Das "innere Team", seine typischen Rollen und ihre Funktionen - myjob.ch
985 Artikel für deine Suche.

Das "innere Team", seine typischen Rollen und ihre Funktionen

Veröffentlicht am 26.07.2021
Das "innere Team", seine typischen Rollen und ihre Funktionen
Das "innere Team" ist ein Begriff, den der deutsche Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun geprägt hat. Gemeint ist damit die Zahl der Meinungen und Stimmen, die in uns sprechen, diskutieren und streiten, wenn wir eine Entscheidung treffen müssen.

Die Stimmen nehmen häufig unterschiedliche Standpunkte ein, ähnlich wie in einem wirklichen Team. Überwiegen die Streitigkeiten, kann es im Extremfall zu einer inneren Zerrissenheit führen. Es gibt aber auch Möglichkeiten und Tricks für eine echte Teambildung, die hier aufgezeigt werden sollen.
Die innere Pluralität verstehen

Es gibt Situationen, in denen wir einer plötzlichen Eingebung folgen und ein Vorhaben sofort umsetzen. Meistens wägen wir jedoch ab und bedenken verschiedene Aspekte, ähnlich einer Diskussion unter verschiedenen Personen. Und ähnlich wie im realen Leben gibt es innere Stimmen, die mutig und offen sprechen. Andere wiederum zeigen prüfende, zögernde oder neugierige Haltungen. Schulz von Thun nennt dies auch die "innere Pluralität", womit aber keinesfalls Persönlichkeitsstörungen gemeint sind.

Vielmehr gilt das Bild der verschiedenen inneren Stimmen als Metapher dafür, dass sie nur selten derselben Meinung sind, sondern stattdessen Konflikte austragen. Das hat einerseits den Vorteil, dass man vor voreiligen Schlüssen, naivem Verhalten und fehlerhaften Entscheidungen geschützt wird. Andererseits wird die Entscheidungsfindung dadurch nicht leichter.


Welche Persönlichkeiten gehören zum inneren Team?

Frei nach Goethe schlagen laut Schulz von Thun mehrere Seelen in einer Brust. Die wichtigsten Teammitglieder nach seiner Ansicht sind die folgenden.

Häuptling
Der Häuptling steht für den Teamleiter. Er führt das Team, vertritt es nach aussen und organisiert es nach innen. Zusätzlich übernimmt er die Position des Moderators, der einen Überblick über sämtliche Mitglieder des Teams hat. Sein Aufgabenbereich umfasst also Teambuilding, Personalauswahl sowie Konfliktmanagement bei strittigen Punkten.

Stammspieler
Diese Mitglieder sind schon lange dabei und verfügen über umfangreiche Kenntnisse. Sie sitzen stets in der ersten Reihe, haben Erfolge nachzuweisen und tragen viel Verantwortung für die Art und Weise, wie eine Person von anderen Individuen wahrgenommen wird.

Einzelgänger
Hierbei handelt es sich um Stimmen in der Person, die nur selten im Vordergrund stehen, aber häufig dann zum Vorschein kommen, wenn jemand versucht, sich abzugrenzen. Man kann sie auch als Aussenseiter verstehen, die zwar Teil der eigenen Persönlichkeit sind, aber nur ungern von anderen gesehen werden.

Gegenspieler
Das sind zwei Mitglieder des inneren Teams, die zu einer Sache oder einem Punkt zwei völlig unterschiedliche Meinungen vertreten und zwischen zwei Polen hin- und hergerissen sind.

Spätlinge
Spätlinge oder Spätmelder sind häufig nicht anwesend, wenn das Team sich zu einem Meeting trifft und über ein Thema diskutiert. Trotzdem können sie wichtige Beiträge leisten, auch wenn diese mit Stunden oder Tagen Verzögerung erfolgen.

Zögerer
Manche Mitglieder des Teams werden erst dann richtig sichtbar, wenn man sie bewusst wahrzunehmen versucht. Eine gesteigerte Achtsamkeit kann dabei helfen, sie zum Vorschein zu bringen.

Wächter
Wächter gehören zu den dominanten Teammitgliedern. Häufig unterdrücken sie andere Stimmen nach dem Motto: Das darf nicht ans Tageslicht kommen oder nicht gesagt werden. Ihre Art führt nicht selten zu Konflikten im inneren Team und macht dem Teamleiter das Leben schwer.

Gegner
Diese inneren Stimmen verhalten sich kontraproduktiv. Sie setzen die Person herab und zielen auf sensible Bereiche, was einer Selbstsabotage gleichkommt. Trotz dieser zerstörerischen Wirkung können dahinter positive Absichten und wertvolle Botschaften stecken. Ein Team besteht auch im realen Leben nicht nur aus netten Menschen.


Warum die Auseinandersetzung mit dem inneren Team wichtig ist

Für die menschliche, aber auch für die professionelle Entwicklung einer Person ist es nach Schulz von Thun eine Schlüsselqualifikation, das innere Team in Einklang zu bringen. Denn die innere wirkt sich auch auf die Kommunikation nach aussen aus. Das Beste aus allen inneren Stimmen herauszufiltern ist schwierig, aber die Diversität ist wie bei einem echten Team sehr bedeutend für die Qualität von Entscheidungen.

Manche Stimmen sind lauter als andere und gewinnen oft die Überhand, auch wenn ihre Ansicht nicht unbedingt die beste Lösung für eine Sache ist. Letztendlich heisst das Ziel, im Einklang mit sich selbst zu sein und dann Entscheidungen ganz bewusst und ohne Reuegefühle zu treffen. Das wirkt sich positiv auf die eigene Persönlichkeit wie auch auf die Arbeit aus. Aber wie ein wirkliches Team muss sich auch das innere Team an Absprachen und Regeln halten. Dies funktioniert nur über Selbstreflexion.


So können Sie vorgehen

Sie können Ihr inneres Team ganz bewusst für ihr persönliches (Selbst-)Coaching einsetzen, wenn schwierige Fragen anstehen, zum Beispiel, ob Sie eine Fortbildung besuchen oder vielleicht Ihren Arbeitgeber wechseln wollen. Zu jedem Thema wird Ihr inneres Team unterschiedliche Aspekte berücksichtigen und diverse Positionen vertreten.

Arrangieren Sie für sich ein bestimmtes Setting, indem Sie mit Papier und farbigen Stiften für jede innere Stimme ein Strichmännchen aufzeichnen, einen Namen vergeben und eine bestimmte Aussage niederschreiben.

So verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Mitglieder für Ihr inneres Team stehen und wie sie miteinander diskutieren oder auch streiten. Die Namen der einzelnen Charaktere können selbstverständlich von den oben beschriebenen abweichen, schliesslich geht es ja um Ihre ganz persönliche Situation. Beispiele wären der Faule, der Perfekte, der Skeptische oder der Schweiger.

Sorgen Sie dafür, dass sämtliche Mitglieder des inneren Teams zu Wort kommen, auch die Schweigsamen oder Zögerlichen, und wägen Sie anschliessend das Pro und Contra ab. Müssen Sie Ihr Selbstmanagement überprüfen? Sollten Sie einen neuen Zeitplan erstellen, der sich in Arbeits-, Lern- und Erholungszeiten gliedert? Je nach Fragestellung und Antworten aus dem Team zeichnet sich am Ende höchstwahrscheinlich ein Ergebnis ab, das alle Teammitglieder zufriedenstellt.