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Berufliche „Pflichten“ nach Dienstschluss

Veröffentlicht am 12.11.2018 von myjob.ch - Bildquelle: iStock
Berufliche „Pflichten“ nach Dienstschluss

Wer sich mit hoher Begeisterung im Job engagiert und auch zum Feierabend nicht abschalten kann, tut sich selbst nichts Gutes. Auch wenn bestimmte Tätigkeiten nach Dienstschluss oder gar im Urlaub absolut notwendig erscheinen, sollte ein gesundes Gleichgewicht von Arbeit und Freizeit nicht aus den Augen verloren werden.

Die meisten Dienstnehmerinnen und Dienstnehmer sind wohl – Hand aufs Herz! –, wirklich froh, wenn sie nach Dienstschluss auch tatsächlich mit der Arbeit fertig sind. Zwar sind die Grenzen zwischen Arbeits- und Freizeit in vielen Berufen und mit den Möglichkeiten des Teleworkings zunehmend fließend, doch ist es natürlich wichtig, v.a. geistig „abschalten“ zu können. Gerade in System erhaltenden Bereichen wie Rettungsdiensten oder der Berufsfeuerwehr sind auch Bereitschaftsdienste selbstverständlich – die aber auch als Arbeit definiert sind.

Geistiges Problemwälzen
Nachvollziehbar ist, dass je weniger abhängig eine berufliche Tätigkeit von der betrieblichen Infrastruktur ist, desto eher können Aufgaben bzw. bestehende Probleme mit nach Hause genommen werden. Der Stahlarbeiter wird zu Hause wohl kaum am Hochofen stehen, der Bauarbeiter den Zement für das neue städtische Kongress-Zentrum nicht am Wochenende im eigenen Garten für den nächsten Montag vormischen. Auch der Chemiker wird daheim neben den Kindern hoffentlich nicht mit starken Säuren und Laugen hantieren. Aber die geistige Beschäftigung mit dieser einen, neuen Formel, die er am Nachmittag entdeckt hat, wird dem Nachwuchs vorerst verborgen bleiben.

Die Politik-Journalistin wiederum wird auch im lange aufgeschobenen, hart verdienten Urlaub nicht umhin kommen, sich mit der Berichterstattung zum jüngsten Korruptionsskandal der Regierungsparteien zu beschäftigen. Je nach Berufserfahrung und Vernetzungsgrad werden in diesem Zusammenhang auch ein paar Telefonate anstehen. Und auf der anderen Seite sind die Pressevertreter der Beschuldigten auch am Wochenende 24 Stunden pro Tag im Alarmzustand, um Medienvertreter über die Hintergründe umfassend zu informieren, mit kleinen Informationshäppchen bei Laune zu halten oder auch einfach nur abzuwimmeln.

Hoher Grad an Identifikation
Wichtig ist, dass der Arbeitnehmerschutz über all dem steht und gesetzlich definierte Ruhezeiten einzuhalten sind: Nach einem acht- oder neunstündigen Bürotag immer wieder zusätzliche Aufgaben für zu Hause delegiert zu bekommen, darf nicht zum Standard werden. Tatsächlich finden aber oft Menschen in die angeführten oder ähnliche Jobs, deren Persönlichkeitsstruktur einen hohen Grad an Identifikation mit den beruflichen Aufgaben zulässt, und die es mitunter genießen, sich über die Massen dafür engagieren zu können.

Neben der Rücksichtnahme auf ihre familiären Strukturen und die Bedürfnisse der Liebsten sollte dieser Arbeitnehmer-Typ auch eine gewisse Sensorik für das eigene Befinden entwickeln. Große Begeisterung und ein überbordender Einsatz für den Beruf sind großartige Eigenschaften. Allerdings nur so lange, wie sie nicht zur Überlastung führen und man vor lauter „Feuer und Flamme“ für den Job nicht ausbrennt und ins Burnout schlittert.