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Karriere allgemein

Strategien gegen den Montagsblues

Karriere allgemein
15. Januar 2017
Kleine Durchhänger im Job sind normal – kommen sie häufig vor, ist Ursachenforschung angesagt
 
Von Vera Sohmer
 
Das Leben könnte so schön sein, aber schon wieder ist das Wochenende vorbei. Der Wecker klingelt in Herrgottsfrühe und die Aussicht auf die neue Arbeitswoche lässt die Laune in den Keller sacken. Montags scheint alles nur trist und trübe und viele Arbeitnehmer kommen lustlos ins Büro oder an die Werkbank.
 
Dieser Montagsblues ist ein weit verbreitetes Phänomen und sogar Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Demnach wird zu Wochenbeginn weniger geleistet als an anderen Werktagen. Dies haben Forscher der London School of Economics herausgefunden. Weitere Erhebungen zeigen: Montags gibt es vermehrt Krankmeldungen, die Verletzungsgefahr ist grösser. Zudem lässt die Produktivität zu wünschen übrig und in Mails werden mehr Rechtschreibfehler gefunden. Kurzum: Die Motivation tendiert gegen null.
 
Schlechte Nachrichten für Arbeitgeber und Kunden. Vom Individuum aus gesehen aber ein Stück weit verständlich. „Es ist normal, wenn wir nicht jedem Montagmorgen freudig entgegensehen“, sagt Laufbahn-Coach Claire Barmettler. Wohl jeder von uns hängt mal durch. Kommt dies selten vor und verschwindet von alleine wieder, ist alles im grünen Bereich.
 
Barmettlers Angaben nach kann ein Montagsblues verschiedene Gründe haben. Ein häufiger: Für viele Menschen sei heute eine Balance zwischen Beruf, Freizeit und Familie wichtig. Jeder Wechsel von der einen auf die andere Seite bedeutet, das jeweils andere wieder aufzugeben. Der Montagmorgen wird so zum Abschied – von seinen Lieben, den Hobbys, vielen Freiheiten.
 
Der Tipp in diesem Fall: Sich die Übergänge bewusst machen, den Schritt auf die andere Seite vorbereiten. Man kann zum Beispiel bereits am Freitag den Wochenbeginn planen. Auf eine To-do-Liste werden am besten jene Aufgaben gesetzt, die leicht von der Hand gehen. Ebenfalls hilfreich ist, noch freitags Ordnung zu schaffen: angefangene Arbeiten zu Ende bringen, etwas Unliebsames erledigen, alle Mails der vergangenen Tage beantworten. Und dann den Schreibtisch aufräumen. So lässt es sich unbelasteter in die neue Woche starten.
 
Sich präparieren, ist auch nach den Ferien eine gute Strategie. Statt am ersten Arbeitstag über die aufgelaufenen Nachrichten zu fluchen, sie lieber schon am Sonntagabend lesen und sortieren. Manchem hilft es darüber hinaus, sich zu belohnen und etwas Erfreuliches zu unternehmen. Warum sich am Montagabend nicht mit netten Kollegen zum After-Work-Drink verabreden? Oder nach Feierabend ins Kino gehen? Oder mit seinem Schatz Essen gehen?
 
Schwerer wiegt der Montagsblues, wenn er häufig oder immer vorkommt. Oder sich die Lustlosigkeit auf die anderen Arbeitstage erstreckt. Experten raten hier, unbedingt aktiv zu werden. „Denn Demotivation schleift sich ein, wird von der Befindlichkeit zur Gewohnheit und schliesslich zum Persönlichkeitsaspekt“, warnt Psychologin und Laufbahnberaterin Regula Zellweger in einem ihrer Ratgeberbücher. Mit der Zeit nehme die Seele die Farben der Gedanken an. Und oft gerate man in einen Teufelskreis. Die Arbeit macht keinen Spass, also kommt das Motivationstief. Unmotivierte arbeiten schlechter, langsamer, fehlerhaft. Entsprechend negativ fällt das Feedback aus, was die Motivation noch mehr schwinden lässt. Falsch wäre jetzt, zu resignieren. Es braucht einen mehrstufigen Plan, an dessen Anfang die Frage steht: Welchen Anteil habe ich selbst, meinen Durchhänger beizubehalten oder zu verschlimmern? Sich beispielsweise ständig einzureden, etwas nicht zu können oder zu schaffen, macht die Sache umso schwieriger.
 
Wer sich ständig zur Arbeit schleppen muss, dürfte zudem generell unzufrieden sein – mit dem Betrieb, den Aufgaben, den Kollegen, den Vorgesetzten. Vielleicht fehlt Wertschätzung, kommt einem die Arbeit sinnentleert vor. Vielleicht fühlt man sich unterfordert oder ist hoffnungslos überfordert. Fachleute raten dann zu einer Standortbestimmung. Mit ihr lässt sich besser herausfinden, wo es klemmt und wie es sich ändern lässt. Gespräch mit dem Chef? Interner Wechsel? Andere Stelle? Etwas ganz anderes anpacken? In aller Regel ist das unbequem. Aber ein wirksames Mittel gegen arbeitsbedingte und energieraubende Dauer-Trübnis.

Bildquelle: Thinkstock

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