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Karriere allgemein

Jede Stimme zählt

Karriere allgemein
14. Dezember 2014
Eine wohlklingende Stimme wirkt sich positiv auf den beruflichen Erfolg aus
 
Alle machen sich Gedanken über das Outfit, kaum jemand über die Stimme. Dabei trägt diese viel mehr zum Gesamteindruck bei. Das Gute daran: Ein schöner Klang und eine verständliche Aussprache können trainiert werden.

Von Manuela Specker

 
Eine Managerin, die mit piepsend hoher Stimme spricht? Ein Manager, der nuschelt, abgehakt redet, womöglich ebenfalls mit ungewohnt hoher Stimme? Undenkbar. Die Stimme, da sind sich nicht nur Stimmtrainer einig, trägt viel zum Gesamteindruck bei.

So ungerecht es klingen mag: Mitarbeitende mit souverän-klangvoller Stimme werden unweigerlich als selbstsicherer, dynamischer und führungsstark eingestuft. Das ergab eine aktuelle Studie von Elke Sapper am Lehrstuhl für Sprachheilpädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Sie bestätigt damit, was bereits in den 70er-Jahren vom US-Psychologen Albert Mehrabian festgehalten wurde: Nicht der Inhalt des Gesagten ist entscheidend, sondern vielmehr, wie etwas gesagt wird. Der Ton macht die Musik, heisst es doch so schön.

Abgesehen von spezifischen Berufsgruppen wie Schauspielern oder Synchron-Sprechern wird diese Tatsache aber geflissentlich ignoriert. Stattdessen gilt die Stimme als etwas Naturgegebenes, das sich nicht verändern lässt. Gefeilt wird im besten Fall an der Rhetorik, aber nicht an der Stimme. „Viele gehen zu unbedacht mit ihrer Stimme um“, sagt die Stimmtrainerin Sandra Hartnig. Schliesslich würden wir alle sprechen – die Notwendigkeit, dies zu üben, drängt sich somit nicht automatisch auf.

Der Diplom-Psychologe und Karrieretrainer Jürgen Hesse berichtet von einer 40-jährigen Politologin, die trotz bester Referenzen und einem Doktortitel zwei Jahre lang arbeitslos blieb, bis ein Personalleiter sie auf den „keifigen Ton“ in ihrer Stimme hinwies. Mit Stimmtraining kriegte sie das Problem in den Griff – und fand prompt einen Job.

Vor allem Frauen brauchen eine kraftvolle Stimme, um sich gegen die männliche Konkurrenz durchzusetzen. Es geht allerdings nicht darum, sich eine möglichst tiefe Stimme anzutrainieren, sondern den eigenen Grundton zu finden. Dieser entspricht jenem Ton, der erklingt, wenn man laut „Mmmmmmmm“ summt. Viele Menschen haben sich im Verlauf des Lebens eine schiefe Stimmlage angewöhnt und den echten eigenen Grundton verlernt.

Unabhängig von der genetisch veranlagten Stimmhöhe kann jede Person, ob Mann oder Frau, seine Stimme mittel entsprechendem Training optimieren. Gerade auch für Mitarbeitende mit Kundenkontakt kann das entscheidend sein. Barbara Blagusz, Inhaberin von „sozusagen.at“, hat unter 400 Angestellten in Deutschland und Österreich eine Umfrage durchgeführt und festgestellt, dass Tonhöhe und -tiefe häufig falsch eingesetzt werden. Eines der Hauptprobleme ortet sie in einer zu hohen Tonlage, verursacht durch Nervosität und Stress, aber auch durch den Versuch, besonders freundlich wirken zu wollen. „Wer weiss, wie die eigene Stimme wirkt, der hat im Berufsleben bessere Karten“, so Blagusz. Sicher ist: Wer seine Stimme trainiert, arbeitet damit auch an seiner Persönlichkeit und Ausstrahlung.

Tipps für eine bessere Stimme

-Die Körperhaltung hat einen wesentlichen Einfluss darauf, wie eine Stimme erklingt. Wer beim Telefonieren schlaff im Stuhl sitzt, dessen Stimme wird auch nicht besonders energievoll klingen. Um die eigene Stimme zu verbessern, sollte man deshalb auch an der Körperspannung arbeiten.

-Für eine deutliche Aussprache empfiehlt es sich, wiederholt Sätze mit vielen Vokabeln vor sich hin zu sagen.

-Das A und O ist die richtige Atemtechnik. Über Atemtraining kann man seiner Stimme mehr Volumen verleihen und damit auch mehr Überzeugungskraft. Die Stimme nicht herauspressen, sondern möglichst aus dem Bauch heraus strömen lassen.

-Auf das Sprechtempo achten: Wer ohne Punkt und Komma spricht, vermittelt den Eindruck, möglichst schnell fertig werden zu wollen und unter Strom zu stehen. Wer hingegen zu langsam spricht, hinterlässt einen faden Eindruck und läuft zudem Gefahr, das Gegenüber zu langweilen.

-Nicht zu monoton sprechen: Variieren in der Lautstärke und Pausen einlegen.

-Viel trinken, das hält die Stimme geschmeidig.

-Am Ende einer Aussage nicht mit der Stimme oben bleiben – das klingt wie eine Frage und wird weniger ernst genommen.

-Vorträge laut vor sich hin üben. Nur so stösst man auf allfällige Unstimmigkeiten in der Aussprache.


Foto: Thinkstock

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