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Boreout: Unterforderung am Arbeitsplatz

Veröffentlicht am 06.08.2020
Boreout: Unterforderung am Arbeitsplatz
Burnout ist ein Syndrom, das den meisten von uns in den Medien präsent ist und dessen Symptome in der Bevölkerung gut bekannt sind. Doch was ist eigentlich Boreout? Eine Unterforderung, die sogar krank machen kann? Dieser Überblick bietet zu diesem relativ neuen Thema eine erste Aufklärung.
 
Ihnen ist langweilig?

Anstrengende Projekte, ein cholerischer Chef, neue Aufgaben und zahlreiche Kundenanrufe - wenn Ihnen Kollegen erzählen, dass deren Tagesablauf vollgepackt und belastend ist, fällt Ihnen dazu gar nichts ein. Denn Sie würden sich freuen, wenn Sie etwas mehr zu tun hätten beziehungsweise Ihre Einsatzfelder ein bisschen abwechslungsreicher, anspruchsvoller und somit auch um einiges attraktiver wären. Vielleicht trauen sich sich gar nicht, das zu verraten? Zum einen, damit Sie die hektischen Kollegen nicht noch ärgern. Zum anderen, weil man Ihnen nur raten wird, sich über einen Arbeitsplatz zu freuen, der so entspannend ist. Doch Sie sollten sich unbedingt mit dem Thema Boreout auseinandersetzen. Denn ein langweiliger Arbeitsplatz kann Sie durchaus auch unglücklich und krank machen.

Kann Unterforderung wirklich negative Einflüsse haben?

Ja! Wissenschaftler bestätigen, dass es durchaus mit einer ganzen Reihe von gesundheitlichen Nachteilen verbunden ist, wenn Ihr Arbeitsalltag für Sie eine chronische Unterforderung bedeutet. Und die Experten haben noch etwas Spannendes rund um die Ursache von Boreout herausgearbeitet. Denn oft hätten die Angestellten lieber ein Extraplus Arbeit - die Vorgesetzten haben davon keine Kenntnis und meinen, dass das Arbeitspensum durchaus okay für den Mitarbeiter sei. Durch dieses Missverständnis ist Langeweile für den Angestellten vorprogrammiert - und der Arbeitgeber nutzt die Effektivität, die ihm der Angestellte eigentlich bieten könnte, nicht richtig aus. Das ist unbefriedigend - für beide Parteien in einer Werkstatt, in einem Büro, in einem Industriebetrieb und im Handel. Wissenschaftler haben in ihren Befragungen herausgefiltert, dass das Wohlbefinden im Team negativ dadurch beeinflusst, wenn die Teammitglieder unterfordert sind. "Man traut mir wohl nicht mehr zu" - bewerten zahlreiche Unterforderte ihr derzeitiges Arbeitspensum und befinden sich in einer Anspannung, die negativ ist. Es ist also nicht nur der Boreout, der belastet, sondern auch die permanente Unterforderung und deren Bewertung durch den Arbeitnehmer.

Boreout unterrepräsentiert

Burnout ist ein viel diskutiertes Thema, das auch mit Depressionen und Angststörungen in Verbindung gebracht wird. Zum Thema Boreout wurde wenig geforscht. Doch die Stressmodelle sind unterschiedlich und sollten bekannter werden, damit die betroffenen Mitarbeiter eine adäquate Unterstützung bekommen können. Die Langeweile, die durch die unterfordernden Arbeiten im Unternehmen generiert wird, führt besondere dazu, dass die Angestellten während der Arbeit grübeln. Selbstzweifel werden geschaffen, wenn der Eindruck, den jemand von seiner Leistungskompetenz hat, nicht zu den übertragenen Arbeiten passt. Das Selbstbewusstsein kann so beeinträchtigt werden. Dies nicht nur, wenn zu wenig Arbeit zu verrichten ist. Es beeinträchtigt den Selbstwert, wenn die Aufgaben nicht der Jobbeschreibung entsprechen und die berufliche Karriere so keine Weiterentwicklung haben kann. Oft sind solche Arbeitnehmer auch nicht richtig in den Kreis der Kollegen integriert, was zur sozialen Isolation im Unternehmen führt und das Selbstbewusstsein herabsetzt.

Checkliste: Haben Sie einen Boreout?

Während die Symptome beim Burnout bekannter sind, tappen Boreoutbetroffene häufig im Dunkeln. Auch der Arztbesuch wird nicht durchgeführt: Wer sagt schon in der Praxis, dass sein Problem eine berufliche Unterforderung sein könnte? Die Unterforderung kann an unterschiedlichen Merkmalen im Arbeitsalltag durch den Angestellten selbst festgestellt werden, wenn Sie zu sich selbst ehrlich sind. So sollten Sie sich eingestehen, wenn Sie mit Ihrem Arbeitsplatz und den damit verbundenen Anforderungen unglücklich sind. Die Unterforderung kann manchmal wirklich konkret festgestellt werden - zum Beispiel dann, wenn Sie während des Arbeitstages öfter nichts zu tun haben beziehungsweise, wenn Sie so tun, als würden Sie arbeiten. Wer einen Boreout hat, ist auch leichter ablenkbar beziehungsweise beschäftigt sich mit Dingen, die mit dem Job nichts zu tun haben. Telefonieren Sie häufig privat? Schicken Sie Mails an Kollegen, die privater Natur sind? Schreiben Sie den Einkaufszettel? All das kann einen Boreout bedeuten.

Haben Sie vielleicht einen anderen Arbeitsplatz anvisiert, doch sich aufgrund des damit verbundenen Einkommensrückgangs nicht beworben? Recherchieren Sie weiter! Sie haben nämlich zwei Möglichkeiten: ein konstruktives Gespräch mit dem Chef, der Ihnen mehr Aufgaben gibt. Alternativ den Arbeitsplatzwechsel.