Zwischen Burnout und Boreout

Die passende Aufgabe für die richtige Person bei idealer Auslastung: Im Unternehmen anfallende Arbeit sinnvoll und gerecht zu verteilen gestaltet sich nicht immer so einfach, wie man meinen würde. Unter- wie Überforderung sind jedoch gleichermaßen eine Bedrohung für den Einzelnen wie für die betriebliche Zusammenarbeit.

Karriere allgemein
Veröffentlicht am 06.12.2018 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

In den meisten Jobs wechseln sich intensivere Arbeitsphasen mit ruhigeren ab. Keine der Phasen sollte zu lange dauern, da weder Über- noch Unterforderung der Mitarbeitenden ein erstrebenswertes unternehmerisches Ziel darstellen. Denn wer beruflich ständig einhundert Prozent leisten muss – und nach eigenem Gefühl vielleicht noch viel mehr –, läuft Gefahr, zusammen zu brechen. Umgekehrt besteht die Möglichkeit hoher Frustration, wenn sich aufgrund fehlender Anforderung der Eindruck verfestigt, man werde im Unternehmen weit unter seinem Wert gehandelt.

Die Gefahr, auszubrennen
Wobei sich das Überlastungssyndrom durchaus auch aus besonderem Ehrgeiz und großer Freude an der Arbeit entwickeln kann: Wer das, was er oder sie tut, mit Begeisterung ausübt, steckt oft überdurchschnittlich viel Energie in eine Sache. Es werden Überstunden und Wochenenddienste übernommen, mitunter ohne Abstimmung mit den Vorgesetzten und insofern vielleicht auch ohne diese Zeiten korrekt verbuchen zu können. Nach und nach summieren sich diese beruflichen Aufgaben zusammen mit den privaten zu einer Last, die geradezu erdrückend sein kann. Man spricht davon, dass Leute, die für ihre Tätigkeit brennen, irgendwann ausbrennen – eben ein Burnout erleiden.

Vortäuschen von Leistung als Notwehr
Auf der anderen Seite steht das Boreout, mit dem eine ständige oder sich zumindest oft wiederholende intellektuelle und handwerkliche Unterforderung von Dienstnehmern bezeichnet wird. Sich in dieser Situation an Vorgesetzte zu wenden, wird von den Betroffenen allerdings nicht immer als einfach empfunden. Insbesondere ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter könnten befürchten, einfach wegrationalisiert zu werden. Schlimmstenfalls kommt es sogar zu Kompensationshandlungen: Es wird eine Auslastung vorgetäuscht, um nicht als überflüssig zu erscheinen. Nachdem dies natürlich keine „echte“ Herausforderung sein kann, verschärft sich das grundlegende Problem. Das Boreout wird zur ständigen Belastung – und kann schlimmstenfalls in einem Burnout enden, welches genau genommen ein Sammelbegriff für verschiedene Krisensituationen ist.

Abgrenzung lernen
Als Führungskraft die Auftragslage im Blick zu haben, um die Fähigkeiten und Talente aller Mitarbeiter einem sinnvollen Zweck zuführen zu können, ist also extrem wichtig, um beiden Extremen vorzubeugen. Für die Belegschaft empfiehlt sich zugleich, aufeinander zu achten und die Aufgabenverteilung regelmäßig zu besprechen. Auf individueller Ebene wiederum ist es wichtig, sich seines Einsatzgebiets bewusst zu sein und sich gegenüber anderen abgrenzen zu können.