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Karriere allgemein

Lust auf etwas ganz anderes

Karriere allgemein
24. August 2014
Lust auf etwas ganz anderes
 
Quereinsteiger haben in bestimmten Branchen gute Chancen – wann sich ein Neustart lohnt und wie er gelingt
Emil Steinberger war Pöstler, Arnold Schwarzenegger Bodybuilder, Angela Merkel Physikerin: Berühmte Quereinsteiger gibt es viele. Beruflich umsatteln liegt aber auch bei Nicht-Promis im Trend.
 
Von Vera Sohmer
 
Der Wunsch, etwas anderes anzupacken, keimte bei der Lohnbuchhalterin schon vor längerer Zeit. Seit 15 Jahren arbeitet sie jetzt in einem mittelständischen Unternehmen. Die Kollegen sind okay, die Abläufe bekannt, das Einkommen nicht schlecht. Aber weitere 20 Jahre über Abrechnungen sitzen und dabei immer eingefahrener und grauer werden? Den Wechselwunsch erwähnte die 45Jährige öfter im Bekanntenkreis. Bis eine gute Freundin sagte: „Hast du mal ans unterrichten gedacht? Du hast doch ein Flair dafür, anderen etwas auf einfühlsame Weise beizubringen.“ Im ersten Moment schien der Vorschlag abwegig, aber eine Laufbahnberatung bestätigte: Einiges spricht dafür, diese Spur weiterzuverfolgen. Warum nicht in die Erwachsenenbildung gehen?
 
Den Beruf wechseln: Mehr als 50 Prozent aller Erwerbstätigen tun heute nicht mehr das, was sie ursprünglich gelernt haben. Dies oft unfreiwillig. Viele konnten keine Anstellung mehr finden. Mussten erleben, wie Berufe verschwanden, einstige Boombranchen nach tiefgreifenden Umstrukturierungen weit weniger Jobs zu bieten hatten. Der Trend zum Zweit- und Drittberuf hat darüber hinaus oft mit einer Sinnsuche in der Lebensmitte zu tun, so wie bei der Lohnbuchhalterin. Erfüllt mich das noch, was ich tue? Schlummern da Interessen und Talente, die ich woanders einsetzen könnte?
 
Der Zeitpunkt für derlei Ambitionen scheint günstig. Wo es an Arbeitskräften mangelt, werden Quereinsteiger regelrecht beworben. Der Lehrerberuf ist ein Beispiel dafür. Die Informatik, der Öffentliche Verkehr oder die Pflege sind weitere Felder, auf denen Fachfremde gute Chancen haben. Selbst dort, wo Firmen lieber Leute mit passgenauem Profil einstellen, sind Neulinge nicht von vorneherein chancenlos.
 
Sie müssen sich aber gut verkaufen, betont Laufbahnberaterin Trudy Dacorogna-Merki im Ratgeberbuch „Stellensuche mit Erfolg“. Mit der richtigen Aus- und Weiterbildung sowie Berufserfahrung können Quereinsteiger nicht punkten. Dafür aber sind sie energiegeladen und top motiviert, lern- und wissbegierig. Sie wollen sich „on the job“ weiterentwickeln und nicht mit ihrer Erfahrung prahlen. Sie bringen den kritischen Blick von aussen mit. Vorzüge, die man bei einer  Bewerbung herausstreichen sollte. Und selbstverständlich braucht es das deutliche Signal: „Ich bin bereit, die entsprechenden Weiterbildungen zu absolvieren.“
 
Ohne Zusatzqualifikationen geht es in der Regel nicht. Was bedeutet: Mitten im Berufsleben etwas Neues anzufangen, kostet Zeit und Geld. Im Gegensatz zur Erstausbildung gibt es für eine Zweitausbildung keine Stipendien. Umsteigen heisst auch, sich auf einen längeren Weg machen und überlegen: Reicht die Ausdauer dafür? Zudem braucht es Mut, Vertrautes zu verlassen und Sicherheiten aufzugeben.
 
Wie man es anpackt, dafür gibt es verschiedene Strategien. Laufbahnberater Luc auf der Maur schlägt einen Stufenplan vor. Erst einmal fragen, ob ein betriebsinterner Wechsel möglich ist. „Besprechen Sie die Idee mit der Personalabteilung.“ Vielleicht gibt es eine Stelle, die in Frage kommt. Vielleicht lassen sich dort gleich in der Praxis die nötigen Kenntnisse aneignen mit der Option, den Berufsabschluss nachzuholen.
 
Die Lohnbuchhalterin hatte daran gedacht, die Idee aber schnell verworfen. Auch, weil sie sich ein anderes Umfeld wünscht. Inzwischen hat sie Schnuppertage bei einer Sprachschule absolviert. Und ist angetan davon. „Mich fasziniert es, Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturkreisen kennenzulernen.“ Und sie findet es sinnvoll, diesen mit den ersten Grundkenntnissen in Deutsch den Start in der Schweiz zu erleichtern.
 
Welche Weiterbildungen sie braucht, darüber will sich die 45jährige jetzt schlau machen. Fest steht: Die künftige „Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache“ wird in ihrem Betrieb fragen, ob sie das Pensum reduzieren kann. Sie hätte so ihren Lebensunterhalt gesichert und könnte nach und nach im neuen Beruf Tritt fassen. Dass sie dafür Organisationstalent und Disziplin mitbringt – kein Zweifel daran.
 
Infos über Weiterbildungsberufe und Weiterbildungsangebote: www.berufsberatung.ch


Foto: Fotolia

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