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Karriere allgemein

Seid loyal! Was Mitarbeitende an ein Unternehmen bindet

Karriere allgemein
17. April 2016
Die jahrelange Treue zum Arbeitgeber kann sich als Bumerang erweisen. Wann lohnt es sich, loyal zu sein?
 
Von Manuela Specker
 
Es gibt sie noch, die Mitarbeitenden, die nicht einmal 50 Jahre alt sind und in einer Firma ihr 25-Jahr-Jubiläum feiern. Es gibt aber auch jene, die nach einem Vierteljahrhundert vollen Einsatzes für den gleichen Arbeitgeber plötzlich auf der Strasse stehen und danach nur mit Mühe und Not einen neuen Job finden. Loyalität lautet der etwas aus der Mode geratene Begriff, der einst die Arbeitswelt prägte und im heutigen Lebenstempo mit der unendlichen Fülle an Opportunitäten eher zu einem Makel geworden ist.
 
Jobs als Durchgangsstationen? Das liegt nicht einfach in der Verantwortung der viel beschworenen Generation Y, die sich nicht mehr festlegen will und bei der ersten Schwierigkeit im Job das Weite sucht. Die Firmen selber haben diese Loyalität arg strapaziert. Die Managementberaterin und Buchautorin Anne Schüller bringt es treffend auf den Punkt: „Es gibt Unternehmen, die pflegen ihre Büroräume besser als ihre Mitarbeitenden.“ 
 
Probleme mit der Loyalität sind oft hausgemacht. Schüller erwähnt insbesondere die permanenten Umstrukturierungen und schlechtes Trennungsmanagement. Wo Mitarbeitende wie Ware von einem Bereich in den anderen verschoben, neu zusammengewürfelt oder einfach abserviert werden, ist es auch mit der Loyalität zum Betrieb nicht weit her.
 
Loyalität braucht vor allem eins: Zeit. „Sie ist keine Einbahnstrasse, sondern beruht auf Gegenseitigkeit. Und durch falsches Führungsverhalten ist sie in Sekunden zerstört“, so Anne Schüller. Das kommt Firmen teuer zu stehen, denn dieser ungeschriebene, psychologische Vertrag zwischen Mitarbeiter und Firma ist der heimliche Treiber des Erfolgs. Die Soziologin und Personalexpertin Maren Lehky ist überzeugt: „Das, was ein Unternehmen als funktionierende Einheit zusammenhält, ist die Loyalität der Mitarbeiter. Nur Mitarbeiter, die sich dem Unternehmen verpflichtet fühlen, tragen notwendige Einsparungen oder andere unpopuläre Entscheidungen freiwillig mit. Das kann die Geschäftsführung nicht anordnen, denn Loyalität ist eine innere Einstellung, eine Haltung.“
 
Die Managementberaterin Anne Schüller warnt vor allem bei kundennahen Betrieben vor einer zu hohen Fluktuation. So wie sich ein Mitarbeiter in erster Linie gegenüber seinem Vorgesetzten verpflichtet fühlen kann und nicht zwingend der Firma als Ganzes, ist es bei Kunden die Beziehung zu bestimmten Mitarbeitenden, welche ihre Treue zum Unternehmen fördern. Sind diese Mitarbeitenden weg, sind es nicht selten auch die Kunden. Firmen, die ein Problem mit der Loyalität haben, können also früher oder später auch ein Problem mit ihrer Bilanz kriegen.
 
Der Haken an der Sache: Loyalität wird oft falsch verstanden, und zwar auf beiden Seiten. Sich dem Arbeitgeber verpflichtet fühlen, ist nämlich nicht zu verwechseln mit blindem Gehorsam und selbstloser Aufopferung. Entscheidend ist vielmehr, sich mit dem Unternehmen zu identifizieren und mit seiner eigenen Arbeit etwas zum Erfolg beitragen zu wollen anstatt nur eigene Karriereziele zu verfolgen – das Wohl der Firma sollte einem also am Herzen liegen. Und dazu gehört es eben auch, seine kritische Stimme zu erheben bzw. diese überhaupt zuzulassen. „Ein loyaler Mitarbeiter tritt sogar für die Interessen seines Arbeitgebers ein, wenn er dabei persönlich anecken kann. Und er verzichtet auf das Verfolgen eigener, egoistischer Ziele, wenn diese dem Unternehmenszweck widersprechen“, so Anne Schüller. Eine der Grundbedingungen für loyales Verhalten gegenüber dem Arbeitgeber: Man sollte ich mit den Werten der Firma identifizieren können.
 
Natürlich garantieren zufriedene Mitarbeiter alleine noch lange keine Mitarbeiterbindung. Laut einer Umfrage von Universum Swiss Professional unter knapp 2200 Personen gilt dies besonders für Angestellte in der Wirtschaft, in den Naturwissenschaften und im IT-Sektor. Auf die Frage nach ihrer Hauptmotivation für einen Wechsel antworteten 57 Prozent mit der Aussicht auf mehr Gehalt, gefolgt vom Wunsch nach Beförderung (41 Prozent) und der Möglichkeit, etwas Neues auszuprobieren. Das ist alles andere als verwerflich: Mitarbeitende, die aus lauter Bequemlichkeit oder Angst vor Neuem an ihrem Stuhl kleben, könne auf Dauer genauso zur Hypothek für ein Unternehmen werden wie die Dauerwechsler mit Bindungsproblemen.

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