Was Frauen ausbremst - Wenn der eigene Partner zum Stolperstein für die Karriere wird

In Hausarbeit und Kindererziehung wollen sich Männer nach wie vor nicht massgeblich einbringen, auch dann nicht, wenn die Partnerin gut verdient. So zeigt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass die Kindererziehung, aber auch Tätigkeiten wie Putzen, Waschen und Kochen nach wie vor von den Frauen übernommen werden, selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten. Über 60 Prozent der befragten Männer gaben sogar an, dass Frauen für diese Tätigkeiten nun mal ein besonderes Talent besässen.

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 03.06.2019 von Sigrid Meuselbach - Bildquelle: GettyImages

In Hausarbeit und Kindererziehung wollen sich Männer nach wie vor nicht massgeblich einbringen, auch dann nicht, wenn die Partnerin gut verdient. So zeigt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass die Kindererziehung, aber auch Tätigkeiten wie Putzen, Waschen und Kochen nach wie vor von den Frauen übernommen werden, selbst wenn beide Partner Vollzeit arbeiten. Über 60 Prozent der befragten Männer gaben sogar an, dass Frauen für diese Tätigkeiten nun mal ein besonderes Talent besässen.

In Wirtschaft und Gesellschaft wird derweil gefordert, dass Frauen Karriere machen und in die Führungsetagen aufsteigen sollen. Das sei zu schaffen, heisst es in Seminaren und Vorträgen, wenn die Frauen nur genug Durchsetzungsvermögen, Willen zur Macht und Selbstmarketinggeschick mitbrächten. Und auch die Frauen selbst haben hohe Ansprüche: Wenn anscheinend alles möglich ist – Familie und Führungsposition, dazu noch ein durchtrainierter Körper und ein toller Freundeskreis –, dann wollen gerade erfolgsorientierte Frauen nicht darauf verzichten. Sie empfinden es als Versagen, wenn das alles zusammen nicht hinhaut. Die Auswirkungen sind deutlich spürbar: In Coachings und Mentorenprogrammen klagen immer mehr Frauen darüber, dass sie mit ihren zahlreichen Verpflichtungen völlig überlastet sind.

Wenn wir Frauen in den Unternehmen fördern und pushen, sollten wir stärker daran denken, dass beruflicher Erfolg für Mütter mit kleinen Kindern nach wie vor ein Kraftakt ist, der nicht zuletzt privat grosse Herausforderungen mit sich bringt. Das heisst: Es ist sinnvoll, Frauen auch an diesem Punkt zu unterstützen und keine Scheu davor zu haben, über Familienmanagement, Windeln und Windpocken zu sprechen. Denn all das gehört zum Leben einer Managerin mit Kind dazu – ebenso wie schlagfertiges Kontern in Männerrunden oder selbstbewusstes Delegieren.

Warum also nicht ein Seminar anbieten, in dem Frauen darin unterstützt werden, ihre Männer in die Familienarbeit einzubinden? Denn vielen Frauen, die unter der Last ihrer zahlreichen Verpflichtungen fast zusammenbrechen, ist nicht einmal bewusst, wie wenig Hilfe sie zu Hause bekommen und wie dringend es geboten wäre, diese einzufordern.

Klar ist: Nur wenn sich die Männer an der nicht bezahlten Haus- und Familienarbeit beteiligen, findet langfristig eine Angleichung zwischen den Partnern statt und können sich die Frauen mit derselben Kraft in das Berufsleben stürzen. Man mag von Alice Schwarzer halten, was man will – sie bringt es mit der ihr eigenen Dramatik auf den Punkt: „Es ist eine bittere Ironie der Frauenbewegung, dass wir es mit einer vollends erschöpften Generation zu tun haben.“ Denn während die Frauen damit beschäftigt waren, nach der Welt zu greifen, hätten die Männer nicht die Hälfte des Hauses übernommen. Schwarzer: „Man schafft 5000 Jahre Patriarchat nicht in dreissig Jahren ab. Darüber haben sich die jungen Frauen Illusionen gemacht, und jetzt sitzen sie in der Falle.“ Dort sollten wir sie auf keinen Fall sitzen lassen, sondern ihnen einen Weg hinaus zeigen – auch durch das Überdenken der eigenen Rolle. Denn oftmals steckt in den Frauen trotz allen Strebens nach Gleichberechtigung der Drang, eine perfekte Mutter zu sein. Und häufig trauen sie – ob bewusst oder unbewusst – ihren Männern nicht zu, ebenso auf das Wohl der Kinder bedacht zu sein. Hier müssen Mütter lernen, loszulassen, um mehr Freiräume für sich zu gewinnen.

Noch wichtiger und eine Grundvoraussetzung dafür: Männer müssen beim Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch viel stärker in den Blickpunkt der Unternehmen rücken. Und das auch, wenn es darum geht, zugunsten der Familie im Beruf kürzer zu treten. Das bedeutet unter anderem: Auch bei Männern muss Teilzeitarbeit stärker anerkannt werden. Und Führung muss viel stärker als bisher auch in Teilzeit möglich sein. Auch hier haben die meisten Firmen trotz vieler Lippenbekenntnisse immensen Nachholbedarf.

 

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