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Personalpolitik / MA-Rekrutierung

Werden Vorstellungsgespräche bald mittels Software geführt?

Personalpolitik / MA-Rekrutierung
07. Dezember 2017
Werden Unternehmen ihre Bewerberauswahlprozesse bald vollständig digitalisieren und Vorstellungsgespräche mittels Sprachsoftware führen?
Dass die Digitalisierung aktuell auch in die Bewerbungsprozesse Einzug hält, ist keine Neuigkeit. In der Schweiz ist es schon lange Zeit gang und gäbe, Bewerbungsunterlagen digital zu versenden – mittels E-Mail oder Online-Formular. Und auch intern geht das Recruiting bei vielen Unternehmen digital weiter. Die Bewerbungen werden automatisch ausgewertet, kategorisiert und archiviert. Schlussendlich muss der Recruiter nur noch passende Suchbegriffe in die Software eingeben und schon wird ihm der optimale Kandidat vorgeschlagen. Dennoch bleibt es ihm bislang nicht erspart, eine Auswahl dieser Kandidaten persönlich kennenzulernen und seine Entscheidung mittels Vorstellungsgespräch zu treffen. Doch Ihre Menschenkenntnis kann noch so gut sein: Solche menschlichen Entscheidungen sind stets subjektiv und demnach fehleranfällig. Lautet die Antwort also, Bewerbungsprozesse zukünftig vollständig zu digitalisieren, sodass sich Bewerber und Arbeitgeber nicht mehr vor dem ersten Arbeitstag kennenlernen?


In unseren Ohren klingt das noch verrückt, doch tatsächlich könnte so die Zukunft des Recruitings aussehen – zumindest auf dem Papier. Nun hat ein erstes Unternehmen eine Sprachsoftware getestet, um ihre Bewerber anstelle eines Vorstellungsgespräches näher kennenzulernen. Rund 20 Minuten hängt der Bewerber also am Telefonhörer, um mit einer Computerstimme zu sprechen und verschiedenste Fragen zu beantworten, die teilweise direkt und teilweise nur indirekt mit der vakanten Stelle zu tun haben. Wieso das Ganze? Die Software soll angeblich in der Lage sein, anhand der Antworten, Stimme und Wortwahl des Bewerbers Rückschlüsse über dessen Persönlichkeit zu ziehen, die einem Recruiter unter Umständen entgehen würden. Dazu gehören:
 
  • Empathie
     
  • Selbstbewusstsein
     
  • Kollegialität
     
  • emotionale Stabilität
     
  • Risikobereitschaft
     
  • Organisationstalent
     
  • u. v. m.


Aber ist das wirklich möglich – so ganz ohne persönliches Kennenlernen, Augenkontakt, eine Auswertung der Körpersprache des Gegenübers und einem ganz wichtigen Faktor: Sympathie zwischen Bewerber und zukünftigen Kollegen beziehungsweise Vorgesetzten?

Digitales Recruiting ist möglich – aber gewöhnungsbedürftig
In der Theorie mag das zumindest in der Zukunft möglich sein, doch letzterer Aspekt sollte bei der Personalauswahl keinesfalls vernachlässigt werden. Digitale Recruiting-Prozesse würden also zwar die Möglichkeit bieten, Bewerber aus einer rein objektiven Sicht optimal auszuwählen, doch solange dieser anschliessend nicht alleine oder nur mit Maschinen arbeitet, sondern auch mit Menschen, können subjektive Entscheidungskriterien nicht einfach vernachlässigt werden. Wo im Team Antipathie herrscht, drohen Konflikte. Zudem wird es angesichts des Fachkräftemangels für viele Schweizer Unternehmen immer schwieriger, noch ausreichend Nachwuchs rekrutieren zu können. Und dieser wird sich gewiss eher für die Konkurrenz entscheiden, die im Vorstellungsgespräch sympathisch gewirkt hat, als für den Arbeitgeber, den er niemals gesehen hat und bei welchem er mit einem Computer telefonieren musste. Digitales Recruiting kann daher zwar als Unterstützung dienen, sollte klassische Methoden aber nicht gänzlich ersetzen.  


– by co2-kommunikation.ch –

Bildquelle: iStock

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