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Das Probezeit-Gespräch

Veröffentlicht am 18.04.2019 von AZ Aargauer Zeitung
Das Probezeit-Gespräch

Wenn sich die Probezeit ihrem Ende nähert, machen sich Mitarbeitende und Arbeitgeber die letzten Details der Zusammenarbeit aus. Oder einigen sich darauf, getrennten Weges zu gehen. So oder so gilt es, gut vorbereitet zu sein.

Beim Start in ein neues Dienstverhältnis wird in der Regel eine Probezeit vereinbart. Üblich ist ein Monat, es können aber auch bis zu (maximal) drei Monate sein. Dabei handelt es sich um eine Zeit des intensiven gegenseitigen Kennenlernens: Der Dienstnehmer schnuppert in die betrieblichen Abläufe und die Unternehmenskultur hinein. Und der Dienstgeber beobachtet den neuen Mitarbeitenden in dieser Zeit, um dessen langfristige Eignung für die angedachten Tätigkeiten zu analysieren.

Gegen Ende dieser Probezeit, während der das gegenseitige Abschiednehmen noch einfach ist, sollte ein Probezeit-Gespräch stehen. Bei dieser Gelegenheit machen sich der Mitarbeitende und der Arbeitgeber – bzw. ein Vorgesetzter als dessen legitime Vertretung – aus, ob und unter welchen Auflagen die weitere Zusammenarbeit möglich ist.

Auf der Suche nach einem Konsens
Aus Sicht des Arbeitnehmers gibt es dabei drei Möglichkeiten: Erstens die Einsicht, sich im Unternehmen nicht an der richtigen Stelle zu fühlen und den Dienstvertrag aufzukündigen. Zweitens, sich Hals über Kopf in den neuen Job, die Firma und die Mitarbeitenden verliebt zu haben und um jeden Preis bleiben zu wollen. Und drittens die Feststellung, dass der Rahmen grundsätzlich passt, aber einige Bereiche – die Übernahme bestimmter Tätigkeiten, die Team-Zusammensetzung – noch feinjustiert werden müssen.

Wie der Dienstgeber darauf reagiert bzw. ob auf dessen Seite eine ähnliche Sicht der Dinge vorherrscht, muss sich im Gespräch erst zeigen. Schlimmstenfalls ist nur eine Seite der Meinung, zusammen ein „perfect match“ zu bilden. Bestenfalls sehen beide Partner ihre Zukunft gemeinsam. Oder eben auch auf getrennten Wegen. Kompliziert wird es dann, wenn die Liebe zum Gegenüber während der Probezeit einseitig geblieben ist.

Geben Sie ehrliches Feedback
Wie auch immer sich die Situation aus Sicht des Mitarbeitenden darstellt – für das Probezeit-Gespräch sollten einige Vorbereitungen getroffen werden. Überlegen Sie ganz ehrlich, wie es Ihnen in den ersten Wochen im Job ergangen ist:

  • Kommen Sie mit den zugeteilten Aufgaben zurecht oder fühlen Sie sich über- bzw. unterfordert?
  • In welcher Hinsicht übertreffen die Erfahrungen im Unternehmen Ihre Erwartungen? Und in welchen Bereichen fühlen Sie sich vielleicht enttäuscht?
  • Finden Sie Zugang zu den Mitarbeitenden und fühlen sich von ihnen – bis hinauf zu den Vorgesetzten – respektvoll behandelt?
  • Welche Aufgaben machen Ihnen besonders Spaß und welche überhaupt keinen? Könnte Letzteres mit einer spezifischen Qualifizierungsmaßnahme behoben werden?
  • Worauf möchten Sie bei Ihrer Arbeit ein besonderes Gewicht legen? In welche Richtung wollen Sie sich persönlich entwickeln? Und welche Unterstützung brauchen Sie dafür?

Selbst wenn die Probezeit für Sie schrecklich gewesen sein sollte: Geben Sie dem Vorgesetzten ehrliches Feedback. Vielleicht lässt sich noch einiges an den Umständen ändern und Sie finden sich mittelfristig gut in der neuen Umgebung ein. Keinesfalls sollten Sie sich nur aus Panik, keinen anderen Job zu finden, an die bereits unliebsam gewordene Stelle klammern. Wenn aus Sicht des Dienstgebers der Rahmen passt, wird dieser den Job nicht von heute auf morgen schon wieder neu ausschreiben wollen. Eine Überbrückungs-Vereinbarung sollte dann – wenn Sie grundsätzlich leistungswillig sind – allemal drin sein.