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Karriere allgemein

So ein Zufall!

Karriere allgemein
29. April 2017
Ob jemand beruflich aufsteigt, ist nicht nur eine Frage der Leistung und des Netzwerks: Der Faktor Zufall wird drastisch unterschätzt.
 
Von Manuela Specker
 
Wer sich besonders anstrengt, soll die besten Aussichten auf eine steile Karriere haben? Diese Annahme gehört schon länger ins Reich der Märchen, da bereits Herkunft, Einkommen und Bildung der Eltern den Weg bis zu einem gewissen Grad vorspuren. Mit besonderen Leistungen und Talent kann durchaus jeder eigene Akzente setzen oder seine beruflichen Träume umsetzen – aber wir sind weniger Herr über unser berufliches Schicksal, als wir meinen.
 
Der US-Ökonom Robert H. Frank konnte mit zahlreichen Studien aus der Ökonomie, der Psychologie und der Soziologie belegen, dass der Einfluss von Begabung und Ehrgeiz systematisch überschätzt wird. Der Erfolg, so seine These, hängt stark von Zufällen, günstigen Gelegenheiten und Glück ab.

Andere Untersuchungen belegen einen Zusammenhang zwischen beruflicher Karriere und Aussehen sowie Körpergrösse.
 
Sogar der Name soll einen Anteil daran haben, ob jemand aufsteigt oder nicht. Unmoderne Namen wie „Walter“ werden demnach im Gegensatz zu neutraleren Namen wie „Anna“ mit „weniger intelligent“ und „unattraktiv“ assoziiert. In den USA zeigte sich, dass vor allem Menschen mit Namen, die in ungebildeten Kreisen verbreitet sind wie Mandy oder Kevin, einen schweren Stand auf dem Arbeitsmarkt haben. Solche eigenartigen Mechanismen kommen vor allem dann zum Zug, wenn ein Überangebot an Bewerbern besteht. „Dann sind Personalfachleute eher anfällig für Vorurteile“, sagt der Psychologe Lars-Eric Petersen.
 
Wenn bereits der Klang eines Namens sich auf die Karriere auswirken kann, sollte auch der Faktor Zufall nicht länger unterschätzt werden: Für die entscheidenden beruflichen Schritte ist es wichtiger als bisher angenommen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Gemäss einer Umfrage des Allensbach-Institutes sind es aber ausgerechnet die Erfolgsverwöhnten, die ihre Meriten am stärksten auf die eigene Leistung zurückführen anstatt auf glückliche Umstände oder Zufall. „Viele sind davon überzeugt, dass Erfolg allein etwas mit Talent und harter Arbeit zu tun hat“, schreibt Robert Frank in seinem Buch „Success and Luck: Good Fortune and the Myth of Meritocracy“.
 
Diese Haltung ist auch eine Art psychologisches Schutzschuld, eigene Privilegien nie hinterfragen zu müssen, gilt doch auch der Misserfolg der anderen als selber verschuldet. Sie ist zudem eine Folge verzerrter Wahrnehmung, da man oft nur die Erfolgreichen im Blickfeld hat und nicht jene, die genauso hart arbeiten, aber erfolglos bleiben.
 
Die Rolle von Glück und Zufall ist nicht nur im Berufsleben noch immer ein Tabu, sondern auch in wissenschaftlichen Arbeiten.  Die Managementforscher Chengwei Liu (Warwick-Universität) und Mark de Rond (Business School der Universität Cambridge) sichteten rund 2000 Studien aus den letzten 60 Jahren. Nur gerade zwei Prozent davon beschäftigten sich mit dem Einfluss des Glücks auf den Unternehmenserfolg oder die Leistung von Führungskräften. Die beiden sind sich deshalb einig, dass Manager die Welt für kontrollierbarer und vorhersehbarer halten, als sie tatsächlich ist.
 
Das hat Folgen für das eigene Selbstbild: Wer stur vom meritokratischen Prinzip ausgeht, neigt dazu, sich selber zu überschätzen. Aber gerade in hoch dotierten Posten sind äussere Einflüsse für Erfolg oder Misserfolg ein entscheidender Faktor: der Wechselkurs zum Beispiel für exportorientierte Unternehmen, die Situation bei der Konkurrenz oder die geopolitische Lage. Liu und de Rond kommen deshalb sogar zum provokanten Schluss, dass Spitzenpositionen genauso gut innerhalb von geeigneten Kandidaten verlost werden könnten – das sei günstiger und effizienter als ein langwieriger Bewerbungsprozess.
 
Wir täten jedenfalls alle gut daran, dem Irrglauben abzuschwören, die berufliche Entwicklung kontrollieren zu können. Stefan Klein, der Physiker, Philosoph und Autor des Buches „Alles Zufall“, bringt es in der „Wirtschaftswoche“ treffend auf den Punkt: „Wer akzeptiert, dass nicht alles planbar ist, bleibt flexibler und offen für zufällige Möglichkeiten und neue Chancen.“
 


Bildquelle: Thinkstock

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