Wo miteinander – und nicht etwa übereinander – gelacht wird,  kommt dies direkt dem Teamgeist und der Bereitschaft zur Kooperation zugute.
 
Der Humorforscher Willibald Ruch, Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik an der Universität Zürich, sieht einen indirekten Zusammenhang zwischen Humor und der Fähigkeit, mit Stress umzugehen. Humorvolle Menschen können eher Distanz zu Sachverhalten schaffen und sind so besser in der Lage, stressvolle Situationen zu meistern. Humor ist nämlich laut Duden nichts anderes als die Fähigkeit und die Bereitschaft, auf bestimmte Dinge heiter und gelassen zu reagieren. Das Lachen selber wird sogar aus medizinischer Sicht empfohlen: Es fördert die Durchblutung, stärkt das Immunsystem,  macht Schmerzen erträglicher und regt die Produktion von Glückshormonen (Endorphinen) an.  Nicht umsonst setzen auch Spitäler auf Clowns, welche ihre kleinen Patienten zum Lachen bringen.
 
Humor ist aber nicht gleich Humor.  Witze reissen am Laufmeter, womöglich noch unter der Gürtellinie, sich auf Kosten anderer lustig machen und Sprüche klopfen, fördert höchstens eine Schenkelklopfer-Mentalität, aber ganz bestimmt nicht die Fähigkeit, die Dinge, wie sie nun mal sind,  mit einer gewissen Lockerheit zu sehen. Permanenter Zynismus und Galgenhumor sind eher Ausdruck davon, dass die Mitarbeitenden innerlich gekündigt haben. Ein intelligenter Humor hingegen ist vielmehr eine Frage der Haltung.
 
Noch immer gibt es Firmen, in denen davon ausgegangen wird, dass lachende Mitarbeitende weniger hart arbeiten. In diesem Umfeld fürchten Angestellte, als weniger professionell und als unseriös zu gelten, wenn sie Humor zeigen. Bei trockenen, ernsthaften Vorgesetzten sind das in der Tat berechtigte Bedenken - die Art des Humors in einem Unternehmen widerspiegelt die Firmenkultur besser als jedes Leitbild. Nicht selten ist der Humor auch ein Ventil, um auf die Eigenheiten eines Unternehmens aufmerksam zu machen. In einem solchen Fall hat der Witz eine reinigende Funktion: Missstände können aufs Tapet gebracht werden, ohne dafür Kopf und Kragen zu riskieren und selber Kritik einstecken zu müssen.
 
Führungskräfte sollten mit gutem Beispiel vorangehen – und auch über sich selber lachen können. Das signalisiert ein gesundes Selbstvertrauen und eine grosse Portion Weisheit, während jene belächelt werden, die krampfhaft versuchen, ein heroisches Bild der eigenen Unfehlbarkeit aufrecht zu erhalten. Warum also nicht darüber lachen, wenn ein Mitarbeiter folgenden Witz erzählen würde: „Ein Mitarbeiter rettet dem Chef das Leben. Dieser ist unendlich dankbar und fragt, welchen Gefallen er ihm tun könne. Sagt der Mitarbeiter: Erzählen Sie bloss niemandem, dass ich es war, der Sie gerettet hat.“

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