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Pendeln und Corona - Wie eine Pandemie das Mobilitätsverhalten beeinflusst

Veröffentlicht am 28.01.2021
Pendeln und Corona - Wie eine Pandemie das Mobilitätsverhalten beeinflusst
Viele Berufspendler fühlen sich unwohl, wenn sie in Zeiten von Corona öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Mit vielen fremden Menschen in sich geschlossenen Fahrzeugen zu sitzen, erzeugt ein gesteigertes Gefühl der Unsicherheit. in einer Umfrage in Deutschland konnte nachgewiesen werden, dass nicht nur der Eindruck entsteht, dass sich Berufspendler nicht mehr sehr gern in Zügen und Bahnen aufhalten. Von den Befragten bestätigten immerhin 37 %, dass sie sich seit Ausbruch der Corona-Krise in öffentlichen Verkehrsmitteln deutlich unwohler fühlen als vorher. 
Das könnte umso mehr gelten, solange verlässliche Aussagen zur Infektionsgefahr in öffentlichen Verkehrsmitteln fehlen. Die Aussagen dazu sind widersprüchlich. Während die Betreiber von Bussen und Bahnen auf ihre Hygienekonzepte und neu eingeführten Vorsichtsmassnahmen verweisen, beschreibt eine chinesische Studie ein hohes Übertragungsrisiko etwa in Zügen. Möglicherweise kommt es auf belastbare Daten aus der Sicht von Berufspendlern hier auch gar nicht an. Vielen scheint das ungute Gefühl zu reichen, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln direkt in das Zentrum des Corona Virus zu begeben. Daneben bleiben viele Arbeitnehmer auch im Home Office. Führt Corona so in wenigen Monaten tatsächlich zu einer grundlegenden Veränderung im Mobilitätsverhalten von Berufspendlern? Hat sich diese Veränderung schon vollzogen? Vor allem: Wird sie reversibel sein? 
 
Eine Umfrage aus Deutschland scheint zu bestätigen, dass sich das Mobilitätverhalten in der Krise rasant verändert. Das Institut für Verkehrsforschung des Deutschen Zentrums für Luft und Raumfahrt hatte 1000 Personen zwischen 18 und 82 Jahren zur Mobilität in Coronazeiten befragt. Die Befragten zeigten deutliche Präferenzen für Auto und Fahrrad. Wer nicht über ein eigenes Auto verfügen kann, vermisst dieses und denkt auch verstärkt über die Anschaffung eines eigenen PKW nach. Auch alternative Mobilitätsmodelle wie beispielsweise CarSharing verzeichnen durch Corona einen Attraktivitätsverlust. Die Menschen wünschen sich während der Pandemie nichts mehr, als möglichst allein oder mit wenigen vertrauten Personen den Weg zur Arbeit anzutreten. Bei vielen fällt der Weg zur Arbeit zurzeit ganz weg. Home Office beginnt sich als ernst zu nehmendes Arbeitsmodell zu etablieren. Hier nimmt die Zahl der Arbeitnehmer zu, die ständig, beziehungsweise nur mit kurzen Unterbrechungen zu Hause arbeiten. 
 
Es darf bezweifelt werden, dass nach Beendigung der Pandemie-Krise Arbeitnehmer und Berufspendler wieder zu ihren früheren Referenzen bei der Mobilität zurückkehren. Vielmehr bleibt zu befürchten, dass die öffentlichen Verkehrsmittel wie Bahnen und Busse nicht nur zu den aktuellen Verlierern der Krise gehören, sondern es auch für längere Zeit bleiben. Das wiederum könnte bedeuten, dass öffentliche Verkehrsmittel für eine längere Zeit von staatlichen Unterstützungsleistungen abhängig sein werden. 
Es ist dabei auch zu berücksichtigen, dass mehr Arbeitnehmer in Zukunft verstärkt und dauerhaft die Möglichkeit des Home Office in Anspruch nehmen werden. Es sind jetzt ausgerechnet auch früher recht kritische Arbeitgeber, die die Vorteile des Home Office für sich entdecken. Arbeiten viele Arbeitnehmer von Zuhause aus, können einige Kosten für Büroräume eingespart werden. 
 
Mobilitätsforscher werde noch längere Zeit mit den durch die Corona Epidemie herbeigeführten Veränderungen beschäftigt sein. Eine Erkenntnis durfte schon heute sicher sein: Wenn sich Menschen - aus welchen Gründen auch immer - in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr wohl und sicher fühlen, werden sie schnell versuchen, auf Alternativen wie Auto und Fahrrad umzusteigen. Hinter dem Gefühl der persönlichen Unsicherheit treten andere Anforderungen wie beispielsweise die Klimakrise zurück. Zu unmittelbaren Veränderungen führt immer eine konkrete Verunsicherung, keine abstrakte Gefahr in näherer Zukunft.