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Welcher Weg darf es sein?

Veröffentlicht am 01.11.2018
Welcher Weg darf es sein?

Fach- oder Führungskraft? Professor oder Manager? Oder doch lieber Assistent? Ein neuer Blick auf vermeintlich bekannte Karrierewege.

Karriere passiert nicht von allein – man muss sie „machen“. Aber wie finden Sie heraus, welcher Karriereweg für Sie der richtige ist? Und mit welcher Strategie schaffen Sie es, die Position Ihrer Wünsche zu ergattern? Was unterscheidet die Karrieremöglichkeiten, voneinander? Und welche Chancen, aber auch Risiken erwarten Sie? Einige Arbeitsformen, zum Beispiel Praktika oder Assistenzen, haben einen schlechten Ruf – und doch können sie Türöffner für Ihre Karriere sein.

  1. Die Kraft der Wissenschaft
    Ehe Sie die Universität oder Fachhochschule verlassen, sollten Sie sich fragen: Wollen Sie wirklich weg? Oder könnten Sie sich vorstellen, eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen? Durch eine zügige Promotion halten Sie sich diesen Weg offen. Gleichzeitig steigern Sie Ihre Chancen auf eine Führungskarriere in der freien Wirtschaft, zumindest in Grosskonzernen. Oder promovieren Sie, gehen Sie in die freie Wirtschaft und fragen Sie sich nach etwa fünf Jahren, ob das ein beglückender Weg für Sie ist. Gerade der Weg zu einer FH-Professur ist damit nicht verbaut: Praktiker sind oft heiss begehrt.
     
  2. Gestatten, McKinsey
    Sie haben keinen guten Ruf, die Unternehmensberater. Tatsache aber ist: Fast alle grossen Firmen geben viel Geld dafür aus, dass Unternehmensberater sie unterstützen. Und entscheidend für Ihre Karriere ist nicht, was die kritische Öffentlichkeit denkt, sondern vielmehr, wie der Berufsstand unter Firmen angesehen ist. Die Unternehmen halten grosse Stücke auf Unternehmensberater. Woran das liegt? Erstens sind die Unternehmensberatungen für eine strenge Personalauswahl bekannt. Nur wer grosses Potenzial mitbringt, bekommt hier einen Job. Und zweitens sammelt ein Unternehmensberater ein enormes Reservoir an Erfahrungen, er kennt zahlreiche Firmen von innen, oft auch erfolgreiche Wettbewerber.  Eine weitere Chance: Genau jene Firmen, die Sie beraten, brauchen auch selbst Personal. Und wenn Sie gut ins Team passen und exzellente Arbeit abliefern, dürfen Sie dreimal raten, wer das erste Angebot bekommt. So wird die Beraterin zur Mitarbeiterin.
     
  3. Assistenz ihrer Exzellenz
    Als Assistent eines Geschäftsführers können Sie aus nächster Nähe studieren, mit welchen Strategien ein Mächtiger agiert. Schon bald werden Sie bemerken, dass die heimlichen Karrierespielregeln anders als die offiziellen aussehen. Eine bessere Schule für den eigenen Weg nach oben gibt es nicht.  Auch deshalb, weil nahezu jeder Assistent bei Top-Leistung nach einiger Zeit von seinem Chef befördert wird. Aber Achtung: Wenn Ihnen dieser Sprung nicht gelingt, kann die Assistenz zu einem Makel im Lebenslauf werden.
     
  4. Fachkraft im Einsatz 
    Früher war die Expertenlaufbahn ein Karriereweg zweiter Klasse. Wem es nicht zu einer Führungsaufgabe reichte, der blieb in der Fachetage hängen. Doch in Zeiten der Wissensgesellschaft hat sich dieses Image verändert: Jede Firma steht und fällt mit ihrem Wissensvorsprung, also mit ihren Experten. Mittlerweile ist es nicht selten, dass gefragte Fachleute auch bei den Gehältern mit den Führungskräften in einer Liga spielen. Schauen Sie einmal Ihre (Wunsch-)Firma an und fragen Sie sich: Welches Wissen wird dort in den nächsten Jahren benötigt, um am Markt erfolgreich zu sein? Durch welche Fortbildungen, aus welchen Quellen könnten Sie sich dieses Wissen aneignen? Und wie schaffen Sie es, dieses Wissensmonopol in Ihrer Firma an die Vorgesetzten zu bringen? Mit einer solchen Strategie können Sie als Experte weit kommen, ohne jemals einen Mitarbeiter geführt zu haben.
     
  5. Perfekt im Projekt
    Als Führungstalent ohne Führungsposition können Sie ein Hintertürchen nutzen: Sorgen Sie dafür, dass Sie ein Projekt leiten dürfen. Bei dieser Gelegenheit können Sie unter Beweis stellen, wie gut Sie führen und koordinieren können. Ihre Vorgesetzten wissen genau, dass das Führen ohne hierarchische Macht eine besondere Herausforderung ist. Wenn es Ihnen gelingt, die Mitarbeitenden Ihres Projektteams zum Erfolg zu führen, dann sind Sie für eine Führungsposition erst recht geeignet. Führungskräfte, die nicht mit der Peitsche arbeiten, nicht ihre hierarchische Macht ausspielen, sondern ihre Mitarbeiter überzeugen, mitreissen und motivieren, werden in den Unternehmen immer gefragter.
     
  6. Auf eigene Rechnung
    Immer mehr Experten und Führungskräfte gründen selber eine Firma. Keine schlechte Idee, denn wer seiner Firma viel Geld bringt, zum Beispiel als IT-Profi, der bekommt immer nur einen Bruchteil davon ausbezahlt. Als Selbständiger kann er diesen Anteil erhöhen – und zugleich seine Selbstbestimmung. Niemand gibt ihm mehr Arbeitsaufträge oder Sitzungsteilnahmen vor – als Unternehmer bestimmt er allein, was er tut und was er lässt. Diese Möglichkeit ist für Sie besonders dann interessant, wenn Sie ein freiheitsliebender, aber zugleich selbstdisziplinierter Mensch sind; denn die Arbeitbelastung nimmt in der Selbständigkeit zunächst einmal zu.

* Der Erfolgsautor Martin Wehrle gilt als Deutschlands bekanntester Karrierecoach. Sein aktuelles Buch: „Der Klügere denkt nach. Von der Kunst, auf die ruhige Art erfolgreich zu sein.“ www.wehrle-redner.de