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Selbstständigkeit

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Selbstständigkeit
23. November 2014
Unternehmer weisen in der Schweiz die höchste Arbeitszufriedenheit auf
Selbstständigerwerbende arbeiten oft mehr und verdienen weniger. Trotzdem sind sie zufriedener mit der Arbeitssituation. Woran liegt das?
 
Von Manuela Specker
Einmal sein eigener Chef sein – davon träumen so manche Angestellte, die in hierarchisch durchstrukturierten Organisationen arbeiten und sich als kleines Rädchen im Getriebe fühlen. Die Sehnsucht ist begründet. Wer jenen Menschen, welche sich in die Selbstständigkeit wagen, viel Glück wünscht, trifft den Kern der Sache nämlich mehr, als er denkt.
Unternehmer weisen eine deutlich höhere Arbeitszufriedenheit als Angestellte – eine Tatsache, die sogar weltweit Gültigkeit hat und von unterschiedlichen Untersuchungen immer wieder bestätigt wird. Der „Global Entrepreneurship Monitor Report“ wertete die Angaben von fast 200`000 Personen aus.

Dabei zeigte sich, dass sich Unternehmer sowohl in der Start-up-Phase als auch nach der erfolgreichen Etablierung ihrer Firma glücklicher schätzen als jene, die nicht unternehmerisch tätig sind. Zum selben Befund kaum die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) mit ihrer Studie über die Erfolgsfaktoren junger Unternehmen in der Schweiz. Über 90 Prozent schätzen ihre persönliche Zufriedenheit als hoch ein.
 
In gut entwickelten Volkswirtschaften wie der Schweiz scheinen die Glücksgefühle der Unternehmer besonders gross zu sein – und dies trotz der Tatsache, dass sie in der Regel weniger verdienen und härter arbeiten. Ein Widerspruch aber nur auf den ersten Blick, denn in der Glücksforschung ist hinlänglich bewiesen, dass monetäre Aspekte nicht entscheidend sind. Unternehmer äussern sich vor allem deshalb positiver über ihre Arbeitssituation, weil sie unabhängiger sind und einer Arbeit nachgehen, die als interessanter empfunden wird. Wer sich selbstständig macht, ist in der Regel in höchstem Masse intrinsisch motiviert und fokussiert sich auf einen Bereich, der ihn wirklich interessiert.
 
Immerhin fast 10 Prozent sind hierzulande selbstständig erwerbend. Allerdings ist es ein Trugschluss zu meinen, dass sich diese Form der Erwerbstätigkeit für alle eignet – Menschen mit einem hohen Bedürfnis nach Sicherheit, nach finanzieller Stabilität und mit einer geringen Risikoaversion sind wohl in einem Angestelltenverhältnis besser aufgehoben. So hält auch die umfassende Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz fest, dass sich Jungunternehmer als Macher sehen, die bereit sind, für die Verwirklichung ihrer Idee einen hohen Arbeitseinsatz zu leisten und ein finanzielles Risiko einzugehen. Von nichts kommt nichts.
 
Überhaupt stellt sich die Frage, ob Unternehmer nicht einfach aufgrund ihrer Persönlichkeitsmerkmale zufriedener sind. Der mittlerweile emeritierte Professor für Sozial- und Wirtschaftspsychologie, Hermann Brandstätter, verglich die Firmengründer mit jenen, welche den Betrieb von ihren Eltern übernommen hatten und sozusagen in die Selbstständigkeit reinrutschten. Die „echten“ Firmengründer wiesen dabei höhere Werte in den Bereichen Unabhängigkeit und emotionale Stabilität auf. Entsprechend schätzten sie sich als zufriedener ein als jene, welche nicht aus eigenem Antrieb unternehmerisch tätig wurden. 
 
Vermutlich sind – wie so oft – Wechselwirkungen im Spiel. Um als Unternehmer erfolgreich zu sein, braucht es eine gewisse emotionale Stabilität. Und es ist auch kein Zufall, dass gemäss der FHNW-Studie die Unternehmer, die als Angestellte im mittleren Kader tätig waren, die höchste Zufriedenheit aufweisen. Den Grund orten die Autoren darin, dass Personen des oberen Managements bereits zuvor eher eigene Ideen – bei gleichzeitig tieferem Risiko – verwirklichen konnten, während Personen ohne oder mit wenig Führungsverantwortung weniger gut auf die Selbstständigkeit vorbereit sind – und je nachdem auch schnell überfordert sind.
 
In der Tat werden die Anforderungen oft unterschätzt. „Der Weg in die Selbstständigkeit stellt überdurchschnittlich hohe Anforderungen an Zeit- und Selbstmanagement, müssen doch sehr viele verschiedene Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten parallel ausgeübt werden“, heisst es in der Studie der Fachhochschule Nordwestschweiz. Arbeitnehmer, welche nicht über die notwendigen Persönlichkeitsmerkmale verfügen, finden eine höhere Zufriedenheit nicht automatisch in der Selbstständigkeit, im Gegenteil. Bei grosser Unzufriedenheit sind sie besser bedient, wenn sie sich ganz einfach einen neuen Arbeitgeber suchen oder die Arbeitsinhalte verändern.

Foto: Colourbox

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