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Ab an die frische Luft!

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19. April 2015
Wer auch einmal Langeweile zulässt, kommt auf bessere Ideen
Die besten Ideen haben Mitarbeitende nicht am Arbeitsplatz, sondern in der Freizeit – vor allem in der Natur. Das könnten sich Firmen vermehrt zunutze machen.
 
Von Manuela Specker
Wir sind ein getriebenes Volk, ständig unter Strom. Wer schaut im Zug noch aus dem Fenster anstatt auf sein Handy? Wer lässt beim Warten auf den Bus seine Gedanken schweifen anstatt zum hundertsten Mal die Mails zu checken? Es scheint, als hätten die modernen Kommunikationstechnologien uns die Fähigkeit genommen, Langeweile zuzulassen. Eine Nebenwirkung dieses Verhaltens: neue, inspirierende Ideen bleiben aus. Stattdessen bewegen wir uns in konventionellen Denkmustern.
 
Professor Urs Fueglistaller, Ordinarius für Unternehmensführung an der Universität St. Gallen, hat schon vor Jahren festgestellt, dass die besten Ideen dann entstehen, wenn wir einfach nichts tun. Anlässlich eines Schweizer KMU-Tages führte er eine repräsentative Untersuchung durch und fand heraus, dass die meisten Menschen sehr wohl gerne quer denken und dass sie das am besten können, wenn sie Zeit haben – beispielsweise in der Natur.
 
In einer anderen, früheren Studie schlüsselte er auf, unter welchen Umständen die besten Ideen kommen. Sage und schreibe 76 Prozent der Ideen entstehen ausserhalb der Firma. Am meisten inspirieren offensichtlich Aufenthalte in der Natur, wo 28 Prozent der Ideen generiert werden. Auch während der Ferien, während der Fahrt ins Büro oder während des Sports ereilt die Betroffenen so mancher Geistesblitz – in Situationen also, in denen man gedanklich bewusst nicht mit der eigentlichen Arbeit beschäftigt ist, sondern mit Routinetätigkeiten.
 
Erst die Distanz ermöglicht es, andere, neue Perspektiven einzunehmen, die einem in der Hektik des Arbeitsalltags verborgen bleiben. Neurowissenschaftler und Psychologen haben dafür eine naheliegende Erklärung: In der Zeit, in der man sich nicht dem eigentlichen Problem widmet, wird die Denkarbeit im Unterbewusstsein weitergeführt. Und plötzlich macht es Klick. Was dann wie ein Geistesblitz erscheint, formierte sich in Tat und Wahrheit bereits im Unterbewusstsein.
 
Hirnforscher bestätigen die Ansicht, wonach Aufenthalte in der Natur besonders inspirierend sind: Jene Testpersonen, die sich in einem Park aufhielten, erwiesen sich deutlich kreativer als jene, die ihre Auszeit in einer lärmenden Stadt verbrachten.
 
Innovationen brauchen also viel Luft, im wahrsten Sinne des Wortes. Was heisst das nun für Firmen? Leo Brecht, Professor für Technologie- und Prozessmanagement, empfiehlt, Mitarbeitenden entsprechende Freiräume zu geben, damit sie auf andere Ideen kommen können. Vorbildlich umgesetzt wird diese Innovationskultur vom Software-Unternehmen SAP: steht ein Projekt bevor, das auf radikalen Innovationen beruht, wird das betreffende Team vom Alltagsgeschäft befreit und sogar an einen anderen Ort gebracht, um einmal ein anderes Umfeld zu erleben.
Die Erkenntnisse aus der Hirnforschung deuten zudem darauf hin, dass organisierte Brainstormings selten Gescheites hervorbringen – das kreative Potenzial eines jeden einzelnen wird von der Zielorientierung eines solchen Anlasses überschattet. Geistesblitze ergeben sich halt nicht auf Kommando, sondern dann, wenn niemand mit ihnen rechnet.
 
Nun können Firmen ihre Mitarbeitenden schlecht einfach in die Natur schicken mit dem Hinweis, dort gute Ideen zu sammeln. Als praxistauglich hat sich hingegen ein professionell geführtes Ideenmanagement erwiesen – zum Beispiel, indem Mitarbeitende über das Intranet ihre Ideen eingeben können, die ihnen vielleicht tatsächlich morgens unter der Dusche oder auf einer Wanderung gekommen sind. Diese Ideen können auch nur eine kleine Materialeinsparung betreffen, die sich über mehrere Jahre hinweg aber kumuliert.
 
Wichtig ist, dass die Ideen ernsthaft geprüft werden und die Ideengeber ein Feedback erhalten. Der emeritierte Professor Norbert Thom, früher Leiter  des Institutes für Organisation und Personal an der Universität Bern,  befasst sich seit Jahrzehnten mit dem Thema Ideenmanagement und stellt fest, dass ein solches von immer mehr Firmen professionell betrieben wird. Dieses Engagement muss aber zur Unternehmenskultur passen: „Es braucht eine Kultur des Vertrauens“, so Thom. Ideen sprudeln nur dort, wo kooperativ geführt und transparent kommuniziert wird. Jeder Franken, der in ein Ideenmanagement gesteckt wird, dürfte sich so mehrfach auszahlen. „Wo sich viele Mitarbeitende beteiligen und mitdenken, ist auch das Commitment gegenüber der Firma hoch“, sagt  Norbert Thom.

Foto: Thinkstock

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