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Lebe deine Talente!

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18. März 2017
Gelangweilt im Job? Genervt von Hierarchien? “millionways” will Menschen mit ihren Talenten zusammenbringen – und ihnen so neue berufliche Perspektiven eröffnen.
 
Von Manuela Specker
Martin Cordsmeier hat nie wirklich verstanden,  warum Menschen einem Job nachgehen, der ihnen keine Freude bereitet. Warum sie ihre Talente verkümmern lassen, nur um ihren Platz in einem System zu finden, in dem ihnen nicht wohl ist. Daran knüpft er mit seiner Stiftung „millionways“ an, die Menschen miteinander vernetzt – damit sie selbstbestimmt ihren Leidenschaften nachgehen können anstatt fremdbestimmt eine Arbeit auszuüben, die keine Freude bereitet.
 
Wer sich bei „millionways“ anmeldet, wird in die Datenbank aufgenommen und unter anderem telefonisch interviewt. In diesen intuitiv und nicht etwa nach einem Leitfaden geführten Gesprächen geht es „millionways“  darum, ein möglichst vielfältiges Bild der Begabungen und Wünsche zu erhalten, der eigenen Visionen, Überzeugungen und Ängste.  In einem zweiten Schritt sollen die passenden Menschen miteinander vernetzt werden, damit aus der vielleicht erst vagen Idee ein konkretes Projekt wird.   
 
Ein schönes Beispiel, wie so etwas ablaufen kann, ist jenes von Katja. Ihre Leidenschaft sind eigentlich das Schreiben, die Kultur und die Musik. Ihr Geld verdiente sie aber als Assistentin in einer Agentur, wo sie Events organisierte – bei schlechter Bezahlung und mangelnder Wertschätzung. Um zu kündigen, um etwas Neues anzupacken, dafür fehlte ihr allerdings der Mut. „millionways“ brachte sie schliesslich mit der Chefredaktorin eines neuen Magazins und einer Hochzeitsplanerin zusammen – seither hat sie mehrere Standbeine, wozu auch das Schreiben gehört.
 
„Wir suchen in unserer Kartei nach Menschen, die gleiche Interessen, aber unterschiedliche Stärken haben, damit sie sich gegenseitig unterstützen können“, so der  millionways-Gründer Martin Cordsmeier. Er  ist überzeugt, dass jeder Mensch versteckte Talente hat. Werden die richtigen Menschen zusammengebracht, können sich diese Talente entfalten. Das ist auch das Prinzip einer erfolgreichen Selbstständigkeit. Allzu oft scheitern die eigene Projekte daran, dass man zwar exzellente Ideen hat, aber niemanden, der stark in der Akquise ist, um nur ein Beispiel zu nennen.
 
Die Talente anderer Menschen entdecken, sie zusammenführen – Cordsmeier spricht von Potentialismus. Er hatte schon immer ein Flair dafür, andere darauf aufmerksam zu machen, dass sie nicht ihr Leben leben. Das empfanden manche als anmassend. Mit „millionways“ lebt Cordsmeier sozusagen seine eigene Begabung aus. Aber mit dem Unterschied, dass er nun nicht mehr auf die Leute zugehen muss, sondern dass sie sich von sich aus bei ihm melden.
 
Cordsmeier hat mit seiner Stiftung einen wunden Punkt in der Arbeitswelt getroffen: Heute macht oft Karriere, wer sich am besten selber darstellen kann. Das löst bei vielen Arbeitnehmenden zunehmend ein Unbehagen aus. Denn wer sich selber verstellt, entfernt sich auch von seinen Träumen und orientiert sich stattdessen an äusseren Erwartungen. „Wir richten uns offenbar nach allem Möglichem, nur nicht nach uns selbst“, schreibt er in seinem Buch „Nimm dir das Leben, das du wirklich willst“, das Ende Februar erschienen ist.
 
Nach über 6000 Interviews, die bei „millionways“ geführt wurden, zeichnet sich ein deutliches Bild: Fast die Hälfte der Befragten befindet sich nicht dort im Leben, wo sie gerne sein würden. Ursache der Unzufriedenheit ist oft das Gefühl der Orientierungslosigkeit. Für Cordsmeier steht nach all den Gesprächen fest, dass die Unzufriedenheit und Entfremdung in der Gesellschaft auch damit zu tun haben, dass die meisten nicht sich selber sein können.
 
Ähnlich klingt es bei Neurologen Gerald Hüther, der zu den tatkräftigen Unterstützern von „millionways“ gehört. „Die heutige Wirtschaftswelt basiert meist auf Wachstum statt Ethik - dadurch werden Menschen gefördert, die funktionieren, aber nicht mehr sie selbst sind“, sagte er gegenüber der Zeitung „Bund“. „Mit millionways wollen wir zu einer Gesellschaft beitragen, in der es normal ist, das Potenzial jedes Einzelnen zu entdecken, zu fördern und auszuleben. Bislang ging das nur, wenn Einzelne überdurchschnittlich viel Kraft, Mut und Energie hatten - denn geholfen wurde einem selten.“
 
Weitere Informationen: www.millionways.org
Buchhinweis: Martin Cordsmeier: Nimm dir das Leben, das du wirklich willst. Verlag Econ 2017.

Bildquelle: Thinkstock

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