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Die Bewerbungskiller

Veröffentlicht am 13.09.2019 von Manuela Specker - Bildquelle: Shutterstock
Die Bewerbungskiller

Floskelhaft, redundant, langfädig: Häufige Fehler in Bewerbungen und wie sie sich vermeiden lassen.

Zu floskelhaft: Es gibt Sätze, die mögen die Personalfachleute nicht mehr lesen. Dazu gehören: „Ihr Inserat hat mein Interesse geweckt“ oder „Mit grossem Interesse habe ich Ihre Anzeige gelesen“. Wenn danach substanzielle Erläuterungen folgen, warum man perfekt auf die Stelle passt, sind solche Sätze nicht zwingend das Killerkriterium. Aber wer aus der Masse herausstechen will, sollte sich einen individuelleren Einstieg in das Bewerbungsschreiben überlegen. Das kann zum Beispiel eine aktuelle Entwicklung sein, die mit der betreffenden Stelle oder dem damit verbundenen Umfeld in einem Zusammenhang steht. Oder man beantwortet direkt die Frage, warum man die richtige Besetzung ist oder warum man sich gerade für dieses Unternehmen interessiert. Das ist eine gute Ausgangslage, um diese im ersten Satz aufgestellte Behauptung zu vertiefen und die Rekrutierenden von sich zu überzeugen.

Zu ambitiös in der Gestaltung: Manche Bewerbungen erwecken den Eindruck, damit einen Designpreis gewinnen zu wollen. Sofern es sich nicht tatsächlich um einen gestalterischen Beruf handelt, sollte der Fokus auf den Inhalten liegen, die natürlich sauber formatiert und gegliedert und wie aus einem Guss daherkommen müssen. Eine einheitliche und übersichtliche Gestaltung ist wichtig, ausgefallene gestalterische Pirouetten lenken eher vom Inhalt ab.

Zu repetitiv: Zu jeder Bewerbung gehört ein Lebenslauf. Die Stationen im Lebenslauf dürfen dann aber nicht nochmals im Begleitschreiben runtergebetet werden. Nicht umsonst wieder dieser Brief auch Motivationsschreiben genannt. Wer den Text liest, muss zu spüren bekommen, warum man sich gerade für diese Stelle interessiert. Es geht darum, auf einzelne, aussagekräftige Aspekte einzugehen, die belegen, dass man sich dafür eignet.  Zu den häufigsten Fehlern gehört, in diesem Schreiben eine allgemeine Beschreibung zur Person, zu den spezifischen Eigenschaften und zum Berufsweg zu machen. Dabei geht es nur um eins: Man muss begründen können, warum man die richtige Wahl ist und dass das Interesse an der Stelle echt ist. Dann ist die Bewerbung auch nicht austauschbar und erregt automatisch mehr Aufmerksamkeit.

Zu langfädig: Die Kunst besteht darin, seine Aussagen auf den Punkt zu bringen. Die Faustregel lautet, dass das Motivationsschreiben auf einer Seite Platz haben sollte. Das bedingt, sich auf die Kernfragen zu fokussieren (Warum bin ich die Richtige für die Stelle?) anstatt allgemeine Erläuterungen zur Person abzugeben (siehe auch „Zu repetitiv“).  Der Lebenslauf sollte maximal zwei Seiten umfassen. Je länger man im Berufsleben steht, desto wichtiger wird es, den Lebenslauf entsprechend zu straffen. Personalfachleute staunen immer wieder, wie oft noch Angaben zur Primarschule oder sogar zum Kindergarten gemacht werden.

Zu beschreibend: Es ist einfach zu behaupten, man sei zielorientiert oder ein Teamplayer. Anstatt diese abgegriffenen Bezeichnungen zu verwenden, müssen die Eigenschaften vielmehr aus dem Schreiben heraus spürbar werden. Ist zum Beispiel explizit Kommunikationsstärke gefragt, kann man ein konkretes Beispiel bringen. Belegen statt beschreiben, lautet die Kurzformel. Wer mit Inhalten überzeugt, hat bessere Chancen als jener, der sich die gewünschten Eigenschaften überstülpt, ohne dass der bisherige Werdegang darauf schliessen lässt.

Zu hochstaplerisch: Natürlich möchte jeder einen guten ersten Eindruck hinterlassen. Das verleitet aber manche dazu, prahlerisch und besserwisserisch über sich selber zu schreiben. Am besten sachlich bleiben, und anstatt sich selber in den Himmel zu loben, ist es glaubwürdiger, konkrete Beispiele bringen. Die Grenze zwischen Wahrheit und Hochstapelei ist schmal. Ein Praktikum bleibt ein Praktikum, und aus einer Arbeitslosigkeit kann nicht plötzlich eine Selbstständigkeit werden. Wer sich trotzdem auf dieses Terrain der Täuschungen begibt, fliegt oft beim Vorstellungsgespräch auf – oder riskiert zu einem späteren Zeitpunkt die fristlose Kündigung. Das Gegenteil sollte aber auch nicht zutreffen: Falsche Zurückhaltung und Untertreibung sind genauso wenig angebracht. Es nützt weder dem Unternehmen noch einem selber, wenn mal als passende Kandidatin in der Masse der Bewerbungen untergeht.