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Selbst organisierte Kinderbetreuung in Corona-Zeiten? Besser nicht!

Veröffentlicht am 14.04.2020
Selbst organisierte Kinderbetreuung in Corona-Zeiten? Besser nicht!
In Notzeiten ist Zusammenstehen gefragt. Was liegt da näher, als sich mit anderen Betroffenen zusammenzutun, wenn der Hort geschlossen ist, und Kinderbetreuung im Quartier miteinander zu organisieren? Auf den ersten Blick eine prima Idee - doch Experten raten dringend ab. 
Distanz schafft Sicherheit 
 
Alle Massnahmen, die Regierung und Verwaltungen gerade treffen, haben ein Ziel: Die Verbreitung des neuartigen Corona-Virus möglichst wirkungsvoll zu verhindern. Die Ansteckung geschieht im persönlichen Kontakt durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion. Beim Husten, Niesen oder sogar nur beim Sprechen entstehen feine Speicheltröpfchen, die sich bis zu anderthalb Meter ausbreiten und auf andere Personen treffen können. Die Viren darin können andere Menschen ebenfalls anstecken, wenn sie in den Mund, die Nase oder die Augen gelangen. Alle Vorsichtsmassnahmen - Händewaschen, Desinfektion, Mundschutz, Distanz, nicht ins Gesicht fassen - dienen dazu, diesen Verbreitungsmechanismus zu behindern. Entscheidend ist also, alle nicht zwingend notwendigen Kontakte zu vermeiden, denn jeder einzelne erhöht das Verbreitungsrisiko. 
 
Der Hort im Quartier - eine mögliche Ansteckungsquelle 
 
Auch bei einer selbst organisierten Kinderbetreuung finden eine Menge Kontakte zwischen Kindern, Eltern und Betreuungspersonal statt. Das Problematische daran ist: Infizierte wissen oft nicht, dass sie das Virus in sich tragen, denn die ersten Symptome treten frühestens nach etwa fünf Tagen oder sogar erst nach Wochen auf. In dieser symptomfreien Zeit sind die Träger des Virus jedoch ansteckend - und das macht auch die harmlosesten Kontakte scheinbar völlig gesunder Menschen so gefährlich. Kinder während der Betreuung auf Distanz zu halten, ist schier unmöglich. Und je weniger Raum zur Verfügung steht, je dichter Erwachsene und Kinder aus unterschiedlichen Familien beieinander sind, desto wahrscheinlicher wird eine Ansteckung. Aus diesem Grund spricht sich der Verband Krippenbetreuung Schweiz (Kibesuisse) ausdrücklich gegen solche improvisierten Hütestätten im Quartier aus - zu gross ist die Gefahr, die noch wenig erforschte Krankheit ungewollt weiter zu verbreiten. 
 
Wie kann Kinderbetreuung weiter gewährleistet werden? 
 
Kibesuisse empfiehlt, zunächst auf die noch vorhandenen öffentlichen Betreuungsangebote zurückzugreifen. Schulen, Schulleitungen und Gemeinden können über die aktuelle Situation aufklären und Empfehlungen geben. Da die Regelungen je nach Kanton und Gemeinde ganz unterschiedlich ausfallen können, ist es leider nicht möglich, pauschale Empfehlungen zu geben. Eltern sind daher am besten beraten, wenn sie die Nachrichten und öffentliche Bekanntmachungen verfolgen und im Zweifelsfall telefonisch nachfragen, ob und welche Betreuungsangebote vor Ort noch zur Verfügung stehen. Für wenig bedenklich hält Estelle Thomet vom Verband Kinderbetreuung Schweiz, wenn zwei Familien sich zusammentun, um sich beim Kinderhüten abzuwechseln - zum Beispiel um ungestört im Home-Office arbeiten oder Besorgungen machen zu können.