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Stress in Zeiten der Isolation

Veröffentlicht am 18.05.2020
Stress in Zeiten der Isolation
Die Isolation in Zeiten von Corona trifft insbesondere diejenigen hart, die allein leben. Selbst die Arbeit im Homeoffice erweist sich nur teilweise als Hilfestellung, wenn es um die Bewältigung dieser Herausforderung geht. Warum geraten Körper, Geist und Seele durch den nahezu ausschliesslichen Aufenthalt in den eigenen vier Wänden so aus dem Takt und in Stress? Wir haben uns auf Spurensuche begeben. 
Arbeiten im Homeoffice - nicht für jeden ein Glücksfall 
 
Was zunächst wie ein Glücksfall klingt, kann sich zu einem ernsthaften Problem entwickeln. Gemeint ist Arbeiten im Homeoffice. Ausschlafen können, ausgiebig frühstücken und im Schlabberlook am PC sitzen - das mag verlockend sein. Tatsächlich ist im Homeoffice eiserne Disziplin gefragt, ansonsten klappt es nicht. Wer im Schlabberlook und auch ansonsten sehr leger am Schreibtisch sitzt, wird wohl kaum die Willensstärke aufbringen, die notwendig ist, um die anstehenden Arbeiten zu erledigen. Offensichtlich wirkt sich das äussere Erscheinungsbild auf die Arbeitsmotivation und die Arbeitsqualität aus. Wer im Homeoffice arbeitet, kennt auch die in der Umgebung lauernden Gefahren. Da wird schnell mal eine Lampe aufgehängt, ein privates Telefonat geführt, ein Blick auf verschiedene Webseiten geworfen, die Küche aufgeräumt oder etwas Leckeres zu essen gekocht. Die Ablenkungsmanöver sind verlockend und vielschichtig.  
 
Lagerkoller: Sozialer und psychischer Hangover 
 
Während Alleinlebende mit der Isolation von der Aussenwelt und Einsamkeit in Zeiten von Corona kämpfen, müssen Familien und Wohngemeinschaften damit klarkommen, über einige Wochen auf engem oder engstem Raum zusammenzuleben. Da kann es leicht zu Spannungen und einem Lagerkoller kommen. Die Nerven liegen blank aufgrund fehlender Rückzugsmöglichkeiten und Privatheit. Tatsächlich ist der Umgang mit der Isolation auch eine Frage von Disziplin und Persönlichkeit. Ruhige, ausgeglichene Menschen schaffen es leichter, diese Situation zu kompensieren als beispielsweise aggressivere Persönlichkeiten.  
 
Dieser sogenannte Dichte-Stress ist sowohl für Alleinlebende als auch für Familien oder einen Mehrpersonenhaushalt ein wichtiger Faktor, der den Stresslevel ansteigen lässt. Enges Zusammenleben oder die Isolation in den eigenen vier Wänden beschneiden die Selbstbestimmung und die Freiheit, so zu leben, wie wir es wollen. Isolation bedeutet, nicht wie gewohnt agieren zu können. Sie bedeutet auch, von den Weisungen anderer abhängig zu sein, wobei das in Zeiten von Corona die Regierungsverantwortlichen sind. Unklare und vage Aussagen in Bezug auf die aktuelle Situation und das lange Warten auf das Hochfahren der restriktiven Massnahmen machen es dem Einzelnen schwer, zur Ruhe zu kommen.  
 
Lagerkoller kann sich auch dann breit machen, wenn Strukturen fehlen. Auch wenn es schwerfällt, ist es wichtig, sich selbst Strukturen zu schaffen. In diesem Zusammenhang kann es auch sinnvoll sein, sich über die Abhängigkeit von äusseren Strukturen Gedanken zu machen. Möglicherweise fällt dem einen oder anderen auf, zu sehr die Fäden über das eigene Leben anderen in die Hand gegeben zu haben, anstatt eigenverantwortlich und selbstbestimmt den Tagesablauf beziehungsweise das eigene Leben zu bestimmen. Insoweit kann Corona auch eine Chance sein.