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Pro und Contra: Jobs nur für Nichtraucher?

Veröffentlicht am 30.01.2020
Pro und Contra: Jobs nur für Nichtraucher?
Jeder weiss, dass Rauchen die Gesundheit gefährdet. In letzter Zeit nimmt sich die Politik wieder verstärkt dem Thema an. Der Ständerat hat seine Entscheidung zum Tabakgesetz verabschiedet und die Studie "Krankheitslast durch Tabakkonsum" sorgt für Diskussionsstoff. Viele Unternehmen suchen mittlerweile gezielt in ihren Ausschreibungen nach Nichtrauchern. Droht nun auch hier der erbitterte Kampf Raucher gegen Nichtraucher?
Dramatische Produktionsausfälle durch Raucher
Die Studie "Krankheitslast durch Tabakkonsum" hat dramatische Zahlen ans Licht gebracht. In der Schweiz sterben jährlich über 9500 Menschen durch Tabakkonsum. Das bedeutet, 14 % aller Todesfälle gehen auf Rauchen zurück. Zehn Prozent verlieren durch Zigaretten nicht nur ihr Leben, sondern vor allem Lebensqualität durch zahlreiche gesundheitliche Einschränkungen. Der Tabakkonsum hat auch wirtschaftlich erhebliche Folgen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten für die medizinische Behandlung von Rauchern sich jährlich auf drei Milliarden Franken belaufen. Für Unternehmen bedeutet das ein Produktionsverlust von etwa zwei Milliarden Franken im Jahr. Die Zahlen passen zu dem gerade um sich greifenden Trend, dass viele Stellenausschreibungen sich nur noch an Nichtraucher richten. Doch ist das der richtige Weg?

Nichtraucher-Betriebe arbeiten effektiver
Rauchende empfinden die Stellenangebote, in denen explizit nach Nichtrauchern gesucht wird, als Diskriminierung. Das sehen die Nichtraucher und Personalentscheider ganz anders. Denn Nichtraucher brauchen während der Arbeitszeit keine Zigarettenpausen, was die Konzentration und somit die Produktivität erhöht. Produktionsausfälle können mit einer derartigen Personalpolitik deutlich minimiert werden. Rauch, der sich in Kleidungsstücken festsetzt, gelangt auf diese Weise nicht ins Büro und durch den Wegfall von mit dem Tabakkonsum verbundenen Krankheitstagen sind insgesamt weniger Ausfälle zu verzeichnen. Raucherzimmer oder Raucherbereiche müssen in einem Betrieb nicht mehr eingerichtet werden. Zwar gibt es auch Firmen, bei denen die Raucher für jede Zigarettenpause die Stechkarte einschieben müssen und die Zeit somit abgezogen wird, doch reduziert sich in reinen Nichtraucher-Unternehmen der organisatorische Aufwand deutlich. Aus dieser Perspektive wird die Entscheidung verständlich.

Karriere könnte mit einer Lüge beginnen
Es gibt jedoch auch vehementen Gegenwind. Wer den Bewerberkreis auf Nichtraucher beschränkt, verpasst möglicherweise den besten Kandidaten für den Job. Der Bewerberpool wird enger und manch einer wird sich überlegen, den Zigarettenkonsum zu verheimlichen. Es stellt sich die Frage, ob ein Arbeitsverhältnis mit einer Lüge beginnen soll. Doch warum ausgerechnet Zigaretten? Auch Alkohol, Medikamente und Süssigkeiten haben ähnlich gesundheitsschädliche Auswirkungen. Das schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft mit massiven Eingriffen in das Persönlichkeitsrecht. Raucher argumentieren, mit der Zigarette Stress zu kompensieren. Das mag ein Trugschluss sein, doch gibt es viele Arbeitnehmer, die so ihre Nervosität kompensieren können, was allen zugutekommt.

Entscheidung muss individuell bleiben
Zudem wird die Frage nach dem Rauchen oder Nichtrauchen zu eindimensional gesehen. Raucher haben eine kürzere Lebensdauer, was AHV und Pensionskasse entlastet. Denn die müssen weniger Rente ausbezahlen. Auch die Arbeitgeber zahlen für Raucher weniger in die Kassen. Überspitzt ausgedrückt, sorgt der potenziell frühe Tod eines Rauchers für die Entlastung der Rentenkasse. Sozusagen ein Mehrwert durch Ableben, wohingegen Nichtraucher ein Langlebigkeitsrisiko darstellen. Letztendlich ist die Frage nach dem Tabakkonsum eine Quadratur des Kreises. Stark sind die Argumente auf beiden Seiten des Grabens. Was die Debatte entschleunigen könnte, wäre eine Rückbesinnung auf das Selbstbestimmungsrecht des Mitarbeiters und seine individuelle Leistung - ob mit oder ohne Zigarette.