Ist das Bewerbungsfoto noch zeitgemäß?

Die klassische Bewerbung umfasst das Anschreiben, in dem künftige Mitarbeitende ihre Motivation darlegen – samt einem schön gestalteten und aussagekräftigen Lebenslauf. Der wiederum verlangt zwingend ein Foto – oder nicht?

Bewerbung / Neuorientierung
Veröffentlicht am 07.02.2019 von myjob.ch - Bildquelle: iStock

In den USA ist es längst verpönt, seiner Bewerbung ein Portraitfoto beizulegen – eine Tatsache, die sich auch in Europa bereits herumgesprochen hat. Hintergrund dafür ist die Erwartung, dass eine Personalentscheidung auf diese Weise möglichst objektiv – also rein auf Basis der jeweiligen fachlichen Eignung – erfolgt. Weshalb zum Beispiel einer unbewussten Benachteiligung oder Bevorzugung von Interessenten aufgrund ihres Geschlechts, der Hautfarbe, des Alters oder anderer Merkmale vorgebeugt werden soll.

Tatsächlich müsste in dieser Logik seitens der Bewerberinnen und Bewerber auch auf das Anführen des Namens, des Geburtsdatums und des Herkunftsortes verzichtet werden. Und in letzter Konsequenz müssten beispielsweise auch das Jahr des Hochschul-Abschlusses und der Name der Universität verschwiegen werden. Diese Informationen lassen nämlich Rückschluss auf das Alter und den sozialen Hintergrund einer Person zu.

Es wäre in diesem Sinn also ein gänzlich anonymisiertes Bewerbungsverfahren anzustreben. Was freilich völlig andere Abläufe in den Personalabteilungen verlangen und auch bei den Bewerbern nicht durchgehend auf Akzeptanz stoßen würde.

Üblich – also notwendig

De facto ist es heutzutage aber (noch) üblich, sich in der Schweiz auch unter Beifügung eines Fotos um einen Job zu bewerben. Eine scheinbar einfache Sache, bei der es dennoch einiges zu beachten gilt. So etwa die Qualität: Weder soll es sich um einen Scan oder die Kopie des – vielleicht auch noch 20 Jahre alten – Führerscheinfotos handeln, noch um ein allzu künstlerisch anmutendes Bild aus dem Fotostudio. Schwarz-weiß-Bilder sind unüblich, und Photoshop-Retuschen sollten nicht auf den ersten Blick sichtbar, sprich: von einem Profi vorgenommen worden, sein. Gleichzeitig sollte man dem, was das Foto herzeigt, noch einigermaßen entsprechen. Gute Selfies können durchaus funktionieren, allerdings sollte man sich bei einem Job, den man auch tatsächlich begehrt, nicht unbedingt darauf verlassen.

In diesem Sinn lautet die Antwort auf die anfangs gestellte Frage, ob das Bewerbungsfoto noch „zeitgemäß“ ist: Es ist in unseren Breitengraden einfach üblich – und damit ein notwendiges Detail in der Bewerbung.